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„Schon länger in Verbindung zu Wikileaks“

"Task Force 373 - die Afghanistan-Protokolle" ist eine besondere Spiegel-Titelgeschichte: Vier Wochen lang analysierten drei Teams der New York Times, des Guardian und des Spiegels über 92.000 Dokumente über den Afghanistan-Krieg. Spiegel-Chefredakteur Georg Mascolo zu MEEDIA: "Die Dokumente zeigen: Der Krieg in Afghanistan läuft nicht gut." Wie die Redaktionen mit dem Material umgingen und warum Wikileaks sich gerade den Spiegel als Partner aussuchte, erklärt der Spiegel-Chef im Interview.

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Gab es schon einmal eine solche internationale Zusammenarbeit zwischen drei Titeln?

Nein. So etwas gab es beim Spiegel noch nicht.

Wie kam es zu der Titelgeschichte. Kam Wikileaks auf den Spiegel zu?

Wir stehen schon länger in Verbindung zu Wikileaks. In diesem Fall haben sich die Wikileaks-Verantwortlichen für den Spiegel, die New York Times und den Guardian entschieden. Das hätten sie wahrscheinlich nicht getan, wenn wir nicht schon länger in Kontakt stehen würden.

Hat der Spiegel für die Dokumente gezahlt?

Nein.

Vertrauen Sie der Organisation Wikileaks?

Die Frage für uns war, ob wir dem Material vertrauen und wir hatten alle Freiheit, mit dem Material so umzugehen, wie wir es für richtig hielten. Das war für mich die Voraussetzung bei diesem Projekt.

Wie wurde die Echtheit der Dokumente überprüft?

Wir haben eine Gruppe gebildet, die vier Wochen lang nichts anderes getan hat, als die Dokumente zu sichten, zu prüfen und mit bereits veröffentlichten Protokollen und Informationen abzugleichen. Wir haben mit Hilfe unserer EDV Suchfunktionen programmiert, um das Material auswerten zu können. Auch die Kollegen in New York und London haben intensiv mit den Protokollen gearbeitet. Zu jedem Zeitpunkt der Recherche standen wir in einem engen Austausch mit der New York Times und dem Guardian.

Haben Sie alle 92.000 Dokumente gesichtet?

Nein. Das war bei der Menge gar nicht möglich. Wir sind aber zuversichtlich, dass wir alles Wichtige und Relevante mit der nötigen Sorgfalt geprüft haben. Neben der Entscheidung, welche Informationen wir publizieren, war in diesem Fall auch die Abwägung, welche Informationen wir nicht verwenden, wichtig. In den Dokumenten geht es um eine Vielzahl sensibler Sachverhalte, die Namen von afghanischen Informanten des US-Militärs etwa. Die gehören nicht in die Öffentlichkeit. Wir sind hier sehr vorsichtig vorgegangen und haben Wikileaks auch unsere Gründe für diese Entscheidung dargelegt. Auch Wikileaks verzichtet darauf, die Namen zu veröffentlichen, habe ich gestern auf ihrer Website gelesen.

Gibt es Unterschiede, wie die beiden anderen Medien die Dokumente analysiert haben?

Die Amerikaner beschäftigen sich stärker mit der Rolle des pakistanischen Geheimdienstes ISI und beim Guardian stehen die zivilen Opfer stärker im Fokus. Wir beschäftigen uns ebenfalls mit diesen Aspekten – vor allem aber besonders intensiv mit der Arbeit der geheimen Task Force 373 und der Lage im Norden Afghanistans, wo die Bundeswehr stationiert ist.

Welche Ziele verfolgt Wikileaks mit der koordinierten Veröffentlichung in den drei Titeln?

Es geht ihnen darum, eine Debatte über den Afghanistan-Krieg anzustoßen und eine möglichst große Öffentlichkeit zu erreichen.

Welche Tendenz hat die Spiegel-Geschichte?

Sie erzählt den Krieg aus der Sicht der dort kämpfenden Menschen. Und deren Sicht ist eine sehr pessimistische. Die Dokumente zeigen: Der Krieg in Afghanistan läuft nicht gut.

Wie sind die ersten Medienreaktionen?

In Amerika und Großbritannien ist die Geschichte ein großes Thema. Auch hierzulande wird unser Titel von immer mehr Medien aufgenommen.

Rechnen sie auch mit einem besonderen Erfolg am Kiosk?

Es ist eine besondere Geschichte, in der sehr viel Arbeit steckt. Da will ich doch hoffen, dass sie unsere Leser und Leserinnen neugierig macht. 

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