HP-Skandal: Sex, Lügen und Kursrutsch

Es ist ohne jede Frage der geräuschvollste Abgang in der Technologiebranche seit Jahren: Das sehr überraschende Ende von Hewlett Packard-CEO Mark Hurd am vergangenen Freitag. Der 54-Jährige stolperte über eine Liason noch ungeklärten Ausmaßes mit einer externen Mitarbeiterin, die früher in Erotik-Thrillern mitspielte. Beide bestreiten eine sexuelle Affäre. Während die Vorwürfe immer mysteriöser erscheinen, werden Hurds Fürsprecher, angeführt von Oracle-CEO Larry Ellison, immer lauter. HP hat ein Problem.

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Es ist ohne jede Frage der geräuschvollste Abgang in der Technologiebranche seit Jahren: Das sehr überraschende Ende von Hewlett Packard-CEO Mark Hurd am vergangenen Freitag. Der 54-Jährige stolperte über eine Liason noch ungeklärten Ausmaßes mit einer Mitarbeitern, die früher in Erotik-Thrillern mitspielte. Beide bestreiten eine sexuelle Affäre. Während die Vorwürfe immer mysteriöser erscheinen, werden Hurds Fürsprecher, angeführt von Oracle-CEO Larry Ellison, immer lauter. HP hat ein Problem.  

Das nennt man wohl eine Lanze brechen: "Das war die schlechteste Personalentscheidung, seit die Idioten im Apple-Direktorium vor vielen Jahren Steve Jobs gefeuert haben", erklärte gestern niemand anderes als Oracle-CEO Larry Ellison in einer Mail an die "New York Times" über die Dimension von HP-Vorstand Mark Hurd.
Warme Worte von einem Konkurrenz-Unternehmen? Das ist alles andere als eine Gewohnheit im Silicon Valley. Was war passiert? Am vergangenen Freitag kurz nach Börsenschluss wurden Aktionäre des Traditionscomputerkonzerns Hewlett-Packard gänzlich auf dem falschen Fuß erwischt. Das Dow Jones-Mitglied vermeldete Ungewöhnliches: Nämlich den Rückzug seines CEOs Mark Hurd nach fünf überaus erfolgreichen Jahren.
"Prinzipien von Vertrauen, Respekt und Integrität verletzt"
Und das auch noch alles andere als freiwillig. Hurd stolperte über eine mutmaßliche Affäre mit einer externen Mitarbeiterin, die jedoch einige Spesen kostete, die der CEO dummerweise dem weltgrößten Druckerhersteller in Rechung stellte. So weit, so dämlich, mag man denken – erst recht, wenn sich die Verfehlung auf gerade mal 20.000 Dollar beläuft, während Hurd ein Jahresgehalt von 17 Millionen Dollar bezieht, Aktienoptionen nicht mitgerechnet.
"Das ist eine schmerzhafte Entscheidung für mich nach fünf Jahren bei HP, aber ich glaube, dass es schwierig für mich würde, als Chef erfolgreich weiterzuarbeiten", wurde dem scheidenden CEO in der Pressemitteilung zum Abschied in den Mund gelegt. Er habe die "Prinzipien von Vertrauen, Respekt und Integrität" verletzt, für die er bei HP gearbeitet habe.
"Affäre oder intime sexuelle Beziehung"
Nach dem Wochenende meldete sich dann die ehemalige Mitarbeiterin selbst zu Wort – und lüftete ihre Identität. Es handelt sich um eine frühere Softcore-Darstellerin, die vor dreißig Jahren im "Playboy" posierte und in ihren Dreißigern nackt in Erotik-"Thrillern" wie  "Body of Influence 2" oder "Intimate Obsession" mitspielte – heute ist Frau Fisher 50 und trat bei HP offiziell als "externe Marketing-Mitarbeiterin" in Erscheinung.
Überraschenderweise erklärte sie zu Wochenbeginn selbst in einem Statement: "Ich war überrascht und betrübt, dass Mark Hurd wegen dieser Sache seinen Job verloren hat." Um dann klarzustellen: Zwischen ihr und Hurd habe nie eine "Affäre oder intime sexuelle Beziehung" bestanden. Dabei hatte der HP-Aufsichtsrat zuvor noch zu begründen versucht, der zweifache Familienvater habe versucht, eine "enge persönliche Beziehung" zu Fisher zu verschleiern.
Teurer Rücktritt: Hurd-Demission kostet Aktionäre 13 Prozent
So richtig passen die Puzzleteile also nicht zusammen. War es nun eine Affäre oder nicht? In welchem Zusammenhang sind dann Fishers erste Anschuldigungen zu verstehen, die Hurd sexuelle Belästigung unterstellten? Und warum vergütet der HP-Aufsichtsrat Hurds Abgang enorm großzügig mit mehr als 40 Millionen Dollar inklusive Aktienoptionen?
Die Antwort dürfte Promi-Anwältin Gloria Allred, die schon zwei Ex-Geliebte von Tiger Woods PR-wirksam vertreten hat und nun Jodie Fisher zu ihrer Mandantin zählt, am besten kennen. Entsprechend spekuliert das Silicon Valley bereits über die wahren Motive des aufsehenerregendsten CEO-Rücktritts seit Jahren: Allred könnte mit ihrer Version der (Nicht-)Liason Fisher-Hurd Druck auf den HP-Aufsichtsrat aufgebaut haben, dem dieser nicht standhielt. Deshalb der Versuch, die Demission vor dem Wochenende möglichst geräuschlos abzuwickeln, deswegen aber gleichzeitig die gütliche Einigung mit Hurd, um Klagen seinerseits zu vermeiden.
Einziges Ergebnis, das seitdem zumindest  feststeht: Anleger haben seit Bekanntwerden des Hurd-Rücktritts mehr als 13 Prozent verloren – das Unternehmen etwa 12 Milliarden Dollar Börsenwert; die HP-Aktie notiert bei nur noch 40 Dollar auf einem neuen Jahrestief. Fortsetzung im Sommerloch-Drama des Silicon Valley garantiert …

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