Axel Springer will weiblicher werden

Die Axel Springer AG will den Anteil weiblicher Führungskräfte im Konzern in den nächsten fünf bis acht Jahren auf allen Ebenen verdoppeln. Das kündigte der Vorstandschef Mathias Döpfner auf einer Pressekonferenz anlässlich der Halbjahres-Bilanz an. Man wolle hier nicht mit dem Zeitgeist schwimmen, sondern halte dies langfristig für ein wichtiges Thema, so Döpfner. Außer für Frauen brach er noch eine Lanze für das Mediengeschäft allgemein: “Wir stehen vor einer Neubewertung des Mediensektors.”

Anzeige

Eine feste Quote über den Frauenanteil bei Führungskräften, wie sie die Deutsche Telekom jüngst verkündet hat, wolle man bewusst nicht einführen, so Döpfner. Derzeit sind 16 Prozent der Springer-Führungspositionen von Frauen besetzt. Dieser Wert soll in fünf bis acht Jahren ungefähr verdoppelt werden. Die Telekom hatte angekündigt, bis Ende 2015 30 Prozent der weltweiten Führungspositionen mit Frauen besetzen zu wollen. Schon in diesem Jahr wird Axel Springer vom Bundesfamilienministerium für die Förderung von Chancengleichheit mit dem so genannten TOTAL E-Quality Prädikat ausgezeichnet.

Für die Medienbranche fand Döpfner nur lobende Worte. “Print ist sehr viel stabiler als viele dachten und Online wird viel schneller profitabler als viele dachten”, sagte er bei der Vorstellung der glänzenden Halbjahreszahlen der Axel Springer AG. Den besten Beleg für seine These lieferte Döpfner mit den aktuellen Halbjahreszahlen, bei denen Wachstum allerorten gemeldet wird. Darum wurde auch die Prognose für das Gesamtjahr erneut angehoben. Springer will 2010 jetzt mindestens so viel verdienen wie im Rekordjahr 2008 (damals operativ 486,2 Mio. Euro EBITDA).

Dabei helfen dürfte, dass das Osteuropa-Joint-Venture mit dem Schweizer Verlag Ringier ab dem 3. Quartal erstmals in der Bilanz konsolidiert wird. Aber auch die Kerngeschäfte laufen gut, wie Döpfner betonte. Die Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika habe für einen deutlichen Werbe-Schub gesorgt, der nach der WM nicht abgeklungen sei. Vor allem die Anzeigenlage bei den Computer-, Auto-, und Sport-Zeitschriften habe sich erfreulich entwickelt.

Ein strategischer Fokus bleibt die Ausweitung von digitalen Bezahl-Inhalten. “Wir betreiben hier ergebnisoffene Experimente und lernen, was funktioniert”, so Döpfner. Mit der Akzeptanz der hauseigenen Miniprogramme, Apps, für iPhone und iPad zeigte sich der Vorstandschef zufrieden. Er rechnet damit, über zehn Prozent der App-Kunden zu zahlenden Abonnenten machen zu können. Auch die Experimente mit Freemium-Modellen (einige Inhalte sind kostenpflichtig, einige bleiben gratis) bei den Regionalzeitungen Hamburger Abendblatt und Berliner Morgenpost würden sich erfreulich entwickeln. Die Reichweiten an Unique-Usern steige trotzdem und auch die Zahl der Online-Abos wachse, so Döpfner. Profitabel sind die Digital-Ableger der Regionalzeitungen aber noch nicht, wie er auf Nachfrage bestätigte.

Profitabel arbeiten neben den Online-Marktplätzen und Vermarktungs-Einheiten bereits Bild.de und das Frauen-Angebot aufeminin.de. Letzteres habe sogar eine Umsatz-Rendite von über 30 Prozent. Wie groß der Anteil von journalistischen Online-Angeboten wie Bild.de und aufeminin.de an dem digitalen Gesamtumsatz ist, wollte Döpfner nicht sagen.

In Vorbereitung seien weitere Digital-Angebote auch für Plattformen außerhalb von Apples iPhone und iPad. Springer solle sich als Plattform-unabhängiger Anbieter positionieren, so Döpfner. “Medien sind kein totes Geschäft, sondern ein hoch profitables”, sagte der Vorstandschef. Da hat er Recht. Zumindest was seinen Konzern angeht.

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige