Sat.1-Team inszeniert Flughafen-Notfall

Es war nur ein Test, der jedoch ernste Konsequenzen zur Folge hatte: Wie vor Kurzem bekannt wurde, musste sich ein Fernsehteam des Sat.1-Frühstücksfernsehens vor dem Amtsgericht Berlin verantworten, weil es im Februar 2009 einen Notfall am Flughafen Berlin-Tegel inszenierte. Der Einsatz der Sicherheitsleute wurde heimlich gefilmt. Dem Reporter und den zwei Kameramännern wurde jeweils u.a. wegen der Beeinträchtigung von Unfallverhütungs- und Nothilfemitteln eine Geldbuße von 1.000 Euro auferlegt.

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Anlass für den Beitrag war ein YouTube- Video, das im Flughafen Hongkong aufgenommen wurde. Darin bekommt eine Frau am Check-In-Schalter einen Nervenzusammenbruch, weil die Sicherheitsleute sie nicht mehr durchlassen. Diese Situation stellte das Film-Team auf dem Flughafen Berlin-Tegel nach. "Das SAT.1-Frühstücksfernshen wollte testen, wie das Sicherheitspersonal in Deutschland, in Tegel, in einem solchen Fall reagiert", erklärt eine Sendersprecherin auf MEEDIA-Anfrage.
In dem drei Minuten dauernden Film unternimmt ein Frühstücksfernsehen-Redakteur den Selbstversuch. Nach Schließung des Check In-Schalters bittet der 33-Jährige die Verantwortlichen eindringlich, ihn noch durchzulassen. Als sie seiner Aufforderung nicht nachkommen, schreit er hysterisch, schmeißt seinen Koffer in die Gegend und wirft sich auf den Boden. Die umherstehenden Passagiere sind verängstigt. Die Bundespolizei und das Sicherheitspersonal greifen ein.
Wie im Nachhinein bekannt wurde, hatten die Beamten damals den Braten der Inszenierung schnell gerochen. Sie erstatteten Anzeige gegen den Laiendarsteller und seine zwei Kollegen. Der Vorwurf: Missbrauch von Notrufen sowie Beeinträchtigung von Unfallverhütungs- und Nothilfemitteln. Dem Team lag zudem keine Drehgenehmigung für den scheinbaren Ausraster vor, sondern nur für einen Beitrag über die Auswirkungen des Wetters auf den Flugverkehr, wie die Berliner Morgenpost berichtete.
Die drei Angeklagten legten gegen die Entscheidung einer Geldstrafe von jeweils 1.000 Euro (20 Tagessätze) Einspruch ein. Zuvor hatten die Anwälte des Redakteurs die Summe als Geldbuße umwandeln können. Sollte die Summe gezahlt werden, wird das Verfahren eingestellt. Wie Stern.de berichtet, soll der zuständige Richter mittlerweile auch den zwei Kameramännern diesen Vorschlag unterbreitet haben.
"Der Film wurde einmalig im Sat.1-Frühstücksfernsehn ausgestrahlt  und ist seither natürlich gesperrt", teilt eine Sender-Sprecherin mit. Die Kosten für den Redakteur habe die Produktionsfirma Maz & More übernommen, eine Tochter der ProSiebenSat.1 Group, die das Frühstücksfernsehen produziert. Der Redakteur sei jedoch nicht mehr für die Sendung tätig, hieß es weiter, "was aber in keinem Zusammenhang mit dieser Geschichte steht". Das Kamerateam sei freiberuflich für die Redaktion tätig gewesen. Ob die beiden deshalb die Summe aus eigener Tasche zahlen mussten, bleibt fraglich. Der Sender zahlte nichts.

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