Stern & Zeit titeln mit Angst vor Google

Für die Zeit steht fest: "Street View hat gute Chancen, zum Wort des Jahres zu werden." Das sieht der Stern genauso. Beide Titel machen diesmal mit Google auf. Spätestens jetzt ist die Diskussion über Privatsphäre im Web sowie über die Macht von US-Internet-Companies, das Sommerthema. Auch wenn beide Redaktionen die Debatte unterschiedlich angehen, eint sie doch ein diffuses Gefühl der Bedrohung. Denn beide Stücke stellen fest, wie schwierig es ist, einen multinationalen Online-Giganten zu kontrollieren.

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Auf der Titelseite der Zeit ist das Foto einer Fußgängerzone zu sehen, über das ein Kamerabaum eines Google Street View-Autos montiert ist. Die Zeile dazu lautet: "Feindbild Google: Muss man sich gegen das Abfotografieren unserer Straßen und Häuser wehren? Oder hängen wir einem überholten Begriff des Privaten nach?"

Das aktuelle Cover der Zeit

Der Stern geht das Thema optisch auch nicht gerade kreativer an. Auf dem Magazin-Cover liegt auf weißem Grund nur der Firmenschriftzug des Suchgiganten. Die beiden Os im Namen Google werden dabei als Augen dargestellt. Die Zeile dazu: "Big Brother Google is watching you: Wie der Internet Konzern mit Bildern und Daten aus unserem Leben Geschäfte machen will".

Das Stern-Cover

Das Interessanteste an der Stern-Titelstory ist der Umstand, dass die Hamburger über den Punkt hinaus zu sein scheinen, dass Für und Wider von Street View zu diskutieren. Für die Hauptautoren Karsten Lemm, Dirk Liedtke und Stefan Schmitz scheint die Entscheidung gefallen, dass sie das alte Google-Motto "don’t be evil" nur noch für eine leere Hülle halten. Ihre Sicht auf die US-Company wird am deutlichsten auf der dritten Doppelseite. Sie bietet einen Überblick ("Das Google-Puzzle") über alle Dienste der Suchmaschine. Dort schreiben die Autoren: "Vor zwölf Jahren hat Google als Internetsuchmaschine begonnen. Seitdem sind etliche Angebote dazugekommen, und alle dienen nur einem Ziel: immer mehr Daten zu sammeln – bis sich Google ein komplettes Bild von uns machen kann."

Der Stern kommt zu dem Schluss, dass die Politiker eigentlich Überfordert sind, tatsächlich die Konsequenzen der Datensammelwut von Web-Konzernen wie Google und die neue "Allgegenwart des Internets" zu verstehen. Die Autoren sind sich sicher, dass nichts mehr so sein wird wie bisher, "wenn alle Möglichkeiten der digitalen Welt ausgeschöpft werden". Der Text, der vor allem ein Gefühl der Angst vor der neuen transparenten Web-Welt transportiert, kommt zu dem Schluss, dass nur die Gesellschaft Google & Co. aufhalten kann.

Auch wenn die Zeit direkt über ihren Themenschwerpunkt "Feinbild Google" schreibt, kommt sie doch mit weniger Panikmache aus. Trotzdem dominieren auch in der Redaktion von Chefredakteur Giovanni DiLorenzo ganz ähnliche Überlegungen: "Nicht mehr der Staat, sondern ein Konzern, der globale Gigant Google, verkörpert plötzlich die Angst, es könnte ein Zeitalter der totalen Überwachung anbrechen."

Der Zeit-Titel besteht aus vier Artikeln. So fragt Heinrich Wefing in einem Essay: "Sind die Datensammler stärker als die Demokratie?" Wirtschaftsredakteur Thomas Fischermann schaut, was Google alles über ihn weiß und Götz Hamann erzählt aus dem Silicon Valley. Zudem beantwortet die Redaktion fast auf einer ganzen Seite fünf Fragen. Doch anders als Google in einer Eigenanzeige, die in der vergangen Woche von allen großen Zeitungen gedruckt wurde, werden in dem Q&A-Stück keine beruhigenden Informationen zur Funktionsweise von Street View verbreitet, sondern prägnant gefragt: "Was kann Google stoppen?".

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