iPhone 4: der erste Praxistest

Seit Donnerstag steht das Apple-Smartphone der vierten Generation in den Regalen. MEEDIA-Blogger Felix Disselhoff hat das Gerät getestet und sich neu verliebt. Aus dem ehemaligen Edelhandy, das nach und nach seinen Charme verlor, ist wieder ein Stück Luxus geworden. Es ist nicht nur teuer, es sieht auch endlich wieder so aus. Was Steve Jobs nicht gefallen dürfte: Seine iPad-Bestellung hat er storniert. Dafür hat er sein Bücherregal jetzt in der Hosentasche.

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Seit Donnerstag steht das Apple-Smartphone der vierten Generation in den Regalen. MEEDIA-Blogger Felix Disselhoff hat das Gerät getestet und sich neu verliebt. Aus dem ehemaligen Edelhandy, das nach und nach seinen Charme verlor, ist wieder ein Stück Luxus geworden. Es ist nicht nur teuer, es sieht auch endlich wieder so aus. Was Steve Jobs nicht gefallen dürfte: Seine iPad-Bestellung hat er storniert. Dafür hat er sein Bücherregal jetzt in der Hosentasche:

Die größte Neuerung bei Apples viertem Wurf sticht einem im wahrsten Sinne des Wortes ins Auge: das Retina-Display. Mit 960×640 Pixeln ist die Auflösung viermal so hoch wie beim Vorgänger 3GS. Und das bei gleicher Displaygröße. So viel mehr Pixel machen sich auch sofort bemerkbar. Das Ergebnis ist ein Bild, dass so gestochen scharf, kontrastreich und brillant ist, dass die Displays der Vorgängermodelle dagegen richtig unscharf und verwaschen aussehen. Als ich ein paar Minuten mit dem neuen iPhone gespielt hatte, wollte ich das alte eigentlich gar nicht mehr benutzen.

"Alte" Apps wirken noch pixelig
Die Schrift, egal ob in Mails oder auf Webseiten, ist nicht mehr erkennbar aus Pixeln zusammengesetzt und wirkt wie gedruckt. Egal wie nah ich die Augen zum Bildschirm bewegte – die Schrift blieb gestochen scharf. Ein hässlicher Nebeneffekt der höheren Auflösung: Apps, die noch nicht von ihren Entwicklern für diese Auflösung upgedatet wurden, sehen teilweise recht verwaschen und pixelig aus. Wundern Sie sich also nicht, wenn ihr iPhone Sie demnächst öfter bittet, ihre installierten Apps upzudaten.

Dieses Display hat in meinem Fall einen Effekt, der Apple allerdings ganz und gar nicht gefallen dürfte. Das Lesen darauf ist so komfortabel, dass ich meine Bestellung fürs iPad storniert habe. Das Tablet wäre bei mir vor allem als Lesegerät zum Einsatz gekommen. Mit dem neuen iPhone habe ich aber ein Bücherregal im Hosentaschenformat. Das Display ist so gut, dass Lesen darauf tatsächlich Spaß macht. Stieg Larssons Krimi "Verdammnis" habe ich spontan gekauft und an einem Wochenende fast komplett durchgelesen.

Bessere Fotos, bessere Videos
Abgesehen vom Display ist das vierte iPhone um einiges fixer als seine Vorgänger. Der hauseigene A4-Prozessor sorgt spürbar dafür, dass Schnappschüsse schneller im Kasten sind. Bei den Vorgängern machte Fotografieren ja nicht wirklich Freude. Bilder sahen oft unscharf und verrauscht aus. Die verbesserte Kamera schießt jetzt Fotos mit fünf Megapixeln. Im Dunkeln sogar mit einem LED-Blitz. Bei ersten Probeaufnahmen im Sonnenlicht waren die Motive scharf, die Farben knackig. Weil das Fotografieren jetzt so viel zügiger funktioniert und die Resultate sich sehen lassen können, habe ich mit dem iPhone 4 an einem Wochenende mehr Fotos gemacht als mit allen Vorgängermodellen zusammen. Im Dunkeln schaltet sich der Blitz zu, sorgt aber teilweise für Hauttöne, die sonst nur langjährige Besuche im Solarium zu Tage fördern.

