Kachelmanns Meteomedia im Zwielicht

Das Internetportal derwesten.de berichtet über mögliche Schleichwerbung im Wetter-Imperium des ARD-Wetterexperten Jörg Kachelmann. Außerdem gebe es bilanzielle Ungereimtheiten bei einer Bochumer Schwesterfirma. Die Vorgänge, die derwesten beschreibt, haben vordergründig nichts mit den Vergewaltigungs-Vorwürfen gegen Kachelmann zu tun, wegen denen ihm im September der Prozess gemacht wird. Allerdings gibt es hinter den Kulissen einen Machtkampf um die Vorherrschaft bei Meteomedia.

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Laut derwesten.de gibt es neben der Schweizer Meteomedia, die als Aktiengesellschaft geführt wird, einen weniger bekannten Ableger gleichen Namens in Bochum. In Verträgen, die bei der Eröffnung neuer Wetterstationen abgeschlossen werden, sollen beide Meteomedias gemeinsam als Schwester-Firmen auftreten.

Es gehört zum Geschäft von Meteomedia in Städten und Gemeinden Wetterstationen zu eröffnen. Dafür muss der Meteomedia-Vertragspartner eine Station kaufen und oft auch das entsprechende Grundstück bereitstellen und den Unterhalt der Station zahlen. Der Käufer bekomme dafür vertraglich garantiert, dass der Name der Station im Laufband in den Meteomedia-Wettersendungen vorkommt. Die Kachelmann-Firma produziert u.a. die Wettersendung kurz vor der ARD-”Tagesschau” – ein sehr begehrter Sendeplatz im deutschen Fernsehen.

Meteomedia verpflichtet sich laut Recherchen von derwesten auch, die Namen der Wetterstationen in das eigene Internetangebot einzubinden. Dieses wiederum läuft dann auch über die eigentlich werbefreien Online-Seiten der ARD. Das wäre soweit nichts Ungewöhnliches. Immerhin geht es um unverfängliche Ortsnamen, könnte man denken. derwesten schreibt allerdings, dass dort auch Namen von Wetterstationen auftauchen wie „Baden-Baden Brenners Parkhotel“, „Dahme – Technikhandel Kreißler“ oder „Köln-Porz-Wahn-Reifen Johann“. Das riecht dann schon wieder nach Schleichwerbung.

Die Bochumer Meteomedia kümmert sich laut derwesten um die Wettersendungen für das Erste und um den Handel mit Wetterinformationen für Firmen. Seltsam sei nun, so derwesten, dass die Bochumer Meteomedia laut Bilanz trotz des vermeintlich lukrativen Geschäftszweiges keinen Gewinn ausweise, sondern sogar eine bilanzielle Überschuldung. Was mit den Einnahmen geschieht, sei nicht klar. Steuern müssen bei einer Überschuldung jedenfalls keine gezahlt werden, notiert derwesten vielsagend.

Mit dem Vergewaltigungs-Prozess haben die Recherchen, die von der neuen Investigativ-Abteilung der WAZ-Gruppe stammen, vordergründig nichts zu tun. Allerdings ist in der Zeit, in der Kachelmann in Untersuchungshaft saß, hinter den Kulissen ein Machtkampf um die Vorherrschaft in seinem Wetter-Reich ausgebrochen, den Kachelmann zunächst für sich entscheiden konnte. Kachelmanns Mit-Gesellschafter bei Meteomedia, der Medien-Unternehmer Frank B. Werner, hatte versucht, Kachelmanns Namen von den Geschäften der Firma zu lösen. Werner hat seinen Posten im Verwaltungsrat allerdings rückwirkend zum 1. Juli niedergelegt. Dass gerade jetzt Ungereimtheiten über das Geschäftsgebaren Kachelmanns an die Öffentlichkeit kommen, kann ein Zufall sein. Muss es aber nicht. Der Machtkampf um Meteomedia ist womöglich noch nicht final entschieden.

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