IVW: Regionalzeitungen verlieren deutlich

Die Krise der Tageszeitungen schwächt sich nicht ab. Auch im zweiten Quartal 2010 verloren nahezu alle überregionalen und regionalen Blätter Käufer. Besonders bitter sieht es in Berlin und anderen östlichen Bundesländern aus, relativ glimpflich davon gekommen ist die Branche im Süden der Republik. Bei den überregionalen Blättern gab es heftige Verluste beim Handelsblatt, der Financial Times Deutschland und der Frankfurter Rundschau. MEEDIA präsentiert die traditionelle Auflagenübersicht.

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Beginnen wir unsere Auflagenreise bei den Regionalzeitungen – und dort im Osten. In Berlin finden sich auf den ersten Blick sogleich die größten Verlierer des Quartals. So gingen der Berliner Zeitung, der Berliner Morgenpost und dem Tagesspiegel zwischen 7,8% und 10,5% ihrer Käufer abhanden. Auf den zweiten Blick verloren alle drei auch deswegen so dramatisch, weil sie jeweils etwa 9.000 sonstige Verkäufe abgebaut haben. Ohne diese Maßnahme wären sie etwas besser weggekommen, lägen aber dennoch im Minus. So gingen der Berliner Zeitung bei den Abos 4,9% und im Einzelverkauf 5,2% der verkauften Auflage verloren, bei der Morgenpost sind es 1,9% bzw. 3,6% und beim Tagesspiegel 4,3% bzw. 5,5%. An der Spitze bleibt in Berlin die B.Z., die ihr Minus im Vergleich zum ersten Quartal sogar etwas verringern konnte.

In den fünf anderen östlichen Bundesländern gibt es einen relativ gleichmäßigen Trend nach unten: Alle großen Zeitungen verloren zwischen 2,0% und 4,1%. Besonders deutlich eingebüßt haben dabei die Schweriner Volkszeitung, die Mitteldeutsche Zeitung und die Zeitungsgruppe Thüringen.

Zu den großen Verlierern gehört auch wieder das Hamburger Abendblatt. Zwar liegt das Minus mit 4,1% gegenüber dem zweiten Quartal 2009 leicht unter dem aus dem ersten Quartal (-4,4%), doch das dürfte nur ein schwacher Trost sein. Der örtliche Konkurrent Hamburger Morgenpost liegt bei den Abos und im Einzelverkauf hingegen sogar im Plus, nur der Abbau von ca. 2.500 sonstigen Verkäufen drehte die Gesamtauflage ins Minus. Das fette Plus der sh:z in Schleswig-Holstein ist hingegen kein echtes. So kam es einzig durch die Übernahme der Elmshorner Nachrichten zustande. Ohne diese zusätzlichen Zeitungen läge auch die sh:z im Minus.

Ein ähnlicher Fall sorgt in Nordrhein-Westfalen für Verschiebungen. Der Wechsel des Bocholter Borkener Volksblattes von der Rheinischen Post zur Zeitungsgruppe Münsterland bescherte der RP große Verluste, der ZGM hingegen einen großen Zuwachs. Ohne den BBV-Wechsel hätte es bei der Rheinischen Post nur kleine Verluste gegeben – und bei der ZGM ebenfalls einen Auflagen-Rückgang. Echt sind hingegen die Verluste beim Express, im Einzelverkauf ging es dort sogar um 7,2% herab.

Die dritte Tabelle unserer Regionalzeitungs-Übersicht sieht wesentlich freundlicher aus. Nur ein Vertreter aus Hessen, Rheinland-Pfalz, dem Saarland, Baden-Württemberg und Bayern hat mehr als 2% verloren: das Duo aus Stuttgarter Zeitung und Stuttgarter Nachrichten. Alle anderen Titel liegen in einem Verlust-Korridor zwischen 1,1% und 1,8%, im Vergleich zu manch anderer Region der Republik läuft es hier also vergleichsweise ordentlich.

Einordnende Worte sind bei den überregionalen Zeitungen nötig. So sieht die Realität hier in vielen Fällen etwas anders aus als der Blick auf die Tabelle vermuten lässt. Das Handelsblatt beispielsweise, das mit einem Minus von 1,0% auf den ersten Blick glimpflich davon gekommen ist, konnte sich nur mit mehr verteilten Bordexemplaren und sonstigen Verkäufen auf diese Zahl retten. In den härteren Kategorien Abos und Einzelverkauf gab es hingegen deutliche Verluste von 3,3% bzw. 16,6%. Noch heftiger erwischte es die Financial Times Deutschland in diesen beiden Disziplinen: 6,2% weniger Abonnenten verzeichnet die IVW für die FTD, 16,2% weniger Einzelverkäufe. Auch hier wurden die herben Verluste durch mehr verteilte Bordexemplare etwas ausgeglichen.

Dritter großer Verlierer ist die Frankfurter Rundschau. Allerdings – umgekehrt zum Handelsblatt und zur FTD wurden hier ca. 10.000 sonstige Verkäufe abgebaut. Die tatsächlichen Verluste in den harten Auflagenkategorien liegen daher nicht bei 9,9%, sondern bei 4,5% und 4,8% – dennoch heftige Zahlen. Am wenigsten bei Abos und im Einzelverkauf verloren hat die Süddeutsche Zeitung, bei der taz ist die Bilanz zum Vorjahr hier sogar ausgeglichen, nur dank 2.500 abgebauter sonstiger Verkäufe rutschte man ins Minus.

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