Entschleunigt die Systemfrage stellen

Ines Pohl zieht im Interview mit dem Kölner Stadt-Anzeiger eine Bilanz ihres ersten Jahres als Chefredakteurin der taz: "Mir ist gelungen, die Lagermentalität aufzubrechen und die Diskussionskultur offener zu gestalten." Das diente offenbar dazu, die Zeitung politisch eindeutiger und weiter links zu positionieren. Pohl: "Uns ist klar geworden, dass wir deutlicher fragen müssen, wer profitiert, wer verliert." Zuvor sei "die Systemfrage" bei der taz nicht mehr "clever gestellt" worden.

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Im Gespräch mit der Medienredakteurin Ulrike Simon kommt merklich orthodoxere linke Rhetorik zum Vorschein, als man es zuvor von der taz gewohnt war. Pohl berichtet von einem "mehrmonatigen Workshop" zum eigenen Selbstverständnis, der um diese Frage kreiste: "Was bedeutet es, die Machtfrage zu stellen?"

Auch in das Innenleben der taz gewährt Pohl kritische Einblicke: "Bei uns ist immer alles transparent, selbst interne Auseinandersetzungen. Ich habe auch geschrieben, die taz sei die größte Schülerzeitung Deutschlands. Alteingesessene reagierten empört." Augenscheinlich hält Pohl solche Auseinandersetzungen für die Vergeudung von Energien: "Unsere Strukturen müssen sich verändern, um Kapazitäten freizusetzen. In einem basisdemokratischen Projekt wie der taz werden viele Entscheidungen immer wieder neu in unterschiedlichen Gremien diskutiert. Hier können wir Kraft sparen."

Bei der zukünftigen Ausrichtung möchte die Chefredakteurin angesichts der Online-Welt "ausgeruhter sein, mehr Recherche bieten, hintergründiger informieren. Entschleunigung heißt die Devise."

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