Zu soft: Time-Chefin Moore vor Ablösung

Der nächste Donnerschlag im amerikanischen Magazin-Business: Nur zwei Tage, nachdem das Traditions-Blatt Newsweek vom Eigentümer Washington Post für einen Dollar verramscht wurde, zieht auch Time Warner in seiner Magazinsparte die Zügel an: Ann Moore, seit acht Jahren Chefin von Time Inc., wird das Haus verlassen. Dies berichtet die New York Post unter Berufung auf Unternehmenskreise. Nachfolger soll ein Hardliner werden: der ehemalige Meredith-Medienmanager Jack Griffin.

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Zum Magazin-Imperium von Time Warner zählen neben Time auch People, Sports Illustrated sowie InStyle. Die 60-Jährige Moore, erste Frau an der Spitze von Time Inc., hatte diese Sparte acht Jahre lang als CEO geführt. Ihr Vertrag läuft noch bis Mitte 2011. Der Personalwechsel sollte offenbar erst in der kommenden Woche publik werden. Auf Anfrage der New York Post gab der Konzern indes keine Stellungnahme ab. Allerdings kursierten schon seit Monaten Gerüchte, dass Time Warner-Chef Jeff Bewkes diskret nach einem Nachfolger für Moore Ausschau hielt.
Der mutmaßliche neue Mann, Jack Griffin, hatte erst vor kurzem überraschend seinen Job bei Meredith quittiert, wo er u.a. Magazine wie Better Homes & Gardens sowie Ladies‘ Home Journal gemanagt hatte – vielleicht nicht die beste Voraussetzung, um auf den CEO-Posten beim führenden US-Nachrichtenmagazin zu wechseln.
Wie die New York Post spekuliert, traut Bewkes Griffin zu, unprofitable Zeitschriften weniger sentimental zu betrachten als Moore und unpopuläre Maßnahmen bis hin zur Schließung einzelner Titel entschlossen durchzuziehen. Zudem habe Griffin ein goldenes Händchen bei Akquisitionen gerade im zukunftsträchtigen Digitalbereich bewiesen. So war Meredith der einzige US-Konzern, der 2009 ein Umsatzplus bei den Anzeigenseiten vermelden konnte.
Time Inc. dagegen ist einer der großen Verlierer der Medienkrise und musste über zwei Jahre deutliche sinkende Erlöse verbuchen. Im ersten Halbjahr 2010 hat sich die Lage stabilisiert, aber Bewkes erwartet offenbar mehr. Die Verdienste von Moore sind unbestritten, auch sie hat einige unpopuläre Entscheidungen getroffen und sich bemüht, die Magazinsparte entschlossen Richtung Digitalbusiness zu positionieren. Erfolgreiche Start ups kann sie allerdings nicht vorweisen. Beobachter gehen auch davon aus, dass Moore letztlich daran scheiterte, im eigenen Haus keinen klaren Nachfolgekandidaten aufgebaut zu haben.

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