Seibert sitzt bei Merkel am Entscheider-Tisch

Am heutigen Montag stellte sich Steffen Seibert als neuer Regierungssprecher von Angela Merkel vor. Erst präsentiert sich der ehemalige ZDF-Mann der Bundespressekonferenz, dann wurde er von der Kanzlerin offiziell begrüßt. Der erste Eindruck: Seibert wird es gelingen die Politik der Kanzlerin vor laufenden TV-Kameras zu erklären. Seine Zielsetzung gegenüber den Hauptstadtpresse: "Sie haben meinen Vorgänger nicht umsonst mit Beifall verabschiedet. Ich hätte schon viel geschafft, wenn ich das Wilhelmsche-Niveau erreichen würde."

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Zu Beginn der Bundespressekonferenz gab Seibert erst mal zu: "Ich bin echt nervös, das ist wie Abi, Führerschein-Prüfung und alles zusammen." Später, bei der Vorstellung durch die Kanzlerin sagte er noch einmal: "Egal, wie groß die Nervosität ist, viel größer ist die Begeisterung."
Die Kanzlerin lobte erst ihren neuen Sprecher und wünschte ihm dann "schon aus Eigeninteresse" viel Erfolg. "Die vielen Journalisten-Kontakte pro Stunde, die Sie pflegen müssen, ist nicht unerheblich." Geradezu verschmitzt merkte sie an: "Je mehr Sie haben, desto weniger Kontakte muss ich machen."
Zudem versprach sie ihrem neuen Sprecher einen "Zugang", überall dahin, "wo wirkliche Entscheidungen fallen". 
Gegenüber der Bundespressekonferenz musste der 50-Jährige nicht mehr als zehn Fragen zu seinem neuen Job beantworten. Er machte dabei keine schlechte Figur, obwohl dem Nachrichten-Profi die Nervosität klar anzusehen war. So versuchte er die ersten Fragen noch mit lustigen Bemerkungen zu kontern. Das scheiterte. Danach stillte er den Wissensdurst der als schwierig geltenden Berlin-Korrespondenten mit sehr knappen Erwiderungen. 
Seine Antwort auf die Frage, was er anders machen würde, als sein Vorgänger: "Ich wäre doch irre, wenn ich mich jetzt hier hinsetzen würde und sage: das und das mache ich anders." Den Anspruch, den er an seinen neuen Job hat: "Ich habe jetzt für jeden sichtbar ein neues Kapitel aufgeschlagen. Selbstverständlich werde ich jetzt versuchen, die Politik der Regierung einer breiten Öffentlichkeit zu erklären. Das reicht mir erst mal an Anspruch."
Zudem stellte sich im Laufe der ersten Bundespressekonferenz heraus, dass Seibert ein echter Merkel-Fanboy ist. Auf die Frage, was ihm an der Kanzlerin gefalle, entgegnete er: "Nehmen sie es mal so hin, dass ich ihre Arbeit, ihr persönliches Auftreten und ihr Wertesystem gut und überzeugend finde." 
Nicht nur dieses Bekenntnis dürfte seiner neuen Chefin gefallen haben. Auch nutzte Seibert gleich die erste Chance, die Regierung als treibende Kraft hinter dem Aufschwung positionieren. "Die wirtschaftliche Lage ist ziemlich ordentlich", sagte er. "Besser, als wir befürchtet hatten. Ich bin überzeugt, das lag auch der guten Arbeit dieser Bundesgierung." 
Seibert ist der 24. Regierungssprecher in der Geschichte der Bundesrepublik. Zum ersten Mal bekleidet allerdings ein Journalist diesen Job, der vorher als TV-Nachrichtensprecher arbeitete. Mit dem 50-Jährigen verpflichtet Merkel vor allem einen Profi im telegenen Kommunizieren komplizierter Sachverhalte, der zudem noch bestens beim ZDF vernetzt ist. Ansonsten scheint Seibert vielen Kommentatoren nicht wirklich die Idealbesetzung zu sein. 
"Auf den sympathischen Mann aus Mainz wartet eine Herkulesaufgabe, die er kaum bewältigen kann", bloggt der ehemalige Stoiber-Berater Michael Spreng. "Nicht nur deshalb, weil die Regierung im Keller ist. Das wird schon schwer genug werden, die schwarz-gelbe Bruchbude als Traumappartment zu verkaufen. Seiberts fast noch größeres Problem: der anerkannte, aber in der Hauptstadt unerfahrene Journalist fängt in Berlin bei Null an. Er kennt das politische Berlin kaum. Er muss gleichzeitig eine 460-Mann-Behörde leiten, die verminten Wege zwischen Regierung, Parteizentralen, und Fraktionsführungen erkunden und mit einer ziemlich gnadenlosen Pressemeute zurecht kommen, die noch ihrem Robert Redford aus Bayern nachtrauert."
Zudem musste Seibert im Vorfeld einiges an Kritik einstecken, weil er sich vom ZDF ein Rückkehrrecht vertraglich zusichern ließ. Laut Sender, ist er allerdings nicht der erste Regierungssprecher, der eine solche schriftliche Abmachung mit einem TV-Sender abschloss. 
Zum Beginn seiner ersten Pressekonferenz sagte Seibert, dass er grundsätzlich optimistisch an die Aufgabe herangehen würde. Nach diesem ersten Auftritt gibt es keinen Grund, an dieser Einstellung etwas zu ändern.

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