„Der Spartrend scheint erst einmal gestoppt“

Das Medienbusiness boomt wieder: So legten Springer und ProSiebenSat.1 heute sehr gute Zahlen für das zweite Quartal vor. "Ein Teil der Gewinne, die gerade verkündet werden, geht auf die redaktionellen Einsparungen zurück", sagt DJV-Chef Michael Konken im MEEDIA-Interview. Der Gewerkschaftsboss fordert deshalb, dass die Medienhäuser ihre Angestellten an den Überschüssen beteiligen sollen. Zudem ist Konken überzeugt: "Die Journalisten sind noch immer das wichtigste Kapital der Verlage."

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Die Medienunternehmen machen wieder Gewinn. Wurde das Wachstum auf Kosten von Mitarbeiter-Einsparungen erkauft?
Auf jeden Fall. Fast alle Verlage und TV-Sender haben ihre Redaktionen kräftig ausgedünnt und den Personalstamm verkleinert. Ein Teil der Gewinne, die gerade verkündet werden, geht auf die redaktionellen Einsparungen zurück.

Gingen diese Einsparungen auch zu Lasten der Qualität?
Nein. Wir können nicht beobachten, dass die Qualität bei den Zeitungen oder Zeitschriften zurückgegangen ist. Denn die Kollegen und Kolleginnen in den Redaktionen geben sich ja unverändert viel Mühe möglichst hochwertige Arbeit abzuliefern. Man darf aber nicht vergessen, dass viele Zeitungen und Zeitschriften ihre Umfänge verkleinert haben.

Der drohende Qualitätsverlust wurde durch eine Verknappung des  
Angebotes aufgefangen?

Genau. Das gilt auch für das Fernsehen, wo der Anteil der Eigenproduktionen runtergefahren wurde.

Glauben Sie, dass die Verlage jetzt wieder vermehrt Mitarbeiter  
einstellen?

Nein, das glaube ich nicht. Es ist doch so: Die meisten Medienhäuser werden nicht mehr von Verlegern, sondern von Kaufleuten geführt. Die achten vor allem auf die Zahlen, weniger auf die redaktionellen Bedürfnisse.

Haben die Mitarbeiter überhaupt eine Chance, an den steigenden Einnahmen und Gewinnen, die auch durch ihren Einsatz erzielt wurden, zu partizipieren?
Genau darauf werden wir in den nächsten Monaten massiv drängen. Ab Herbst verhandeln wir über neue Tarifverträge. Die Frage, wie die Mitarbeiter besser an dem Erfolg der Verlage teilhaben können, wird ein Bestandteil der Verhandlungen sein.

Jetzt haben die Medienhäuser gute Zahlen vorgelegt. Können die Verlage langfristig überhaupt weiter wachsen, wenn weiter an Redakteuren und Mitarbeitern gespart wird?

Fest steht: Es gibt keine Einsparpotentiale mehr. Die Redaktionen sind schon ausgeblutet. Zudem sind nach unserer Kenntnis keine weiteren großenn Entlassungswellen geplant. Der Spartrend scheint erst einmal gestoppt zu sein. Wenn die Verlage nun an einem nachhaltigen Wachstum interessiert sind, dann müssen sie auch wieder in die Qualität ihrer Redaktionen investieren. Die Wahrheit ist doch die: Die Journalisten sind noch immer das wichtigste Kapital der Verlage.

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