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Die Bundesliga-Sonderhefte im Vergleich

Wenn heute Abend der FC Bayern München auf den VfL Wolfsburg trifft, wird sie offiziell eröffnet: die 48. Saison der Fußball Bundesliga. Mit ihren Sonderheften buhlen auch dieses Jahr wieder die Sport Bild, der Kicker und – mit Abstrichen - 11 Freunde um Fußballfans, die alles Wissenswerte über die neue Spielzeit erfahren wollen. MEEDIA hat den Test gemacht und vergleicht die drei Magazine. Dabei zeigte sich schnell: Durch den frühen Redaktionsschluss fehlt es allen Heften an Aktualität.

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Sport Bild, kicker oder doch 11 Freunde? Beim Kauf des richtigen Bundesliga-Sonderheftes kommt es in erster Linie auf die Präferenzen und Gewohnheiten des geneigten Käufers an. Will dieser wie jedes Jahr zum Beispiel seine Tabelle regelmäßg stecken, dann kommt, klar, nur der Kicker infrage. ist man dagegen ein Freund der handgeschriebenen und selbst errechneten Tabelle, dann empfiehlt sich der Kauf der Sport Bild. Reicht einem ein loser Überblick über die Vereine und möchte man indes mehr abseitige Geschichten zur Bundesliga lesen, dann wäre der Griff zu 11 Freunde die logische Konsequenz.

Das Kicker-Sonderheft fällt dem Interessierten im Zeitschriftenregal sofort ins Auge. Doch dieses Jahr erregt nicht nur das traditionell knallige Rot des "Originals seit 1963" die Aufmerksamkeit. Vielmehr setzen die Nürnberger auf ein Hochglanzcover im Silberfoliendruck. Die Meisterschale leuchtet einem so stark entgegen, dass man sich in ihr spiegeln kann. Positiver Nebeneffekt: Der Umschlag wirkt durch das neue Material insgesamt stabiler. Für ein Heft, das einen die gesamte Saison über begleitet, ein nicht ganz unwichtiges Detail – gerade wenn man es häufig hin- und herschleppt.

Als weitere Extras bietet der Kicker die legendäre Stecktabelle für alle drei Profiligen, sowie eine faltbare Meisterschale zum Herausnehmen. Während die Stecktabelle ein unbedingtes Muss für alle Fußballfans ist, fragt sich der kritische Leser allerdings, warum die Meisterschale beiliegt. Damit auch ein Schalke-Fan mal getrost die Salatschüssel in die Hand nehmen kann?

Auf 250 Seiten bekommt man für 5,50 Euro die gewohnte Kicker-Kost serviert: Einen fachlich-nüchternen Überblick über sämtliche Bundesligisten. Bei den Vorberichten bekommt jeder Verein eine Doppelseite zugeschrieben, nur die Bayern haben mal wieder eine mehr. Und das, obwohl das Heft natürlich wie immer mit dem Interview des Meistertrainers – in diesem Fall Bayerns Louis van Gaal – eröffnet wird. Jeder Trainer äußert sich in gewohnter Manier zu den Zielen der Saison, am Ende jedes Berichts stellt der Kicker fest, was positiv und was negativ zu bewerten ist. Im Taktikschema sieht man anhand der Versalien auf den ersten Blick, welcher Neuzugang wo spielt und welche Alternativen es für einzelne Positionen gibt. Die Bildunterschriften geben dazu eine kurze, informative Erklärung.

Der Kicker bietet zudem den eindeutig besten Überblick über die einzelnen Kader. Neben den einseitigen Mannschaftsfotos sind wirklich alle Spieler aufgeführt, egal wie klein ihre Einsatzchancen auch sein mögen. Nach Redaktionsschluss folgende Transfers lassen sich jedoch nur mühselig einfügen, indem man Spieler wie Rafinha durchstreicht und Neuzugänge wie Raúl irgendwo in die Stürmerliste kritzeln muss. Oder man wartet auf die kicker-Beilage im September und legt sich diese mit in das Sonderheft – trotzdem fehlt in diesem Fall die Übersicht.

In weiser Voraussicht hat der Kicker – bleiben wir bei Schalke 04 – dem Chinesen Junmin Hao jedenfalls schon einmal die Rückennummer 8 zugeteilt. Raúl war schließlich schon im Anmarsch und hätte ohnehin auf die 7 bestanden. Um es vorwegzunehmen: In der Sport Bild trägt Hao noch die 7. Ärgerlich hingegen, dass in der Stecktabelle das Wappen des 1. FC Kaiserslautern noch das alte ist. Dabei verwenden die Nürnberger ansonsten im Heft das neue bordeauxfarbene Logo. Das Layout des Heftes ist insgesamt gut strukturiert und übersichtlich. Ein wenig uninspiriert wirken hingegen die Headlines der einzelnen Vorberichte.

Während man sich beim BVB beispielsweise einzig und allein auf die Laufbereitschaft der Elf ("Mehr als Miles & More") konzentriert, wird beim VfB – mal wieder – der Trainer, in diesem Fall Gross, und die "Boygroup" herangezogen. Soll es hingegen lustig werden wie beim 1. FC Nürnberg, funktioniert das auch nicht so gut. Unter der Headline "Bester Nebendarsteller – das wär’s!" versucht der Autor umständlich zu erklären, wieso die Clubberer dieses Jahr nicht in die Relegation wollen – und bemüht dabei über zwei Seiten den Vergleich zur Traumfabrik Hollywood – naja.

Insgesamt bietet der kicker jedenfalls wenig Überraschendes, jedoch auch Unverzichtbares. Ein Standardwerk eben, das seinen Weg in die Regale der meisten Fans sicherlich schon gefunden hat.

