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„X Factor ist weder DSDS noch Supertalent“

Einen Tag nach der zehnten "Popstars"-Staffel startet heute bei RTL die neue VOX-Castingshow "X Factor". Glaubt man Jury-Mitglied Sarah Connor, liegt die Latte für das nach britischem Vorbild gestrickte TV-Event hoch: "Wir suchen jemanden, der Deutschland im Sturm erobern kann….und danach vielleicht die ganze Welt" - Menschen mit dem gewissen Etwas, dem "X Factor". VOX-Chefredakteur Kai Sturm erklärt im Interview mit Christopher Lesko, wie sich seine Show von Casting-Rivalen unterscheidet.

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Herr Sturm, „X Factor“ startet heute und morgen in der Primetime bei RTL  und danach Dienstag auf VOX. Wie fühlen Sie sich kurz vor dem Start?
Das Format ist eine echte Teamleistung. Wir arbeiten seit November letzten Jahres an „X Factor“. Es steckt jede Menge Konzentration, Einsatz und Gefühl von allen darin. Ich persönlich freue mich so sehr, wie ich mich selten gefreut habe, darauf, das nun dem Publikum zu zeigen.

Wie wird sich Ihrer Meinung nach „X Factor“ entwickeln? Sarah Connor hat die Latte hoch gelegt: „Wir suchen jemanden, der Deutschland im Sturm erobern kann….und danach vielleicht die ganze Welt.“ Das klingt selbstbewusst….
Wir haben das erfolgreichste Casting-Show-Konzept Großbritanniens und eines der erfolgreichsten der Welt in Händen, und wir werden mit unseren Mitteln versuchen, einen Erfolg daraus zu machen. Das ist meine Hoffnung, und dafür arbeiten wir alle hart.

Woran genau messen Sie persönlich denn Erfolg des Formates? Quote? Ranking des Siegers in den nationalen Charts?
Der Erfolg des Formates wird natürlich auch über die Quote gemessen. Ich ganz persönlich messe Erfolg auch an einer inhaltlichen Formvollendung: Zu Beginn hat man Bilder im Kopf, Vorstellungen, eine Vision. Wenn es dann gelingt, durch gemeinsame Arbeit dieser Vision näher zu kommen, empfinde ich persönlich eine große Zufriedenheit. Erfolg durch Quote übrigens ist ebenso wichtig, wie auch relativ, weil in einem Konkurrenzumfeld auch das Programm der anderen entscheidend ist. Nehmen Sie als ein Beispiel dafür nur die zeitgleiche Übertragung interessanter Fußballspiele. Schon heute kann ich sagen, dass wir tolle Kandidaten gefunden haben – bzw. sie haben uns gefunden – und das ist für mich bereits ein Erfolg. Die Platzierung in nationalen Charts wird von sehr vielen Faktoren bestimmt, die wir nicht beeinflussen können.

Wodurch verhindern Sie denn, das der durchschnittliche Zuschauer „X Factor“ einschaltet und sich zwischen einer Tüte Chips und einem warmen Bier fragt, wo der Bohlen bleibt?
Die Frage, die Sie stellen, berührt einen wichtigen Aspekt: Den der Trennschärfe. Wir täten niemandem einen Gefallen, wenn wir ein zweites „DSDS“, oder etwa ein zweites „Supertalent“ produzierten. „X Factor“ ist eigenständig und wird durch seine Farbgebung, die handelnden Personen und die Spielregeln auch als solches erkannt werden. Eines von vielen Beispielen dafür ist die Aufhebung von Altersbegrenzungen: Es gibt eine ganze Reihe von Kandidaten, die über dreißig sind, tolle Persönlichkeiten und gute Stimmen haben. Eine weitere Trennschärfe: Wir casten direkt vor Publikum. Was Ihr Bild der Tüte Chips angeht: Wenn der Zuschauer "Ihre Frage" stellt und trotzdem schaut, bin ich auch zufrieden.

Wie viel Arbeit steckte in der Vorbereitung?
Wenn Sie ein neues Format dieser Dimension auf die Beine stellen wollen, bedarf es eines tollen Teams und unglaublich viel Arbeit. 19.000 Kandidaten zu casten, ohne aus dem "Vollen" gewohnter, logistischer Abläufe und Prozesse schöpfen zu können, bildet eine Herausforderung. Ich bin allen sehr dankbar dafür, dass diese Leistung möglich wurde, ohne dass Begeisterung, Herz und Seele zugunsten von Routine verloren ging.

Was war denn Ihr  persönlich schönster Moment in der bisherigen Arbeit an "X Factor"?
Ich hatte bereits sehr viele schönste Momente –  Situationen während der Castings, in denen Kandidaten und Jury über sich hinauswachsen und emotional, unterhaltend und extrem kompetent agieren. Wenn unscheinbare Kandidaten plötzlich den ganzen Saal, das Team und die Jury musikalisch mitreißen, dann sind das fantastische Momente. Oder wenn Sarah Connor den Kandidaten nur ein paar kleine Tipps gibt und eine mittelmäßige Performance plötzlich zu einem "magic moment" wird, dann liebe ich dieses Format und die Jury ganz besonders.

