Sky-Krise: Folgen für die Bundesliga

Der Pay-TV-Sender Sky bekommt in Deutschland kein Bein auf den Boden. Die Zahlen für das zweite Quartal sind erneut ein Desaster. Weniger wegen dem Verlust von unterm Strich 82 Mio. Euro - daran hat man sich schon gewöhnt. Aber dass der Sender schon wieder 340 Mio. Euro Frischgeld zum Überleben braucht, ist eine böse Überraschung. Es scheint nur noch eine Frage der Zeit zu sein, bis Hauptaktionär Rupert Murdoch den Stecker zieht - das würde auch den deutschen Bundesliga-Fußball in eine tiefe Krise stürzen.

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Sky zahlt allein in dem Zeitraum von 2009 bis 2013 zwischen 225 und 275 Millionen Euro pro Bundesliga-Saison. Damit ist der Bezahlsender gleichzeitig der Zahlmeister der deutschen Bundesliga-Vereine. Die Vereine bekommen das Geld gestaffelt von der Deutschen Fußball-Liga zugewiesen. Die DFL und die Spitzenvereine könnten nach einem Ausfall der Sky-Millionen kaum weiterwirtschaften wie bisher.

Nach vielen eher mauen Jahren ist die Deutsche Bundesliga wieder Spitzenklasse im Fußball. Internationale Top-Stars wie Franck Ribéry oder Arien Robben spielen nicht in Madrid, Mailand oder Manchester, sondern bei Bayern München, die Stadien sind voll, die Fans begeistert. Die Frage ist: Was passiert, wenn Sky seinen Betrieb in Deutschland einstellt und der Liga auf einen Schlag mehrere hundert Millionen Euro fehlen? Gut möglich, dass Top-Spieler sich dann wieder im Ausland umschauen, zw. Vereine genötigt sind, Ablösesummen für Spitzenspieler anzunehmen, um den laufenden Betrieb aufrecht zu erhalten.

Denn für Sky gibt es schlicht keinen Ersatz. Die Internet-Rechte hat bereits die Telekom, die damit ihren Fußball-Online-Kanal Liga total betreibt, die Free-TV-Rechte hat die ARD, die damit die Sportschau bestückt. Darin liegt auch der Kern der Misere von Sky. Um möglichst viel Geld einzunehmen hat die DFL die Rechte für Free-TV, Pay-TV und Internet getrennt vermarktet. Nur: den allermeisten Zuschauern reichen die Zusammenfassungen der ARD-Sportschau völlig aus. Und die müssen sie mit ihren knapp 18 Euro Rundfunkgebühren sowieso schon bezahlen. Echte Hardcore-Fans geben ihr Geld nach wie vor lieber für ein Stadion-Ticket aus, statt die teuren Sky-Sportkanäle zu abonnieren.

Und mit dem sonstigen Angebot aus Filmen und Dokus kann Sky keinen Blumentopf gewinnen. Solches Material gibt es im Free-TV für umsonst oder billiger auf DVDs und BluRays. Sky will zusätzliche Kunden mit HD-Inhalten ködern, die von hochauflösenden Fernsehern angezeigt werden. Nur: In spätestens zwei Jahren werden auch ARD, ZDF und die großen Privatsender HD-Inhalte anbieten. Dann ist dieser Wettbewerbsvorteil von Sky auch perdu.

Zumal die großen Free-TV-Konzerne RTL Group und ProSiebenSat.1 Media mit Macht darauf hinarbeiten, dass künftige HD-Inhalte mit Gebühren belegt werden. Wenn es nach RTL, ProSieben und Co. geht, werden TV-Zuschauer ohnehin bald noch mit einer Zusätzlichen Satellitengebühr behelligt, an der auch der Satellitenbetreiber Astra mitverdienen will. Dann sinkt die Lust, monatlich zusätzliches Geld für Sky auszugeben noch mehr.

Man kann es drehen und wenden, wie man will – Sky stagniert trotz massiven Werbeaufwands und allen erdenklichen Übertragungsrechten bei zweieinhalb Mio. Abonnenten. In Zukunft sind die Aussichten, das Geschäft mit Pay-TV in Deutschland profitabel zu machen aus den beschriebenen Gründen eher noch schlechter. Dass Rupert Murdoch dem ein Ende bereitet, ist eigentlich nur noch eine Frage der Zeit.

Die DFL wird sich darauf einstellen müssen, mittel- bis langfristig mit ein paar hundert Millionen Euro weniger auszukommen. Leicht wird das nicht. Vermutlich wendet man sich dann an den nie versiegenden Geldtopf des öffentlich-rechtlichen Fernsehens. Gut möglich, dass die ARD dann ihre Fußball-Berichterstattung ausbaut, vielleicht nehmen auch RTL oder Sat.1 ein paar Schlagerspiele. Aber mehrere hundert Millionen Euro für alle Spiele live, das wird keiner mehr zahlen können. Warum? Weil es sich schlicht und ergreifend einfach nicht rechnet.
 

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