Springers Digitalgeschäft floriert

Betrachtet man die detaillierten Halbjahreszahlen der Axel Springer AG, kann einem fast schwindelig werden. Das operative Ergebnis (EBITDA) wurde um 61 Prozent auf den Rekordwert von 261,2 Mio. gesteigert. Das Digitalgeschäft wuchs beim Umsatz um 66,3 Prozent auf fast 334 Mio. Euro. Die deutschen Zeitungen erwirtschaften eine Fabel-Rendite von 26,6 Prozent. Die Prognose fürs Gesamtjahr geht jetzt schwer in Richtung neuer Rekord. Vom Medienwandel bleibt aber auch Axel Springer nicht unberührt.

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Der Unterschied zu vielen anderen Medienhäusern ist freilich, dass dieser Medienwandel bei Springer bisher exzellent gemanagt wird. Die hervorragenden Zahlen des Konzerns verdecken ein wenig die beiden Knackpunkte, die auch in dieser Bilanz stecken: Zum einen sinken die Vertriebserlöse der Printmedien. Die Erlöse gingen im ersten Halbjahr von 580,4 Mio. auf 556,4 Mio. Euro zurück. Da spielt auch mit rein, dass Springer sich im Berichtszeitraum von Jugendzeitschriften und Finanzmagazinen getrennt hat, schwerer wiegt aber der allgemeine Auflagenrückgang.

Die Werbe-Erlöse legten dafür um 18,7 Prozent auf 642,7 Mio. Euro deutlich zu. Das und die anhaltenden Sparmaßnahmen sorgten dafür, dass die Umsatzdelle durch Auflagenschwund überkompensiert wurde und das Print-Segment bei Springer insgesamt glänzend dasteht. Aber: Der Auflagenrückgang wird mutmaßlich weitergehen, die Spielräume bei Preiserhöhungen sind, ebenso wie Sparmaßnahmen, bereits weit ausgereizt und die Print-Werbung wird nicht weiter in den Himmel wachsen. Will heißen: Print befindet sich auf dem Zenith der Ertragskraft. Der Verlag verdient sehr viel Geld mit seinen Print-Titeln, in der Zukunft wird er auch noch Geld verdienen – vermutlich aber bald von Jahr zu Jahr ein bisschen weniger.

Dafür legt die Digitalsparte in atemberaubendem Maße zu. “Unsere digitalen Aktivitäten bleiben der wichtigste Wachstumsmotor des Unternehmens und erwirtschaften eine zweistellige Rendite”, sagte Vorstandschef Mathias Döpfner. Der Digital-Umsatz stieg um 66,3 Prozent auf 333,9 Mio. Euro. Die Erlöse aus digitaler Werbung legten gar um sagenhafte 72,1 Prozent auf 250,1 Mio. Euro zu. Sonstige Erlöse um 51,1 Prozent auf 83,8 Mio. Euro. Der operative Gewinn der digitalen Medien konnte von 16,9 auf 40,2 Mio. Euro gesteigert werden, die Rendite kletterte von 8,4 auf 12 Prozent. Das alles sind weit mehr als “lousy pennies”. Offenbar kann man im Internet als Medienhaus sehr gut Geld verdienen – wenn man es richtig macht. Ganz anders als das Print-Segment steht das Digital-Geschäft voll im Wachstums-Saft und wird in Zukunft noch mehr zum Gesamt-Geschäft beitragen. Zwar beteuert Springer, dass sowohl die digitalen Marktplätze als auch die Content-Portale wachsen – es ist aber kein Geheimnis, dass der Konzern mit Marktplätzen im Internet mehr Geld verdient als mit journalistischen Inhalten. Das könnte langfristig für ein journalistisch getriebenes Medienhaus zu einem gewissen Problem werden.

Im Hier und Jetzt glänzen aber die Zahlen lupenrein. Unterm Strich verdiente Axel Springer im ersten Halbjahr bereinigt um Sondereffekte 146,6 Mio. Euro. Im von der Krise geprägten Vorjahr betrug der Überschuss noch 77,5 Mio. Euro – aber selbst da gab es einen satten Überschuss.

Fürs Gesamtjahr hebt Vorstandschef Döpfner demnach auch die Prognose deutlich an und sagt einen operativen Gewinn in der Größenordnung des Rekordwertes aus dem Geschäftsjahr 2008 voraus. Der lag damals bei 486,2 Mio. Euro. Da Springer im ersten Halbjahr schon ein EBITDA von über 260 Mio. Euro erwirtschaftet hat, dürften sogar 500 Mio. und noch etwas mehr drin sein. Aber das traut sich wahrscheinlich selbst der selbstbewusste Mathias Döpfner nicht laut auszusprechen.

Es bleibt dabei: Kein anderes deutsches Medienhaus ist in der Zeit des Medienwandels so gut aufgestellt wie Springer.

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