Und worin bestand die relativ größte Schwierigkeit?
Aus der Vielzahl der guten und sehr guten Stimmen tatsächlich diejenigen herauszufiltern, die das gewisse Etwas haben, eben den "X Factor". Das ist ein enorm schwieriger Prozess. Die Jury ist sich da auch nicht immer einig, denn jeder urteilt natürlich subjektiv und legt seinen Schwerpunkt unterschiedlich.
Sagen Sie unseren Lesern doch kurz etwas zu der Jury und auch dazu, was aus Ihrer Sicht dieses Gremium von anderen unterscheidet.
Die drei "X Factor"-Juroren sind jeder für sich extrem erfahrene Musiker. Till Brönner, George Glueck und Sarah Connor bringen geballte musikalische und menschliche Kompetenz in diesen Wettbewerb. Sie leben jeden Auftritt, jeden Song der Kandidaten mit und spüren spontan, welches künstlerische Potenzial in den Kandidaten steckt. Es ist ein Vergnügen, ihre Reaktionen auf die vielen unterschiedlichen Castings mitzuerleben.
Sieht man einmal von Nationalhymnen und Family-Home-Stories ab, gilt Sarah Connor sicherlich als erfahrener Profi. In Jury-Rolle bei "Unser Star für Oslo" wirkte sie, wie andere Jury-Mitglieder auch,  übervorsichtig und beißgehemmt. Ist Ihre Jury aktuell genauso langweilig, oder verfügt auch die Jury über das, was Sie den "X Factor" nennen?
Jeder in der Jury hat den  "X Factor", sonst wäre er nicht Mitglied dieser Jury.
Wir haben Sarah Connor übrigens selbst gecastet: Lange vor USFO, in einem Set mit Probekandidaten. Sie hat uns total überzeugt. Hätten Sie bereits sehen können, mit welcher Kompetenz, Liebe und Leidenschaft Sarah Connor mit den Kandidaten umgeht, wie sie fast jeden Text mitsingt – Sie hätten diese Frage nicht gestellt. Die Jury insgesamt ist im Umgang mit den Kandidaten menschlich und auch kritisch. Wenn diese geballte, musikalische Kompetenz Kandidaten sagen muss, dass sie nicht in der nächsten Runde gesehen werden, trifft dies natürlich die Kandidaten besonders hart.

Sie suchen ja in mehreren Kategorien: "Solo-Sänger im Alter von 16-24", "Sänger ab 25 Jahren" und "Gesangsgruppen und Duette". Die Juroren sind nicht nur Juroren, sondern auch Mentoren und Wettbewerber für die von ihnen vertretene Kategorie. Erhöht das für Zuschauer nicht die Komplexität?
Schauen Sie sich die Shows an – das ist nicht so komplex wie sie vermuten!

Weitgehend zeitgleich läuft ja das etablierte ProSieben-Format „Popstars“. Spielte dies programmplanerisch für Sie eine Rolle?
Unsere Orientierung richtet sich nicht nach „Popstars“. Wir weichen da nicht aus, sondern wir starten mit unseren Themen dann, wenn es für uns am Besten ist. Wir haben in diesem Jahr eine „DSDS“-Staffel zeitlich und programmstrategisch ebenso zu berücksichtigen, wie den Start von „Supertalent“, oder etwa die Fußball-WM und die Sommerurlaubszeit. Da werden freie Zeitfenster rar. Selbst mit „Supertalent“ gibt es schon Zeitüberschneidungen. Natürlich werden Zuschauer, die „X Factor“ und „Popstars“ sehen, vergleichen.

Sind Ihnen Kommentare von ProSieben zum zeitgleichen Go-Life beider Formate bekannt?
Nein.

Sie selbst sind ja Diplom-Musiklehrer und haben klassische Gitarre studiert. Was für Musik hören Sie denn persönlich?

Je nach Lebenssituation: Pop-Musik oder Klassische Musik.

Kommen Sie noch dazu, Gitarre zu spielen?
Sehr selten.

Sie sind jetzt gut vier Jahre Chefredakteur bei VOX und Mitglied der Geschäftsleitung. Wie ist Ihnen der Wechsel von der vorherigen Rolle als Producer in diese zentrale Steuerungsverantwortung des Senders gelungen?
Mit Hilfe des wirklich professionellen Teams ist der Wechsel gut gelungen.

Unterstellen wir,  "X Factor" würde ein großer Erfolg – wie voll ist die Pipeline von darauf aufbauenden Anschlussprojekten?
Wir haben eine Menge Ideen, aber wir haben keine Pipeline.  "X Factor" als Primetime-Event ist neu für VOX. Zunächst muss "X Factor" in Deutschland und bei VOX ankommen.

Wo genau erleben Sie die Live-Shows?
Die Live-Shows erlebe ich aus der Regie mit.

Der Weg von Kai Sturm(49) führte den Dortmunder von zentralen Funktionen bei Endemol über Gesellschafter- und Geschäftsführerrollen (Stormy Entertainment / Eyeworks) und die Funktion des Executive Producers bei der Constantin Entertainment GmbH zu VOX. Seit 2006 ist Sturm in zentraler Verantwortung als Chefredakteur und Mitglied der Geschäftsführung des Senders.
www.lesko.ch

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