Millionenklage gegen britischen Bohlen

Kandidaten-Kummer: Müssen Bohlen und Co. sich demnächst auch mit ihren Gemeinheiten zurückhalten? Simon Cowell, Produzent und Juror der englischen Castingshow "Britain's Got Talent", wird von der ehemaligen Kandidatin Emma Amelia Pearl Czikai auf 2,5 Millionen Pfund (rund 2,97 Millionen Euro) Schmerzensgeld verklagt. Das berichten britische Medien. Die Begründung der Amateur-Sängerin: "Ausbeutung, Erniedrigung, Entehrung und eine moderne Form von Barberei."

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Czikai fühlt sich durch die bösen Kommentare des Jurors zu ihrem Auftritt im Mai 2009 "gedemütigt und erniedrigt". Deshalb will sie sich jetzt zur Wehr setzen. "Dieses Format macht auf dem Rücken der normalen Leute wenige Menschen sehr sehr reich. Durch Ausbeutung, Erniedrigung, Entehrung und eine moderne Form von Barberei," wird streitbare Kandidatin vom Guardian zitiert.
Was war passiert: Als die Hobby-Sängerin bei der Britischen Castingshow, die genauso funktioniert, wie das deutsche Format "Supertalent", die ersten Zeile der Ballade "You Raise Me Up" anstimmte, buzzerten die Juroren, die ehemaligen Krankenschwester von der Bühne. Eigentlich hat die Sendung ein Herz für Sonderlinge."Britain’s Got Talent" machte bereits den schüchternen Opernsänger Paul Potts und Susan Boyle, das Mauerblümchen mit der starken Stimme, zu internationalen Stars. Doch bei der 54-Jährigen, die nicht nur wegen ihres tief dekolletierten Abendkleides, sondern auch mit ihrer Aufmüpfigkeit auffiel, blieben die Juroren hart. Czikai protestierte und legte sich mit Cowell an. Dieser kommentierte trocken: "Es ist ein schöner Song, wenn du ihn nicht singst" und nannte ihre Sing-Stimme "grauenhaft".
Cowells hämische Sprüche waren damit im Vergleich zu seinem deutschen Pendant Dieter Bohlen relativ harmlos. Auch dem Pop-Titan wurde zu Beginn des Jahres schon Klagen angedroht. Allerdings hatte sich dieser über einen damals 18-jährigen Kandidaten lustig gemacht, der mit sichtlich durchnässter Hose vor die "Deutschland sucht den Superstar"-Jury trat: "Wir hatten schon viel. Aber dass sich jemand in die Hose pinkelt noch nicht", pöbelte der Chef-Juror und der eingeschüchterte Azubi bekam gleich noch eine große Portion Lebenshilfe mit auf den Weg: "Pass auf. Nach dem Rausholen musst du ihn gut abschütteln und wenn das noch immer nicht reicht: R-O-T-A-T-I-O-N." Das Urteil des Ex-Modern-Talking-Sängers lautete damals: "Lieber Cholera auf meinen Pillemann, als dein Gesang." 2008 hatte sich RTL bereits aufgrund Bohlens derber Sprüche ein 100.000 Euro Bußgeld wegen "beleidigenden Äußerungen und antisozialem Verhalten" von der Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) der Landesmedienanstalten eingehandelt.
Klagesummen in Millionenhöhe gab es in Deutschland bisher nicht. Sollte Emma Amelia Pearl Czikai mit ihrer Forderung durchkommen, könnte das möglicherweise auch für deutsche Jury-Pöbeler abschreckend wirken. Ob es im Fall Czikai gegen Cowell aber tatsächlich zu einem Prozess kommen wird, ist noch fraglich. Bisher gab es lediglich eine Anhörung vor einem Londoner Gericht. Czikai hatte bereits eine Beschwerde bei der britischen Medienregulierungsbehörde Ofcom eingereicht. Diese wurde jedoch zurückgewiesen.
Sollte die Klage durchkommen, dürfte der Graben in Cowells Geldbörse allerdings nicht allzu groß ausfallen. Wie die Sunday-Times vor einigen Monaten berichtete, hat der kreative Brite, der auch das Erfolgsformat "The X-Faktor" erfand, allein im Jahr 2009 umgerechnet 69 Millionen Euro verdient. Da dürfte selbst der tief gebräunte DSDS-Oberprovokateur ganz blass vor Neid werden.

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