Fit for Fun: So wird ein Schuh draus

Ben & Jerrys, die wohl kalorienreichste Eismarke im Kühlregal, wirbt damit "von allem zuviel" zu bieten. Bei Burdas Fit for Fun, dem passenden Heft, um sich das Eis wieder ab zu trainieren, gilt leider zu oft das Gegenteil: Auch nach einem Relaunch bietet das Magazin leider immer wieder zu wenig. Denn Storys, Ideen und Fotos sind gut. Es fehlt nur der Platz, sie wirken zu lassen. Darunter leidet die Auflage, aber nicht das Merchandising, dass sich rund um die Marke immer besser entwickelt.

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Der Relaunch des Magazins der Burda-Tochter Verlagsgruppe Milchstrasse ist jedoch kein brutaler Bruch mit gewohnten Lesermustern, sondern eher ein Prozess der "redaktionellen Weiterentwicklung", wie Verlagsleiter Lutz Nierhoff gegenüber MEEDIA erklärt. Die Neuerungen sollen in den kommenden Ausgaben "sukzessive weiter voran getrieben" werden. Die wichtigsten Neuerungen: Der Titel setzt nun stärker auf Emotionen und es gibt ein großzügigeres Layout. Zudem sollen "die klassischen Inhalte" des Magazins nun in breiter gefasste Geschichten eingebettet werden, "wie zum Beispiel über das fitte Leben von Barbara Becker in Miami oder das erste Schwimmtraining einer Redakteurin mit Paul Biedermann", erklärt Nierhoff. Auch die Ressorts wurden neu zugeschnitten. Sie heißen jetzt: "Fitness & Sport", "Food & Body" sowie "Relax & Style".

Trotz dieser Änderungen wurde leider auch bei der neuen Fit for Fun am Platz gespart. Ein gutes Beispiel für die fehlende Länge der einzelnen Geschichten ist das Wander-Spezial. Als Leser wünscht man sich nach zwei Doppelseiten noch weiter opulente Optiken. Nur zwei Seiten Lauftexte sind auch zu wenig und der Test der besten Rucksäcke ist informativ und interessant, aber schon nach drei Seiten wieder vorbei. Auch nette Storys wie eine Übersicht über neun Sportarten, "die die Welt nun wirklich nicht braucht" ist viel zu schnell wieder vorbei.

Der Grund für den Relaunch ist, dass die Fit-for-Fun-Macher ein verändertes Lebensgefühl in ihrer Zielgruppe identifizierten und die Marke, inklusive aller Merchandising-Produkte, fit für die Zukunft machen wollen. "Fit for Fun steht für einen aktiven, positiven Lifestyle", sagt der Verlagsleiter. "Diese emotionale Qualität unserer Marke inszenieren wir zukünftig sowohl im Magazin als auch in allen anderen Produktbereichen noch deutlicher und nachhaltiger. Neben Print und Online sind auch neue Lizenzprodukte in Planung, u.a. erscheint demnächst eine neue Buchreihe." Die Nebengeschäfte mit dem Brand werden offenbar – zumindest für den Manager – immer wichtiger.
 
Angst vor der neuen Konkurrenz von Vital, die gerade die Abonnenten-Kartei von Healthy Living gekauft hat und dem neuen Motorpresse-Heft Active Life hat Nierhoff zumindest nicht. “Wie in allen Wirtschaftsbereichen belebt Konkurrenz das Geschäft. Und die Aktivitäten der genannten Titel zeigen ja, dass das von Fit for Fun begründete Marktsegment auch zukünftig viel wirtschaftliches Potenzial bietet". Im Lizenzgeschäft verkaufen die Hamburger längst nicht mehr nur Medienprodukte wie Bücher, DVDs oder Wii- und DS-Anwendungen sondern sind auch "in vielen anderen Produktbereichen von Fitnessprodukten über Schuhe bis zu Haushaltsgeräten erfolgreich unterwegs".
Die Auflage scheint sich allerdings genau entgegengesetzt zu den Erfolgen bei den zusätzlichen Einnahmequellen zu bewegen. Im Gesamtverkauf kommt das Heft aktuell auf 190.000 verkaufte Exemplare. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet dies ein Minus von 14 Prozent. Innerhalb von fünf Jahren verlor das Heft 26 Prozent.

Ob der bisherige Relaunch ausreicht, um dieses Minus wieder wettzumachen, bleibt abzuwarten. Allerdings hat das Heft vieles, was ein gutes Magazin ausmacht – es könnte nur viel mehr sein. Vielleicht würden wirklich mehr Bilder und mehr Text gleichzeitig zu mehr Auflage führen.

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