TV-Journalist Lothar Loewe ist tot

Schon länger war der Name von Lothar Loewe etwas in Vergessenheit geraten. Doch jeder, der ein Bild des TV-Journalisten und ehemaligen Senderintendanten sieht, erinnert sich sofort wieder an seine prägnante Stimme. Als Korrespondent schrieb der TV-Haudegen Fernsehgeschichte, weil er als Leiter des ARD-Studios in Ost-Berlin aus der DDR ausgewiesen wurde, nachdem er über den Schießbefehl berichtet hatte. Am gestrigen Montag ist Loewe nun im Alter von 81 Jahren in Berlin verstorben.

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Aus der DDR flog der Reporter erst im Dezember 1976. Doch seitdem der ARD-Mann 1974 in die Deutsche Demokratische Republik kam, gab es ständig Ärger mit dem SED-Regime. Immer wieder wurde Loewe von den DDR-Bürokraten verwarnt. Es waren aufregende Zeiten in Ostberlin. Denn es fing an zu gären in der sozialistischen Republik. Der Widerstand nahm zu.

In diese Stimmung platze der wenig diplomatische TV-Mann mit einem Bericht über DDR-Grenzer, in dem er den mittlerweile legendären Satz platzierte: „Hier in der DDR weiß jedes Kind, dass die Grenztruppen den strikten Befehl haben, auf Menschen wie auf Hasen zu schießen.“

Die Folge: Ost-Berlin entzog dem am 9. Februar 1929 geborenen Beamtensohn wegen „grober Einmischung in die inneren Angelegenheiten der DDR" die Akkreditierung als Leiter des ARD-Studios. Der Reporter hatte 48 Stunden um das Land zu verlassen.

Spätestens die spektakuläre Ausweisung machte Loewe in Deutschland zu einem Star-Journalisten. Der Ruhm brachte ihn später bis auf den Posten des Intendanten des Senders Freies Berlins. Allerdings scheint der TV-Haudegen hinter einem Schreibtisch eine wesentlich schlechtere Figur gemacht zu haben, als vor der Kamera. Sein ruppiger Führungsstil sorgte dafür, dass gegen den Berliner der erste Abwahlantrag in der Geschichte von ARD und ZDF zur Abstimmung stand. Die erforderliche Zweidrittelmehrheit kam im Rundfunkrat allerdings nicht zustande.

In seinem Nachruf schreibt der Tagesspiegel: "Lothar Loewe verkörperte den Berliner Nachkriegsjournalismus wie kaum einer sonst. Das hatte nicht nur mit seinem Naturell zu tun, in dem seine Geburtsstadt unübersehbar war: immer ein bisschen die Uns-kann-keener-Tonlage, immer offenes Visier, keine Auseinandersetzung scheuend."

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