ZDF-Reporter twittert aus Krisenregion

Zuschauer können via Twitter in Echtzeit verfolgen, wie die Berichte für "heute" und "heute-journal" in Pakistan entstehen. Korrespondent Stephan Hallmann setzt dafür aus der Krisenregion per SMS alle paar Stunden eine Kurznachricht ab - mal mit Notizen seiner Recherchen und dann wieder mit persönlichen Appellen. Eine intelligente Ergänzung zu seinen Reports im TV. Vielleicht sogar die Zukunft des modernen Fernseh-Journalismus?

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Wenn es irgendwo auf der Welt brennt, dann rufen sie auf dem Mainzer Lerchenberg häufig nach Stephan Hallmann. Der 56-Jährige ist Teil des ZDF-Reporterpools, angesiedelt in der Hauptredaktion "Außenpolitik". Die Einheit bilden eine Handvoll sogenannter Fallschirm-Reporter: Anders als die Korrespondenten, die in ihrer Region ständig Präsenz zeigen, fliegen Hallmann und seine Kollegen bei Bedarf ein – so wie Hallmann jetzt mal eben in Pakistan. Spätestens seit dem 8. August tut das Not. An diesem Tag erklärte der UN-Sondergesandte für diese Krise, Jean-Maurice Ripert, die Schäden der Jahrhundertflut in Pakistan seien viel schlimmer als erwartet, ein Drama ohne jeden Vergleich.

Hallmann, der bis 2008 als fest stationierter Korrespondent in Istanbul viel Erfahrung in der weit gefassten Region gesammelt hat, führt mit seinem Einsatz eine Neuerung im ZDF ein: Reporter, die nicht nur an der üblichen Fließbandmaschine TV-Beiträge absetzen, sondern die Zuschauer zwischendurch auch mit Statusnachrichten über ihre Arbeit wie auch über ihre Eindrücke auf dem Laufenden halten. Für diesen Feldversuch müssen Zuschauer nur den Twitter-Feed @HallmannZDF anklicken. Los ging es dort am 15. August mit der Nachricht(*): "Hallo. Ich berichte für das ZDF aus #Pakistan über die Flut. Vor 2 Tagen bin ich hier angekommen, seitdem im Dauereinsatz."

Was seitdem folgt, ist ein Mix aus Recherchenotizen und Hilferufen. "Zuerst in Sukkur, dann in Jacobabad. Die Stadt war fast leer, alle vor dem Wasser geflohen, nur ein paar Aufpasser sind geblieben" und "Der Kanister mit Ersatzbenzin leckt, so viele Dämpfe im Auto, dass man Kopfschmerzen bekommt. Brauchen dringend einen neuen", schrieb Hallmann. Auch von dem Plan "Heute wollen wir Kontakt mit dem Militär aufnehmen und versuchen, mit Helikoptern mitzufliegen. Straßen sind dicht" erfährt der Zuschauer – und kann so die Arbeitsbedingungen des ZDF-Teams erahnen, wie auch gelegentliches Reporter-Glück und die Herausforderung, die eigene Arbeit zu organisieren. Da ist etwa der ergatterte Platz in einem klimatisierten Hotel, der helfe: "Morgens vor der Tür 40 Grad im Schatten und 500.000 Fliegen."

Und dann appelliert Hallmann in persönlichen Kurzkommentaren an seine Follower. Der Journalist schreibt vom "unfassbares Leid", den "immer noch relativ wenigen" Flüchtlingslagern für die vielen Obdachlosen und den "Regentropfen – das Schlimmste für die Menschen hier". Auf Fragen einiger Twitter-Nutzer antwortet er explizit: "Man muss ernsthaften Organisationen spenden, da kann man sich darauf verlassen, dass das ankommt. Wir müssen hier helfen!" Tweets, die für Glaubwürdigkeit sorgen und Zuschauer und Reporter einander näher bringen. Der 56-Jährige Hallmann macht vor, wie das klappen kann. Schon einen Tag nach seinem ersten Eintrag zählte @HallmannZDF knapp 600 Follower – und machte weiter: "Die Menschen sind zornig, weil die Regierung ihnen nicht hilft. Wir machen ein Stück für 17 Uhr."

* Zur besseren Lesbarkeit hat MEEDIA die Groß- und Kleinschreibung in den zitierten Passagen aus Stephan Hallmanns Statusupdates korrigiert.

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