Das Sport Bild-Sonderheft ist die blaue und etwas kostengünstigere Alternative zum kicker. Für 4,90 Euro fällt die Seitenanzahl mit 246 fast ebenso hoch aus wie der große Bruder. Optisch macht das Heft weniger her als der kicker, und auch der Umschlag wird sich in geschätzt zwei Monaten sicherlich vom Inhalt verabschiedet haben.

Als Extra hat die Sport Bild ein Riesenposter mit Spielplänen der 1. und 2. Liga in die Heftmitte getackert. Das wirkt zwar auf den ersten Blick ein wenig knauseriger als die schöne kicker-Stecktabelle, hat jedoch einen tollen Nebeneffekt: Für Eintrag-Fetischisten – davon gibt es nicht wenige unter den Fußball-Fans – ist das Sport Bild-Sonderheft im Allgemeinen, das Poster aber im Speziellen ein Paradies. Im Poster kann der Leser nämlich nicht nur jedes Ergebnis eintragen. Nein, auch die Tabelle kann schön manuell und sorgfältig unter jeden Spieltag hineingepinselt werden. Hier kann der Anhänger seiner Buchhalterpassion also voll und ganz nachgehen.

Von der Qualität der einzelnen Artikel unterscheidet sich die Sport Bild kaum noch vom Kicker, was durchaus als Kompliment angesehen werden kann. Oder aber als Warnung für den Kicker. Das Layout ist aber insgesamt unübersichtlicher als beim "Original". Vor allem stört in den Vorberichten die Banderole „Die besten Ausländer aus 50 Nationen“. Die Kriterien für die Wahl der einzelnen Spieler werden nicht klar. Wieso zum Beispiel der ehemalige Kölner David Pizanti als bester Israeli gepriesen wird, fragt sich sicherlich nicht nur der ehemalige Gladbacher Roberto Colautti. Und wo ist der beste Luxemburger Jeff Strasser geblieben?

Das Taktikschema ist für den Laien weniger freundlich gestaltet als im kicker. Es werden keine Alternativen aufgezeigt, es springt dem Leser nicht ins Auge, wer nun neu im Team ist. Dafür bietet das Heft einen fantastischen Statistik-Teil, der in der Printlandschaft seinesgleichen sucht. Punkte sammelt die Sport Bild ebenfalls in der Frauenfußball-Berichterstattung, die beim kicker doch arg knapp abgehandelt wird. Da nützt dann auch im Terminkalender der Hinweis nicht mehr: "Ab Juni: Frauen gucken!"

Die Qualität der Headlines schwankt: Bei den Bayern wird man neugierig ("Die Quadratur des Kreises"), beim SC Freiburg fast poetisch ("Das Spiel am Ende der Bundesliga"). Dann holen die Hamburger aber auch mal wieder den Holzhammer heraus: "Das Jahr eins nach dem Tod von Enke" (Hannover 96), oder "Mainz formt jetzt die Mini-Bayern" bringt den Leser auf den Boden der Tatsache zurück. Die Kaderliste ist nicht so vollständig wie die des kicker, dafür hat die Sport Bild aber bewusst Platz gelassen, um bei den Einzelporträts Transfers auch nach Redaktionsschluss einkleben oder eintragen zu können.

Nicht zu vergleichen mit den beiden genannten Heften ist das Bundesliga-Sonderheft von 11 Freunde. Es handelt sich nämlich um die normale August-Ausgabe, die ihren Schwerpunkt lediglich auf die Bundesliga legt. Allerdings liegt dem Heft ein DIN A6-Kalender bei, dessen Highlight neben den historischen Mannschaftsfotos ganz sicher wieder die "Zweite Meinung" ist, bei dem sich Fans und Blogger zu ihren jeweiligen Teams äußern. Eine Kaderliste sucht man vergeblich, allerdings wäre sie zum frühen Redaktionsschluss ohnehin unvollständig gewesen.

Stattdessen bekommt man auf 180 Seiten für 4,90 Euro die gewohnt launige Unterhaltung, durch die sich 11 Freunde insgesamt auszeichnet. Schon das Titelbild ist in der Abwandlung eines Beatles-Platten-Covers ein echter Hingucker. Warum allerdings Torsten Frings und Michael Skibbe gleich zweimal auftauchen, bleibt ein Geheimnis der Redaktion. Als Lesehighlights empfehlen sich "Sonnig und warm in Karlsruhe", in dem Autor Ulrich von Berg einen informativ-unterhaltsamen Überblick über die Radioübertragung des ersten Bundesliga-Spieltags überhaupt liefert und seine unsägliche "Fußball & Pop"-Geschichte aus dem Vormonat vergessen macht. Auch die Interviews mit Mainz-Trainer Thomas Tuchel und den drei Augsburger Spielerfrauen liefern einen wohltuenden Kontrast zur Alltagskost.

Zu kurz kommen aber die Geschichten zu den einzelnen Bundesligaclubs (zehn Stück) und Zweitligavereinen (gar nur sieben). Für ein Bundesliga-Sonderheft ist das dann doch ein bisschen wenig.

Fazit: Um sich über die aktuelle Saison zu informieren, reicht dem "normalen" Fußballfan sicherlich das Heft des Kicker oder das der Sport Bild. Wer auf Übersicht, Stecktabelle und Vollständigkeit Wert legt, sollte den kicker kaufen. Alle, die Statistiken und handgeschriebene Tabellen lieben, kommen um die Sport Bild nicht herum. Und wer dann noch über den Tellerrand hinausblicken möchte und die Verbindung aus Fußball und Kultur bevorzugt, der kaufe sich zusätzlich auch noch die 11 Freunde.

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