Der Ergo-Boy – sexy oder nervig?

Der Versicherungskonzern Ergo hat seine Marken wie Hamburg Mannheimer oder Viktoria abgeschafft und firmiert nur noch als Ergo. Die Neupositionierung wird mit einer Kampagne in Print, auf Plakaten, mit TV-Spots und im Internet unter die Leute gebracht. Im Mittelpunkt steht der Schauspieler Sebastian Ströbel als coole Reinkarnation von Herrn Kaiser. Die Figur spaltet die Geschlechter - Frauen fahren auf den Ergo-Boy ab, Männer sind genervt. MEEDIA präsentiert eine männliche und typisch weibliche Sichtweise.

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Das sagt die Frau:

Frauen sehen aber mindestens 82 Millionen Gründe, warum das Ergo-Testimonial der Mann ihrer Sehnsüchte am Werbehimmel ist. "Stark, smart und sexy" – könnte man im Cosmo-Sprech die Attraktivität von Sebastian Ströbel auf den Punkt bringen. Ein richtiger Kerl, der im Cowboy-Stil lässig aber bestimmt sagt, was Sache ist, und aus der Hüfte wegschießt, was ihm nicht passt (Versicherungsklauseln). Dazu kommt sein Gespür für Stil (Longsleeve und Lederjacke), seine erotische Til-Schweiger-Stimme und diese Lockerheit, bei der man ihm auch die rasierte Brust verzeiht. Und auch wenn man es nicht beweisen kann: Aber der Mann sieht aus, als würde er auch verdammt gut riechen.

Doch es ist nicht nur sein Äußeres, das die Frauenwelt dahinschmelzen lässt. Ein geschätzter Mittdreißiger, der heute schon an morgen denkt und sich sein Versicherungspaket zusammenschnüren lässt, verspricht der Frauenwelt Sicherheit und Bodenständigkeit. Wenn er die Norah Jones-Platte anwirft, kommt man schon ins Schwelgen darüber, wie man mit ihm in der Hollywood-Schaukel auf der Veranda sitzt, beim Sunrise den Kindern beim Spielen im Garten zusieht und dabei einen guten Rotwein (Bio) zu sich nimmt. Im Ganzen reicht der 60 Sekunden-Clip aus, um sich die Vervollkommnung seines eigenen privaten Glücks mit diesem Männer-Vorbild auszudenken. Christine Lübbers

Das sagt der Mann

Schon wieder so ein Poster-Boy für den modernen jungen Mann. Der Dreitagebart-Träger mit der modisch abgegriffenen Leder-Jacke (Tchibo?) federt dynamisch eine Bahntreppe in, natürlich, Berlin hoch und räsoniert über Versicherungen. Die Versicherung Ergo hat ganz Deutschland mit dem Assekuranz-Junkie zugepflastert. Dem Mann mit den sanften Augen und der lässigen Attitüde. Denkt eigentlich irgend jemand in der verantwortlichen Werberei (Aimaq Rapp Stolle) oder in der Marketing-Abteilung des Versicherungskonzerns Ergo mal darüber nach, was sie uns Männern mit so einem Werbe-Waschlappen antun?

Darf man sich jetzt, wie damals zu Don-Johnson-Zeiten, nicht mehr regelmäßig rasieren? Muss man sich voluminöse Sessel auf dem Flohmarkt kaufen, bevor man sich übergroße Kopfhörer überzieht, um ausgerechnet ein Lied von Lady-Langeweile höchstpersönlich, Norah Jones, zu lauschen? Muss man sein iPhone dem nächsten Penner in die Hand drücken und sich wieder eine 80er-Jahre-Stereo-Anlage mit zwei (!) Kassetten-Decks und Plattenspieler zulegen und in eine großzügig dimensionierte Altbau-Wohnung Berlin ziehen? Bitte nein!

In einem haben die Werbestrategen aber womöglich sogar recht: Solche angepassten Nonkonformisten-Uniformträger wie der Ergo-Boy sind hinter ihrer dünn aufgetragenen Fassade aus Kaufhaus-Hipness wahrscheinlich die schlimmsten Spießbürger des Landes, die sich vielleicht tatsächlich für so ein dröges Produkt für Versicherungen interessieren. Kann irgendjemand Herrn Kaiser aus der Werbegruft zurückrufen…bitte. Stefan Winterbauer
Hier geht es zum Werbespot mit dem Ergo-Boy

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