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„Street View ist die Landkarte der Zukunft“

Der Start von Street View in Deutschland wird in der Presse kontrovers diskutiert: Nach Ansicht der SZ prallen bei diesem Thema deutsche und amerikanische Vorstellungen von Privatsphäre aufeinander, die taz wundert sich, dass die Deutschen an der "Netz-Innovation herummotzen müssen" und die Welt sieht in den Google-Panoramen gar die "Landkarte der Zukunft". Dagegen argumentiert die Frankfurter Rundschau, mit seiner Street-View-Offensive habe sich die Firma "mehr geschadet als all ihre Kritiker zusammen."

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Johannes Kuhn, Süddeutsche Zeitung:
"Wenn Google-Verantwortliche derzeit über das deutsche Verhältnis zum Straßenansichtsdienst Street View sprechen, schwingt vor allem eines mit: Erstaunen. (…) Warum, so fragt sich der Konzern, schätzen es viele, per Computer schon einmal die Urlaubsziele unter die Lupe nehmen, wenn gleichzeitig zahlreiche Bürger den Street-View-Autos das Recht verwehren wollen, Fotos vom eigenen Viertel aufzunehmen? (…)
In keinem der anderen 23 Länder Nordamerikas und Europas, in der Street View freigeschaltet ist, hat Google den Behörden solch große Zugeständnisse gemacht wie in Deutschland."
Torsten Krauel, Die Welt:
"Tourismus, Immobilien, Marktforschung, vieles mehr wird auf dem Kartendienst aufbauen. Dem diente auch die Erfassung lokaler Computerfunknetze durch Google. Der öffentliche, kartografierte Internetzugang gehört zur neuen Dienstwelt. Google hat dabei auch private Funknetze mit erfasst. Das war unvermeidbar. Wer sie verschlüsselt betreibt, kann die Achseln zucken; wer unverblümt surft, handelt wie jemand, der sein Tagebuch im Cafe auslegt. Street View ist die Landkarte der Zukunft."
Julia Seeliger, Taz:
Julia Seeliger hält zwar die Kritik an Googles Vorgehen bei Street View teilweise für gerechtfertigt. Dennoch sei die Firma besser als ihr "Datenkraken-Ruf": "Gelingt die Umsetzung von Streetview ohne weitere Datenschutz-Sünden, dann werden bald auch wieder weniger Menschen von Google als ‚Datenkrake‘ sprechen. Sondern per Streetview durch Wuppertal, Hannover und Essen fahren."
Steven Geyer, Frankfurter Rundschau:
"Seit zwei Jahren arbeitet das US-Unternehmen daran, seinen Bilderdienst Street View auch für deutsche Städte anzubieten. Nur mit Mühe und Not und einzigartigen Auflagen konnte die Internet-Firma die deutschen Datenschützer, Politiker und Skeptiker beruhigen. Google hätte kooperativ an einer deutschen Street-View-Version arbeiten können, die den bestmöglichen Ruf hat. Es hätte keine bessere Eigenwerbung gegeben. Stattdessen überrumpelt die Firma die Datenschützer mit einer vorgezogenen und viel zu kurzen Widerspruchsfrist, die noch dazu in den Ferien liegt. Eine Telefonhotline verweigert man ganz. Und wie genau das Widerspruchsverfahren bei Google intern funktionieren soll, was etwa mit den Adressdaten der Widersprechenden passiert – das wissen die Datenschützer bis heute nicht. Die Firma hat damit die Chance vertan, ihren Willen zum Schutz der Privatsphäre nach deutschem Standard zu beweisen. So hat sie ihrem Bilderdienst mehr geschadet als all ihre Kritiker zusammen."
Björn Maatz, FTD:
Maatz verweist auf das vierwöchige Widerspruchsrecht, mit dem Privatnutzer ihre Häuser verpixeln lassen können: "Allerdings werden wohl nur wenige Menschen Widerspruch einlegen. Dafür hat Google mit der extrem kurzen Frist gesorgt. Viele verschwommene Grauflächen muss der Internetkonzern für seinen Straßenerkennungsdienst also nicht befürchten. So haben die Kalifornier erreicht, was sie wollen: ein bisschen Imagepflege. Die Makulatur wird das Produkt nicht gefährden."
Rasmus Buchsteiner, Passauer Neue Presse:
"Städte und Straßenzüge in Deutschland und der Welt übers Internet virtuell und in 3D zu durchwandern – natürlich hat das seinen Reiz. Doch ist das nur die eine Seite der Medaille. Gut, dass Politik, Datenschützer und Netzaktivisten Google bei den Vorbereitungen für seinen Bilderdienst genau auf die Finger geschaut haben. Der öffentliche Druck zeigt eindeutig Wirkung. Google hat sich in den vergangenen Monaten bewegt. In Deutschland macht der Suchmaschinen-Konzern sogar größere Zugeständnisse in Sachen Datenschutz als anderswo. Wie ernst es das Unternehmen tatsächlich meint, muss es aber erst noch beweisen."
Markus Decker, Mitteldeutsche Zeitung:
"Man kann alles Mögliche über Google Street View sagen. Sicher ist: Es stellt uns vor Probleme", gibt Decker zu bedenken. "Das Projekt führt uns erneut vor Augen, dass wir uns in einem neuen Zeitalter befinden, dem Zeitalter moderner Informationstechnologien, und dass wir dem noch nicht gewachsen sind. Menschen haben diese Technologien geschaffen, ihre Folgen aber weder individuell noch politisch im Griff."

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