ARD & ZDF im Netz: Gefahr für die Verlage?

Die Empörung der Verlage gegenüber den Internet- und Smartphone-Angeboten von ARD und ZDF ist eins der beherrschenden medienpolitischen Themen der Gegenwart. Auch nach der Zulassung der tagesschau.de-iPhone-App werden die Kritiker nicht leiser. Doch was ist an dem wichtigsten Argument, ARD und ZDF würden Netz-Geschäftsmodelle der Verlage zerstören, dran? Sind die öffentlich-rechtlichen Websites dafür überhaupt populär genug? MEEDIA zeigt die aktuellen Zahlen und vergleicht mit Zeitungsverlags-Websites.

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Angesichts der Tatsache, das mit IVW- oder AGOF-Zahlen vergleichbare Daten der ARD- und ZDF-Websites gar nicht oder nur unzureichend vorliegen, haben wir für unsere Analyse die aktuellen Unique-Visitors-Daten des Research-Tools Ad Planner herangezogen. Sowohl für die Angebote von ARD und ZDF, als auch für die der Tageszeitungsverlage wurde dann eine Top 20 mit den Unique Visitors des Monats Juli erstellt.

Das Ranking der öffentlich-rechtlichen Websites wird von ZDF.de angeführt. 2,30 Mio. unterschiedliche Besucher fanden laut Ad Planner im Juli den Weg auf die Website der Mainzer. Dass die ARD in Wirklichkeit aber eine größere Macht im Netz ist, wird in unserem Ranking nur dadurch nicht mit Platz 1 belohnt, dass die Angebote der ARD auf viele unterschiedliche Domains aufgeteilt sind. Würde man beispielsweise ard.de, daserste.de und ardmediathek.de zusammenzählen und Doppelnutzer abziehen, läge die ARD vor dem ZDF. Bei dem Mainzern sind hingegen nahezu alle Angebote, inklusive der populären Mediathek, allesamt unter ZDF.de abrufbar. So muss ARD.de sich aber mit 1,50 Mio. Nutzern mit Platz 2 zufrieden geben – gleichauf mit WDR.de. Tagesschau.de und Sportschau.de folgen mit 1,30 Mio. und 1,10 Mio. dahinter.

Doch was sagen diese Zahlen nun zum Konkurrenzverhältnis mit den Zeitungsverlagen aus? Die Popularität solcher Angebote wie ZDF.de oder ARD.de kann den Printmachern herzlich egal sein. Schließlich finden sich hier nahezu ausschließlich Informationen zu den Sendungen und keinerlei tagesaktuelle Nachrichten, etc. Für diese gibt es die gesonderten Plattformen tagesschau.de und heute.de. Zwar lockte tagesschau.de im Juli 1,30 Mio. Unique Visitors an, verglichen mit den großen überregionalen Zeitungen war das aber nicht viel. So kam die Süddeutsche Zeitung auf 2,40 Mio. Die Welt auf 2,90 Mio. und Bild sogar auf 6,80 Mio. Obwohl die "Tagesschau" im Fernsehen täglich von mehr als 8 Mio. Leuten gesehen wird, ist die Website also kein übergroßer Konkurrent für die überregionalen Nachrichten-Websites. Für heute.de gilt das erst recht nicht: Hier kamen im Juli nur 470.000 Unique Visitors zusammen.

Etwas anders sieht es aus, wenn man in die Regionen geht. So sind die Websites der Landesanstalten der ARD – und hier insbesondere die des WDR – durchaus eine Konkurrenz für die Regionalzeitungen. 1,50 Mio. Unique Visitors errechnete der Ad Planner für WDR.de im Juli – genau so viele wie bei der stärksten NRW-Zeitung im Netz, der Rheinischen Post. DerWesten, Angebot der WAZ-Blätter, lag mit 1,00 Mio. sogar klar hinter dem WDR, ebenso wie andere Konkurrenten wie der Express, der Kölner Stadt-Anzeiger, etc. Auch der Bayerische Rundfunk liegt mit 1,00 Mio. Unique Visitors klar vor sämtlichen bayerischen Tageszeitungen.

Die Empörung mancher Regionalzeitungsverleger ist daher durchaus nachvollziehbar, schließlich ist das Internet für sie die meist erste technische Plattform, auf der sie ernstzunehmende Konkurrenz haben bei den lokalen und regionalen Informationen haben. Ob es deswegen aber sinnvoll ist, diese Konkurrenz auszuhebeln und die öffentlich-rechtlichen Angebote zu beschneiden, muss an anderer Stelle entschieden werden. Warum das Internet aber für (Papier-)Verlage gedacht sein soll und für öffentlich-rechtliche (Rundfunk-)Anbieter nicht, erschließt sich in der Diskussion nicht wirklich.

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