„Californication“: Hank kommt wieder

Wer geglaubt hat, dass sich die sexuellen Ausschweifung der ersten Staffel "Californication" nicht mehr steigern ließen – schon gar nicht im Free-TV – der hat sich getäuscht. Am heutigen Freitag geht bei RTLII die Hollywood-Satire in die zweite Runde und setzt noch einmal einen drauf: Es gibt noch mehr Sex in einer Serie, die ohnehin schon kaum etwas anderes thematisiert. Das macht die aktuelle Staffel etwas schwächer, doch sie bleibt ein Fest für Fans von Sarkasmus, guter Musik und starken Bildern.

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Schon in den ersten Folgen hat "Californication" ein Los Angeles präsentiert, das von hemmungslosen Hedonisten bevölkert ist. Kondom und Kokainröhrchen immer im Anschlag. Um es auf den Punkt zu bringen: In "Californication" geht es nicht um Sex. Es geht um Fic***. In der zweiten Runde ist das nicht anders und es vereint sich, was schon immer zusammen gehörte: Sex, Drugs and Rock ’n‘ Roll. Die Staffel springt zwischen den beiden Settings Produzenten-Villa und Pornoset. Der abgehalfterte Schriftsteller Hank Moody (David Duchovny) trifft zufällig auf den Musikproduzenten Lew Ashby (toll gespielt von Callum Keith Rennie, bekannt aus "24" als Gegenspieler von Jack Bauer). Dieser ist großer Fan Hanks früherer Romane, weshalb er ihn beauftragt, seine Biografie zu schreiben. Hanks bester Kumpel Charlie Runkle (Evan Handler, u.a. Sex and the City) verirrt sich hingegen in die Pornobranche und wird der Agent einer jungen Darstellerin.
David Duchovny macht seinen Job auch in der zweiten Staffel großartig. Er ist die Idealbesetzung. Vielleicht auch, weil er sich mit seinem Charakter identifizieren kann. Der Schauspieler gestand 2008 offen seine Sex-Besessenheit und ließ sich sogar in eine Klinik für Sexsüchtige einweisen. Im selben Jahr wurde er für die Rolle des Hank Moody mit dem Golden Globe ausgezeichnet. Doch es ist nicht allein Duchovnys Verdienst, dass Hank, so eine gewaltige Ausstrahlung hat. Die "Californication"-Macher wissen ihn perfekt in Szene zu setzen und manchmal reicht dafür nur ein einziges starkes Bild: Hank joggt entspannt mit Hut die Strandpromenade LAs entlang. Er bleibt stehen, zieht eine Zigarette hinter dem Ohr hervor und steckt sie an. Mehr braucht es nicht. Fünf Sekunden reichen, um alles über diesen Charakter zu sagen.
Zu Unrecht wird die Serie um den Womanizer als "Sex and the City" für Männer bezeichnet. Sie hat eben so viele weibliche, wie männliche Fans. Frauen wollen einen wie Hank, wenigsten für eine Nacht. Einer der nicht fragt, sondern macht und das auch noch ziemlich gut. Einer der sich (wie in der dieser Staffel) vor seine Frau stellt, wenn ein Polizist lüsternd blickt und dafür sogar Prügel mit dem Schlagstock einsteckt und letztlich im Knast landet.
Und Männer? Männer wollen sein wie Hank. Einer der mit Scotch und Zigarette den Tag beginnt und enden lässt und dabei trotzdem blendend aussieht. Der mit verbeultem Porsche durch die Stadt der Engel fährt und dank eines lockeren Spruchs ein eben solcher trotzdem zu ihm steigt. Und Männer freuen sich über die wunderschönen Darstellerinnen. Allen voran Karen (Natascha McElhone), die Frau an Hanks Seite, der man bereits im Vorspann sein Herz schenken möchte.
Die Serie bezeichnet sich selbst als "Persiflage auf das Haifischbecken Hollywood" in der "die Abgründe der Spaßgesellschaft in Los Angeles und die Schattenseiten des American Dream" gezeigt werden. Das tut sie. Zweifelsohne. Und dafür wird sie selbst vom Feuilleton gefeiert. Doch lieben wir "Californication" wirklich, weil es einen kritischen Blick auf den Hedonismus wirft? Nein. Wenn wir ehrlich sind, lieben wir es, weil es genau diesen auslebt. Wir finden in Hank jemanden, der wir selbst gerne wären. Für einen Tag Hank, nur vielleicht ein bisschen weniger Moody.

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