TV-Kritik: Trash hoch drei bei RTL II

Die Lücke, die der Schluss der zehnten "Big Brother"-Staffel am Montagabend hinterlassen hat, füllt RTL II seit dieser Woche mit einem Doku-Soap-Trio der speziellen Art. Übergewichtige junge Leute leben in "Abenteuer Afrika" bei Buschmännern in Namibia, D-Promis leben in "Das Tier in mir" bei Tieren im Zoo und Z-Promis lassen sich in "Tattoo Attack" tätowieren. MEEDIA hat sich tapfer durch die drei Stunden RTL-II-Programm gekämpft und erzählt, wie es war.

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"Abenteuer Afrika – Deutsche Teenies beißen sich durch" / montags, 20.15 Uhr / Produzent: Endemol

Laut RTL II leben in dieser Doku-Soap acht Teenies bei einem Stamm in der namibischen Wüste. Was die drei 21- bis 22-jährigen Kandidaten Ben, Denis und Jasmine allerdings dazu sagen, als Teenies bezeichnet zu werden, verschweigt der Sender. Doch das ist nur eine Nebensache in der Reihe, die leider hält, was die Befürchtungen im Vorfeld versprachen. So werden acht bedauernswerte Menschen, die teilweise wirklich ernste Schicksale durchlebt haben, bzw. noch durchleben und sicher eine seriöse Kur oder Therapie gebrauchen könnten, in ein ansonsten wohl für Touristen hergerichtetes Eingeborenen-Dorf gesteckt, um dort von Kameras vorgeführt zu werden.

Statt den Mut zu zeigen, den ein solcher Trip durchaus erfordert, statt die Kids ernsthaft bei ihren Erlebnissen zu begleiten, werden vornehmlich gegenseitiges Lästern, Dicke beim Duschen und Dicke beim Kotzen gezeigt. Und als der Freund einer Kandidatin in einem Kurzporträt schwärmt, wie sexy er seine Liebste findet, zoomt die Kamera auf den Mund der Frau, in der diverse Zähne fehlen. Hoffentlich hat der Regisseur sich beim Schneiden dieser Bilder wenigstens geschämt. "Ja, Afrika is auch manchmal voll das Arschloch", sagt ein Kandidat in der ersten Folge. Oder auch "Frau Sautter (eine der Expertinnen) ist für mich ne Schlampe".

Mit einem anderen Auftraggeber hätte Produktionsfirma "Big Brother" aus den selbem Trip mit den selben Kandidaten und den selben Bildern sicher auch eine durchaus seriös gemeinte Sendung schneiden können. Doch leider ist "Abenteuer Afrika" der für Privatsender leider übliche menschenverachtende Trash geworden, der bei den acht Kandidaten hoffentlich kein weiteres Trauma auslöst.

"Das Tier in mir" / montags, 21.15 Uhr / Produzent: Shine Germany

Als diese Idee vor einiger Zeit via "Bild" an die Öffentlichkeit kam, war das Geschrei groß. D-Promis wie Katy Karrenbauer, Gina-Lisa Lohfink, oder die in der ersten Episode auftretenden Olivia Jones und Oliver Beerhenke ("Upps! Die Superpannenshow") leben wie Tiere im Zoo. Das Geschrei war allerdings etwas übertrieben, denn die fertige Sendung ist eher harmlos und langweilig. Zwar müssen Jones und Beerhenke, die zwei Tage mit Kamelen bzw. Bären zusammen leben, zu Beginn ihre Kleidung mit Kot einreiben, doch weitere allzu schlimmen Momente bleiben aus. Stattdessen wird etwas übertrieben, da die Kandidaten sicher nicht die ganze Nacht mit bzw. neben den Tieren verbracht haben, aber das ist in den heutigen Zeiten der "Scripted Reality" ja eh wurscht. Unter dem Strich bleiben 60 Minuten Langweile, die weder Tierfreunde noch Trash-Fans auf ihre Kosten kommen lassen.
"Tattoo Attack – Deutsche Promis stechen zu" / montags, 22.15 Uhr / Produzent: south & browse

Der Tiefpunkt des 3-Stunden-Doku-Soap-Marathons heißt "Tattoo Attack". Tiefpunkt aber nicht wegen des Niveaus, da ist "Abenteuer Afrika" nicht zu unterbieten, sondern Tiefpunkt wegen der Zähigkeit der Sendung. Alida Kurras und Carsten Spengemann (!) lassen sich tätowieren. Mehr Worte müssten zu diesen 60 Minuten gar nicht verloren werden, denn mehr passiert nicht. Der Zuschauer begleitet allen Ernstes zwei Z-Promis dabei, wie sie sich ein Tattoo stechen lassen. Wahrscheinlich wäre es sogar spannender, wenn man den beiden beim Zeitunglesen zusehen würde. Oder beim Mittagsschlaf.

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