Die Videofunktion konnte mich dafür umso mehr überzeugen. Clips nimmt das neue iPhone mit 720p, also in High Definition mit 1280×720 Pixeln und bis zu 30 Bildern pro Sekunde auf. Die größere Auflösung knabbert dafür auch ordentlich am Speicher. Ein paar Minuten Film belegen so schnell mehrere hundert Megabyte Speicher. Das Bild kann sich allerdings sehen lassen. Mit 30 Bildern pro Sekunde sehen Schwenks und schnelle Bewegungen flüssig aus, die Automatik regelt zügig nach, wenn sich die Lichverhältnisse ändern. Wie auch bei den Fotos merkt man den den Aufnahmen an, dass Apple nicht nur die Auflösung erhöht hat, sondern auch den Bildchip großzügiger dimensioniert hat. Selbst bei starker Sonneneinstrahlung wirken helle Flächen nicht ausgebrannt und dunkle Bereiche haben noch eine Zeichnung. Ein direkter Vergleich mit Kompaktcamcordern wie der Flip Mino steht zwar noch aus. Den Kauf kann man sich allerdings sparen, wenn man zu den Besitzern des iPhone 4 gehört.

FaceTime kann überzeugen
Sowieso bedient Apple mit den neuen iPhone vor allem Videobegeisterte. FaceTime heißt die Videochat-Funktion, die Apple zum neuen Standard für Videotelefonie machen will. Derzeit funktioniert FaceTime allerdings nur zwischen iPhones und nur via Wlan. Dafür überzeugt die Technik. Ein Testanruf lieferte ein flüssiges Bild mit natürlichen Farben und eine enorm gute Sprachqualität. Sogar noch besser als bei "normaler" Telefonie. Der bessere Klang ist aber nicht zuletzt auch der höheren Bandbreite übers Wlan geschuldet.

Natürlich soll man abseits vom Videochatten mit einem Smartphone auch telefonieren können. Auch hier hat Apple nachgebessert und zusätzlich zum Standardmikro ein weiteres zum Herausfiltern von Nebengeräuschen eingebaut. Im Gehäuse ist es nur als winziger Punkt neben dem Kopfhörereingang zu erkennen. Doch bei einem ersten Test erfüllte das winzige Ding seine Aufgabe mit Bravour. Bei Testanrufen aus einer gut besuchten Bar mit dem iPhone 4 und dem 3GS konnte die Person am anderen Ende der Leitung mich deutlich besser verstehen, wenn ich das neue iPhone nutzte.

Ist nicht nur teuer, sieht auch so aus
Optimiert hat der Konzern aus Cupertino nach eigenen Angaben auch die Laufleistung des Akkus. Der war bisher die größte Schwachstelle des Smartphones und reichte aufgeladen gerade mal für einen Tag. Laut Herstellerangaben liegt die Sprechdauer jetzt bei eingeschaltetem UMTS (3G) bei bis zu sieben Stunden und angeblich sogar 14 Stunden, wenn 3G deaktiviert ist. Als Standby-Dauer gibt Apple ganze 300 Stunden an. Das entspricht sechs bis zehn Stunden Surfen oder 40 Stunden Musikhören. Ob der iPhone-Akku tatsächlich solange im Standby aushält, konnte ich in der kurzen Zeit nicht testen. Allerdings hielt der am Freitagmorgen vollgeladene Akku bis zum Spiel der deutschen Nationalelf am Sonntagnachmittag. Und das, obwohl ich ausgiebig gelesen, gemailt, telefoniert, gesurft und darauf gespielt habe. Eine klare Verbesserung also.

Ich muss gestehen, dass der neue, kühle Look des iPhone 4 mir gefällt. Glas auf beiden Seiten, umfasst von einem Rahmen aus Edelstahl. Kein Chrom, kein Plastikbuckel mehr. Das iPhone 4 ist nicht nur teuer, es sieht auch so aus. Mit dem etwas flacheren Gehäuse und ein paar Gramm mehr Gewicht liegt es gut in der Hand und fühlt sich hcohwertig an. Doch wie bei allen iPhones gilt auch hier: Wer sein iPhone nutzt, der putzt! Und das nicht zu knapp. Schon nach ein paar Minuten ist das Glas übersät mit Fingerabdrücken.

Im Todesgriff
Über die technischen Nachteile des neuen Design hatte ich bereits letzte Woche gebloggt. Auch nach ein paar Tagen tauchten keine gelben Flecken oder Streifen auf dem Display auf. Der "Todesgriff" ließ sich jedoch immer wieder anwenden. Der Empfang brach nie völlig ab, sank aber von fünf auf nur noch einen Balken.

Fazit: Mit dem iPhone 4 hat Steve Jobs sein Erfolgsmodell sinnvoll runderneuert. Es sieht hochwertiger aus, funktioniert schneller, schießt bessere Bilder, dreht bessere Videos, lässt Telefonate klarer rüberkommen und hält länger. Trotzdem stellt sich die Frage, wie Apple in Zukunft mit den bekannten Zipperlein umgehen wird. Ein Modell für Linkshänder dürfte es wohl kaum geben. Trotzdem ist es dem Apple-Boss gelungen, mich wieder für sein Smartphone zu begeistern.

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