“Wir haben nicht so gut ausgesehen”

Publishing Es war eine Sensation: Wikileaks hat drei Medien Geheimquellen über den Afhanistan-Krieg in bisher nicht gekanntem Umfang angeboten. Der Scoop von Spiegel, New York Times und Guardian ermöglicht auch einen Vergleich zwischen den Formen der Aufbereitung der Story im Internet. Und der fällt für Spiegel Online nicht schmeichelhaft aus. Blogs kritisieren die "armselige" Umsetzung. Spiegel-Online-Chefredakteur Rüdiger Ditz rechtfertigt sich gegenüber MEEDIA.

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New York Times und Guardian haben im Web Sonderseiten zu den "War logs" eingerichtet. Die Amerikaner beschreiben ihre Überlegungen, welche Dokumente sie veröffentlichten, lassen ihre Autoren auf Leserfragen antworten und zeigen eine Auswahl der Dokumente im Original.
Der Londoner Guardian begrüßt seine Nutzer mit einem Erklär-Video, in dem Investigations Editor David Leighs die verschiedenen Online-Tools erläutert, mit denen die Dokumente begutachtet werden können. Zudem sind auf einer interaktiven Karte die Kriegsschauplätze zwischen 2004 und 2009 dargestellt und in einem Blog sammelt die Redaktion die Reaktionen auf die Enthüllungen. Das ist Online-Journalismus auf der Höhe der Zeit.
Dagegen hat Spiegel Online seine Texte und Bilder in das bereits bestehende Extra über den Afghanistan-Krieg integriert und verweist ansonsten auf die Titelgeschichte "Task Force 373: Die Afghanistan-Protokolle: Amerikas geheimer Krieg" im aktuellen Heft. Darüber echauffieren sich hiesige Medien-Blogs: Fefe hält die Aufbereitung im Spiegel für vergleichsweise "armselig", für Thomas Knüwer ist sie ein "Armutszeugnis für Deutschlands größte Nachrichtenseite" und Christian Sickendieck diagnostiziert gar "ein Desaster für den Spiegel."

"Wir haben im Vergleich nicht so gut ausgesehen", gibt SpOn-Chefredakteur Rüdiger Ditz gegenüber MEEDIA zu. Während die Kollegen aus der Printredaktion vier Wochen vor Veröffentlichung die Dokumente sichten und prüfen konnten, sei die Onlineredaktion erst Mitte vergangener Woche in die Arbeit eingestiegen. "Wir haben uns gefragt: Was macht man für eine Geschichte, wie kann man die Masse überhaupt aufbereiten?" Es habe keine "Smoking Gun", keine echten News gegeben.

Zudem kam die Geschichte vom Heft. Und da gelte der Grundsatz: Der Titel wird nicht online gebracht – zumindest nicht in der ersten Woche. Man habe um die Titel-Geschichte herum schreiben müssen, so Ditz. Solche Probleme hätten die beiden Tageszeitungen Guardian und New York Times nicht, hier seien Print und Online stärker integriert. Künftig wolle man sich überlegen, anders an solche Geschichten heranzugehen. Auf den nächsten Scoop dieser Größenordnung wird aber auch der Spiegel womöglich noch einige Zeit warten müssen.

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