Vital-Relaunch: Survival of the fittest

Von wegen Kraft durch Ruhe und Entspannung oder Tantra-Yoga: Das Segment der Wellness- und Fitness-Hefte ist aktuell eine der umkämpftesten Zeitschriftengattungen. Neben Neuerscheinungen wie active live (Motorpresse), wird der Branchen-Klassiker Fit for Fun gerade optisch renoviert, genauso wie die Vital aus dem Jahreszeitenverlag. Der Jalag-Titel ändert jedoch nicht ein paar Layouts, sondern versucht sich fast neu zu erfinden, in dem man sich u.a. die gerade eingestellte Healthy Living einverleibt.

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Für die Vital kauften die Jalag-Manager von den Altbesitzern Gruner + Jahr und Klambt sowohl die Titelrechte, als auch den Abonnentenstamm. Diese Zäsur nutzte dann die Chefredakteurin Joy Jensen um das Heft umzubauen. Das Ziel ist klar: die Healthy-Living-Leserinnen sollen nicht enttäuscht und die beschauliche Vital jünger werden. "Wir nutzen die Impulse, die wir mit der Integration von Healthy Living bekommen, um neue Zielgruppen, neue Geschäftsfelder und neue Vertriebskanäle für Vital zu erschließen", sagt Jan-Pierre Klage, Sprecher der Jalag-Geschäftsführung.

Auf den ersten Blick ist der Preis, den das Vital-Cover für die Healthy-Living-Integration zahlen muss, ein sehr hoher. Die Titelseite wird von einer roten Flying Page brutal getrennt. Zudem schaut das Covergirl den Leser gleich zweimal an. Weitere Verwirrung  stiften zwei grüne Healthy Living-Anspielungen. So erinnert die Titelseite des neuen Dossiers stark an das G+J/Klambt-Heft, genauso wie das Cover der aufgeklebten Pilates-DVD, die mit der alten Farbgebung des aufgekauften Titels spielt.

Das Cover des neuen Dossier

Auf Seite drei geht die Verwirrung gleich weiter. Denn auf dem Editorial von Joy Jensen klebt als Supplement das neue Dossier. Normalerweise werden solche Zusatzhefte in das Blatt gelegt oder auf den Titel gepappt.  In ihrem kurzen Vorwort erklärt die Chefredakteurin die wichtigsten Neuerungen. Über das Dossier sagt sie, dass es sich thematisch um Liebe, Familie und Job drehen soll. Die Inhalte sollen "alltagsnah, kritisch" und "frisch" sein. "Zum Start gehen wir dem Trend der Selbstoptimierung nach: Was verlagt die Zukunft von uns? Wie weit würden Sie für Ihren Erfolg (oder den Ihrer Kinder) gehen – und wann sollte man einfach mal Nein sagen?"

Eine weitere Neuerung ist die Serie "Mein Leben mit…". Jeden Monat will die Redaktion starke Menschen vorstellen, die gelernt haben, mit einer (chronischen) Krankheit zu leben. "In der ersten Folge lesen Sie, wie eine depressive Mutter ihren Alltag meistert und welchen Einfluss ihre Erkrankung auf Familie und Freunde hat", erklärt Jensen.

Neben den frischen großen Geschichten gibt es neue Rubriken auf den News-Seiten und ein übersichtlicheres Inhaltsverzeichnis. Ansonsten bietet das Heft den klassischen Vital-Themen-Mix. Im Angebot sind eine Story über Bioseide in Laos, Wüstenkosmetik, ein Stück, das vor Pseudo-Therapien warnt und "mehr Lust durch Love-Gym". Dahinter verbergen sich "Übungen aus Qigong, Tantra-Yoga, Beckenbodentraining". 

Beim Jahreszeitenverlag erhofft man sich von den inhaltlich doch eher kleinen Änderungen eine möglichst große Auflagenwirkung. Die Heft-Verkäufe könnten sehr gut mal wieder einen Wachstumsschub gebrauchen. Im zweiten Quartal 2010 kam die Vital auf einen Gesamtverkauf von 219.252 Exemplare. Das bedeutet im Vergleich zum Vorjahr ein Minus von neun Prozent. Innerhalb der vergangenen fünf Jahre verloren die Hamburger sogar 20 Prozent. Das prozentuale Minus bei der Burda-Konkurrenz ist sogar noch höher. Fit for Fun verlor in den vergangen fünf Jahren 26 Prozent. Aktuell kommt das Heft auf einen Gesamtverkauf von 190.435 Exemplare.

Zumindest die neue überarbeite Ausgabe wird mit guten Zahlen glänzen können. Denn Vital übernimmt von Healthy Living – laut IVW – rund 11.000 Abonnenten. Ob das überarbeitete Heft den alten Lesegewohnheiten genug entgegenkommt, um einen Großteil der alten Kunden zu halten, bleibt abzuwarten.

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