„Me-Too-Medien haben keine Chance“

Eine Web-Erfolgsgeschichte: "Im vergangenen Krisen-Jahr haben wir sogar einen kleinen Gewinn eingefahren", verrät Focus Online-Chef Jochen Wegner im MEEDIA-Interview. Seit dem heutigen Dienstag zeigt sich das Portal in einem überarbeiteten Design, das sich bewusst "von der Google-News-Welt absetzt". Wegner glaubt, dass im Netz künftig "nur originärer Journalismus überleben" wird: "Me-Too-Medien, die sich an anderen orientieren oder lediglich Agentur-Ticker wiederverwerten, haben keine Chance."

Anzeige

Warum wurde der Relaunch nötig?
Das bisherige Layout von Focus Online stammt im Kern aus dem Jahr 2007. Eigentlich sollte das, so dachten wir damals, der letzte große Relaunch gewesen sein. Moderne Online-Medien verändern sich fast täglich, und wir haben die Website seither in kleineren "Releases" weiterentwickelt. Nach und nach aber hatte sich daneben eine Liste mit ebenso fundamentalen wie notwendigen Änderungen angesammelt. Sie las sich wie ein Aufruf zur Revolution.
Was sind die wichtigsten Änderungen?
Das neue Design ist klar, reduziert und magazinartig. Es feiert journalistische Inhalte und setzt sich von der Google-News-Welt ab. Wir haben auf viele mittlerweile überflüssige Features verzichtet, aber auch einige neue geschaffen, etwa Personalisierungs-Funktionen oder ein neues Recherche-Tool. Unser Layout ist deutlich breiter. Es ist zentriert und klebt nicht mehr am linken Rand, der neue Header zieht sich über die gesamte Bildschirmbreite. So werden wir der wachsenden Zahl hochauflösender Computer-Displays gerecht.
Gibt es ein publizistisches Vorbild, an dem Sie sich orientieren?
Wir halten die Website von CNN für vorbildlich. Unsere Entwicklungsredaktion unter Leitung von Oliver Ebert, die den Relaunch gemeinsam mit dem Design- und Technikteam von Tomorrow Focus Technologies konzipiert hat, ließ sich aber auch von der parallelen Arbeit an unserer ersten iPad-App inspirieren. Viele neue Metaphern sind in den Relaunch mit eingeflossen.
Gibt es einen Zusammenhang zwischen dem Wechsel auf den Print-Chefredakteursessel und dem Relaunch? Entstand der Relaunch auch in enger Zusammenarbeit mit Herrn Weimer?
Wir haben die Print-Chefredakteure selbstverständlich immer wieder um Feedback gebeten, unsere Redaktionen sind in permanentem Austausch. Beide Medien entwickeln sich klar in die gleiche Richtung.
Wird die Print-Redaktion nun auch stärker redaktionell eingebunden?
Die Zusammenarbeit zwischen Print und Online ist bei Focus traditionell hervorragend – in Zukunft werden wir noch deutlich enger zusammenarbeiten.
Verändert sich durch den Relaunch auch die redaktionelle Zusammensetzung? Muss auch Focus Online – wie die Print-Kollegen – den Personalbestand verringern?
Da gibt es keinen Zusammenhang. Im vergangenen Krisen-Jahr haben wir sogar einen kleinen Gewinn eingefahren, in diesem Jahr hatten wir wie die meisten Leitmedien anfänglich Mühe, das Vorjahresniveau der Erlöse zu erreichen, und liegen derzeit noch nicht auf unserem ambitionierten Wachstums-Plan. Wir arbeiten deshalb  – wie eigentlich in jedem Jahr – an den Kosten, fundamentale Änderungen haben wir aber nicht geplant.
Wird die Monetarisierung durch den Relaunch verbessert? Wenn ja, wie?
Wir haben gemeinsam mit Tomorrow Focus Sales verschiedene neue, großflächige Anzeigenformen entwickelt und sie auf einer Roadshow den Agenturen präsentiert – mit teilweise geradezu euphorischem Feedback. Offensichtlich gibt es im Netz eine große Nachfrage nach opulenten Branding-Werbeformen. Wir können uns damit ganz neue Etats erschließen.
Was sind die wichtigsten Ziele der Relaunches? Wie soll sich das Portal in den nächsten zwölf Monaten verändern?
Im Netz wird nur originärer Journalismus überleben, Me-Too-Medien, die sich an anderen orientieren oder lediglich Agentur-Ticker wiederverwerten, haben keine Chance. Unser Ziel war es, die exzellente Arbeit unserer Redaktion noch stärker herauszustellen.

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige