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Game-Changer? Das iPad im Test

Während vor einigen Monaten die Zukunft der Medienkonzerne noch trostlos erschien, könnte das neue iPad zum „Game-Changer“ werden. Plötzlich produzieren sie nicht mehr Produkte, die altmodisch und ohne Perspektive wirken. Plötzlich haben sie die Chance, wieder richtig sexy zu werden. MEEDIA-Herausgeber Dirk Manthey hat das iPad drei Tage lang getestet und sieht enorme Chancen für die Medienindustrie. Warum das iPad für Business-Leute eine Enttäuschung und dennoch das Beste ist, was Apple je erfunden hat.

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Während von einigen Monaten die Zukunft der Medienkonzerne noch trostlos erschien , könnte das neue iPad zum „Game-Changer“ werden. Plötzlich produzieren sie nicht mehr Produkte, die altmodisch und ohne Perspektive wirken. Plötzlich haben sie die Chance, wieder richtig sexy zu werden. MEEDIA-Herausgeber Dirk Manthey hat das iPad drei Tage lang getestet und sieht enorme Chancen für die Medienindustrie. Warum das iPad für Business-Leute eine Enttäuschung und dennoch das Beste ist, was Apple je erfunden hat.

Beim Auspacken bin ich erst einmal enttäuscht. Das iPad ist kleiner und schwerer, als ich es nach den Presseberichten erwartet hab. Na ja, und dann hat es kein richtiges Keyboard und auch kein Flash. Besonders angetan bin ich auf dem ersten Blick nicht.

Bevor ich irgendwelche Vorteile sehe, werden mir erst einmal die Nachteile klar: die Touchscreen-Tastatur ist für Leute, die viel schreiben müssen, nicht gut genug. Das iPad ist kein Notebook-Ersatz. Für Business-Leute ist das Gerät eher eine Enttäuschung.
Nach fünf Minuten verbessert sich mein Eindruck. Ich surfe etwas im Internet. Die Handhabung vom iPad ist so einfach, so intuitiv, daß man keine Gebrauchsanweisung benötigt. Und im Gegensatz zum Notebook, das mit der aufgeklappten Tastatur immer etwas sperrig wirkt, liegt das iPad ideal in der Hand.

Und dann wird es richtig toll. Ich lade Apps herunter, sehe mir Videos bei YouTube und im Podcast („Heute Journal“) an und blättere in „iBooks“: IT BLOWS YOU AWAY! Das ist unglaublich, das ist genial – das ist das Beeindruckendste, was ich in den letzten 20 Jahren beim Thema Computer & Internet erlebt hab.
Das iPad, das wird einem ganz schnell klar, eine gigantische Unterhaltungsmaschine. Und die Chance für die Medienkonzerne, denn von Unterhaltung verstehen sie etwas.

Hier einige erste Eindrücke:

– Wenn man das iPad mit dem Notebook vergleicht, hat man das Gefühl, das iPad müsste mittelfristig eigentlich erfolgreicher werden. Das iPad ist so etwas wie das Fernsehen von morgen. Das Notebook und den PC wirken dagegen altmodisch und wird man irgendwann nur noch zum Schreiben nehmen

– Das iPad braucht Apps. Die normalen Webseiten erscheinen auf dem relativ kleinen Bildschirm zu lang und überladen. Man kann jedem Medienunternehmen nur raten, seinen Webauftritt über eine App auf den kleineren iPad-Bildschirm anzupassen.

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– Richtig sexy wird eine App, wenn man Text, Video und Ton (und später noch GPS) verknüpft. Das Wall Street Journal macht das so, USA Today auch. Wow, plötzlich kommt eine Zeitung zum Laufen! Das hat was.

– Auf keinen Fall sollte man fürs iPad eine Zeitschrift 1:1 umzusetzen. Time Magazine hat das versucht, und erleidet damit gerade Schiffsbruch. Wen interessiert bei einem so schnellen Medium schon, was Redakteure vor 10 Tagen bei Redaktionsschluss geschrieben haben. Und für diesen alten Kram soll man noch 4,99 Dollar zahlen. Forget it!

– Die iPad-Apps brauchen eine eigene, neue Navigation. Die BBC zeigt, wie das geht. Und bei den journalistischen Apps setzt sich immer mehr eine Story-to-Story Navigation durch. Das heißt, man „wischt“ sich horizontal von einer Story in die nächste.

Ich glaube, nur wenige Verlage wie die New York Times können sich erlauben, Bezahl-Apps anzubieten. Dazu ist die Kostenlos-Gesellschaft zu weit fortgeschritten. Aber das iPad bietet so viele kreative Möglichkeiten, Werbung in den Content einzubauen, dass man den Verlegern fast raten sollte, auf Bezahl-Apps zu verzichten. Die Werbung wird es bringen.

Und last, but not least: Meiner Meinung nach ist jeder Versuch, das iPad und den iTunes Store zu umgehen, zum Scheitern verurteilt. Dieses iPad ist genial, sexy, unschlagbar – mit das Beste, was Apple je herausgebracht hat. Deutsche Medienunternehmen sollten sich deshalb hüten, eigene Wege zu gehen. If you can’t beat them, join them.

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