Werbeclips: die Brotjobs der Starregisseure

"Paris, Texas" und "Himmel über Berlin" machten Wim Wenders weltberühmt. Jetzt drehte der Altmeister für L'Oréal jedoch den neuen Werbespot mit "Wetten, dass...?"-Sidekick Michelle Hunziker. Klingt nach künstlerischem Abstieg, ist aber normal. Auch andere prominente Filmemacher verdienen sich mit Werbung ein Zubrot – teilweise mit kultigen Spots: darunter Sönke Wortmann, Detlev Buck und Helmut Dietl. Der "Schtonk"-Regisseur schuf die aus heutiger Sicht besonders trashigen Gottschalk-Haribo-Clips.

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L’Oréal Paris, Texas: Zum vergangenen Muttertag hatte Wim Wenders bereits einen Spot mit Maria Furtwängler für den Kosmetik Konzern L’Oréal Paris gedreht und gezeigt, dass es nicht automatisch ein cineastisches Vergnügen sein muss, wenn ein großer Filmemacher Werbung inszeniert.
Wenders, der am Samstag 65 Jahre alt wurde, hat jedoch seinen filmischen Ideenreichtum und seinen Blick für gute Bilder auch schon in Werbebranche bewiesen: beispielsweise im Unterwasser-Commercial für Afri-Cola, der damals rund 950.000 Mark (485.000 Euro) gekostet hatte, oder im bildgewaltigen Spot für Barilla Nudeln. Hier trat der deutsche Regisseur allerdings auch in große Fußstapfen: Für den Pasta-Konzern drehte Anfang der 90er Jahre bereits Mystery-Meister David Lynch – in der Hauptrolle Gérard Depardieu.
Jetzt macht der Oscar-nominierte Wenders, der 1987 in Cannes die Goldene Palme, also einen Kosmetik-Spot mit Michelle Hunziker. "Wetten, dass mein Haar 24 Stunden perfektes Volumen behält?", lautet der Slogan.
Wirklich lustig hingegen sind die Reklame-Filme mit einem anderen, bekannteren "Wetten, dass…?"-Blondschopf, die Helmut Dietl zu Beginn der 90-er Jahre für Haribo inszenierte – allerdings vor allem wegen ihres Trash-Faktors: Thomas Gottschalk in bunten Old-School-Klamotten und mit noch furchtbarerer Matte als heute wirbt unter der Regie des "Kir Royal"-Schöpfers für Lakritz Schnecken, bunte Vampire und Colorado.
Wenn es nach Coolness geht, bewies Dietls TV-Regiekollege Dieter Wedel ("Der große Bellheim", "Der Schattenmann") jedoch noch weniger Geschick bei der Produktwahl. Er drehte 2004 für Perwoll Feinwaschmittel.
Echte Fußball-Werbeexperten sind – welch Überraschung – Sönke Wortmann, aber auch Detlev Buck: "Männerpension"-Macher Buck etablierte sich besonders in den vergangenen Monaten als Kicker-Inszenator. Von ihm stammen sowohl die Jogi-Löw-Nivea-Spots als auch der L’Oréal-Deo-Spot mit Michael Ballack. Wirklich Kult sind allerdings Bucks Flensburger Pilsener-Filme, die zwischen 1994 und 1996 entstanden.
"Sommermärchen"-Schöpfer Wortmann ließ Lukas Podolski für Commercials bei Rewe einkaufen, Prinzenrolle essen und für SolarWorld kicken. Auch Mario Gómez versuchte sich für die Hanse Merkur vor Wortmanns Kamera. Sellout-Sönke steht zudem auf der Gehaltliste unzähliger anderer Unternehmen: von Air Berlin bis Vodafone. 
Auch der Macher des derzeit viel diskutierten Ergo-Spots hat vor seiner Erfolgswerbung bereits Kino-Erfahrungen gesammelt. Regisseur Simon Verhoeven hat im vergangenen Jahr die Til Schweiger-Komödie "Männerherzen" inszeniert, bevor der smarte Ergo-Boy vor seiner Linse stand.

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