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Telekom versucht sich an Web-Knigge

Thesenpapiere für ein friedliches Web-Miteinander scheinen gerade angesagt zu sein. Nach den "Forderungen für ein lebenswertes Netz" des Chaos Computer Clubs, stellt nun auch die Deutsche Telekom "101 Leitlinien der digitalen Welt" online. Der Arbeitstitel des T-Projektes lautet "eEtiquette". Die Bonner möchten Tipps zu Themen wie Schriftverkehr via E-Mail oder Verhalten in sozialen Netzwerken geben. MEEDIA nimmt sich fünf Leitlinien vor: Taugt die eEtiquette als Ratgeber für die digitale Welt?

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Bei den Leitlinien der eEtiquette soll es sich nicht um Grundsatzregeln handeln. Vielmehr sollen sie als Empfehlungen verstanden werden. Die Nutzer haben die Möglichkeit einzelne Leitsätze zu bewerten und zu kommentieren. Auf der Startseite wird stets die beliebteste Leitlinie des Tages angezeigt. Am Dienstag lautet diese: "Melde Dich mit Deinem vollständigen Namen, wenn Dich ein unbekannter Teilnehmer anruft".
Nicht immer stoßen Thesenpapiere zur Netzpolitik auf Zustimmung. Das gilt auch für die eEtiquette, deren Regeln für die meisten Nutzer als selbstverständlich gelten dürften. MEEDIA nimmt sich beispielhaft fünf kritikwürdige Leitlinien vor:
Leitlinie 2: "Beantworte alle persönlichen E-Mails innerhalb eines angemessenen Zeitraumes"
Angemessener Zeitraum? Geht das nicht etwas präziser? Blogger und Medienberater Ralf Schwartz schlägt hier eine genauere Angabe vor. "Alle Mails gehören in längstens 24 Stunden beantwortet, und wenn man nur kommuniziert, dass die eigentliche Antwort sich verzögert. Punkt."
Leitlinie 14: "E-Mails, die in Kleinbuchstaben und mit falscher Zeichensetzung verfasst sind lassen dich ungebildet oder faul erscheinen"
Nehmen wir an Ràul, Austauschstudent aus Spanien, lebt seit einem Monat in Deutschland, muss eine E-Mail auf Deutsch an seinen Professor schreiben. Ist er faul, weil er das ein oder andere Komma nicht gesetzt hat?
Leitlinie 25: "Mit einem kurzen Telefonanruf lässt sich eine endlose Kette frustrierender E-Mails umgehen"
Im Grunde eine sinnvolle Leitlinie. Wer beantwortet schon gerne E-Mails deren Betreffzeile  dutzende "Re" zieren. Doch aufgepasst: Immerhin ist die eEtiquette von einem Telekommunikationskonzern publiziert. Daher sollte bei allen Leitlinien genau hingeschaut werden, ob sie nicht aus ökonomischen Interessen der Telekom heraus formuliert wurden.
Leitlinie 29: "Sich für fehlgeleitete Inhalte zu entschuldigen, verschlimmert die Situation nur. Denke das nächste Mal nach, bevor Du etwas veröffentlichst"
Falsch. Eine Entschuldigung zeugt von Stärke. Das gilt für analoge wie digitale Lebenswelten.
Leitlinie Nr.38: Halte mindestens drei Meter Abstand zu anderen Menschen, wenn Du in der Öffentlichkeit telefonierst"
Man stelle sich eine überfüllte Bahn vor. Wie Abstand halten, wenn der Nachbar hysterisch in sein Telefon plärrt, dass der Zug bis zum Bersten gefüllt ist? Vorschlag für eine neue Leitlinie: In ungünstigen Momenten, sehe von einem Telefonat in der Öffentlichkeit ab.
Die "101 Leitlinien der Digitalen Welt“ sind das Ergebnis von Workshops und Befragungen, welche die Forschungsabteilung der Deutschen Telekom in zwölf Ländern durchgeführt hat. Verschiedenste Kommunikationskanäle werden von der eEettiquette beleuchtet. SMS, E-Mail, Telefon, soziale Netzwerke, Videokonferenzen, Blogs oder Chats – ähnlich wie bei einem chinesischen Glückskeks, hat die Telekom für jede Kommunikationsform das passende Gebot in petto.

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