Verizon: Google will Vorzugsbehandlung

Planen die Internet-Giganten Google und Verizon ein Aushebeln des Prinzips der Netzneutralität? Ein entsprechender Bericht der New York Times sorgte weltweit für Aufsehen, weil damit die offene Verfasstheit des Internets schlechthin in Gefahr geraten könnte. "Google erkauft sich Vorfahrt im Internet", titelt zum Beispiel die FTD am Freitag. Google und Verizon dementierten den Bericht: sie stünden zu einem "offenen Internet". Dennoch wird es spannend.

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Die New York Times hatte schon am Mittwoch berichtet, der Internetkonzern Google und der Provider und Infrastrukturanbieter Verizon stünden kurz vor einer Einigung. Etwas verkürzt: Google zahlt, damit Verizon die Inhalte – vor allem ressourcenfressende Youtube-Videos – bevorzugt zum Verbraucher leitet. Das wäre das Ende der Netzneutralität, die darauf beruht, dass alle Daten im Netz gleichrangig behandelt werden.
Telekom-Chef  René Obermann, den dieses Thema seit Jahren beschäftigt, sprang am Donnerstag darauf an: "Das Netz bietet für bestimmte Dienste die Möglichkeit für eine höhere Priorisierung", sagte er. Die Telekom, wie Verizon in den USA im Besitz wertvoller Teile der Netz-Infrastruktur, arbeitet seit langem an der Idee, die Anbieter profitabler Inhalte für die Nutzung ihrer Leitungen zusätzlich zur Kasse zu bitten. Obermann zielt darauf ab, für datenstarke Inhalte – etwa hochaufgelöste Videos – einen Zuschlag zu verlangen, der als eine Premium-Aufschlag verkauft werden könnte.
Die Gespräche zwischen Google und Verizon, über deren Details beide weiter schweigen, dürften ähnlich gelagert sein: Verizon beklagt seit langem – wie auch die größten europäischen Telekom-Unternehmen –, dass Google seine Milliarde scheffelt, ohne für die Netz-Infrastruktur zahlen zu müssen. Die New Yorker Nachrichtenagentur Bloomberg will erfahren haben, dass die beiden Riesen einen Kompromiss ausgehandelt hätten: Im stationären Netz blieben Googles Datenströme unangetastet, dafür dürfe Verizon  im mobilen Netzverkehr zum Beispiel Youtube drosseln – oder eben, gegen Bezahlung, auch nicht.
Eine Schlüsselfigur in dem Konflikt ist Julius Genachowski, Chef der US- Regulierungsbehörde Federal Communication Commission (FCC). In einer ersten Stellungnahme zur Bericht der NY Time sagte er, das "freie und offene Internet" dürfe nicht angetastet werden. Google und Verizon hatten in ihren Dementis ebenfalls betont, das "open internet" bliebe erhalten, dabei den engeren Begriff der "Neutralität" aber vermieden.
Die FCC steht auch im Zentrum der Frage, wer ein freies und neutrales Internet eigentlich garantieren könnte. Auf Initiative von US-Präsident Barack Obama (und wegen offener juristischer Fragen) werden die Befugnisse der FCC gegenüber den Netzbetreibern gerade neu definiert. Der Rest der Welt wird mit den Ergebnissen, so oder so, leben müssen: Die meisten Inhalte, und auch der größte Teil der Kontrolle über das weltumspannende Netz liegen in den USA.

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