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Kriegs-TV „The Pacific“: Tötet sie alle!

Heute um 22.15 Uhr beginnt das große Schlachten bei Kabel eins. Der Sender überträgt den rekordträchtigen Fernseh-Zehnteiler "The Pacific", den Steven Spielberg und Tom Hanks produziert haben. Die mit 200 Millionen Dollar teuerste TV-Produktion aller Zeiten ist für 24 Emmys nominiert. Die Serie handelt vom "Island Hopping" im zweiten Weltkrieg, wo US-Marines nach Pearl Harbor einen gnadenlosen Insel-Krieg mit den Japanern ausfochten: ein desillusionierendes Drama nach dem Motto "Tötet sie alle!"

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Heute um 22.15 Uhr beginnt das große Schlachten bei Kabel eins. Der Sender überträgt den rekordträchtigen Fernseh-Zehnteiler "The Pacific", den Steven Spielberg und Tom Hanks produziert haben. Die mit 200 Millionen Dollar teuerste TV-Produktion aller Zeiten ist für 24 Emmys nominiert. Die Serie handelt vom "Island Hopping" im zweiten Weltkrieg, wo US-Marines nach Pearl Harbor einen gnadenlosen Insel-Krieg mit den Japanern ausfochten: ein desillusionierendes Drama nach dem Motto "Tötet sie alle!"
Die in Australien gedrehte Reihe war auch für die Verhältnisse von Spielberg und Hanks eine extrem aufwändige Angelegenheit. 800 Mitarbeiter, sechs Drehbuchautoren, sechs Regisseure, Unmengen Bulldozer, die Erde und Vulkanschlacke bewegten. Eine Materialschlacht. Das Monsterprojekt war nach "Band of Brothers" (2001) die TV-Serie, die Spielberg und Hanks im Auftrag des amerikanischen Bezahlsenders HBO zum Thema Krieg realisierten. Im selben Jahr hatte das Duo bereits "Saving Private Ryan" gedreht, bei dem die Invasion der Alliierten in der Normandie inszeniert wurde.
Auf die Dauer war der Kinofilm um die Suche nach dem einzigen überlebenden Soldaten einer Familie eher klischeeträchtig, aber die Szenen, die sich mit den ersten Minuten der Landung am 6. Juni 1944 beschäftigen, gehören zu den stärksten Momenten des Genres Kriegsfilm an sich. Der Moment, in dem Angreifer und Feinde aufeinander prallen, als sich das Meer an der frnzösischen Atlantikküste blutrot färbt, als die Marines taub vom Granatenlärm und dem Maschinengewehrfeuer durcheinander taumeln, ist der des totalen Kontrollverlusts. Tod und Verstümmelung treten wahllos ein, der Zufall richtet darüber, wer es an den Strand und in die rettende Deckung der Felsen schafft.
Diese alles entscheidenden Augenblicke der Wehrlosigkeit, des ohnmächtigen Schreckens, wenn auch die beste Ausbildung nichts mehr nützt, sind das Trauma der Überlebenden und die stärkste Botschaft eines komplexen Kriegsdramas. Die Reaktion darauf ist oft ein Sündenfall der Traumatisierten, die auf das barbarische Erlebnis mit eigener Grausamkeit antworten. "Das Subjekt", schreibt Spiegel Online, "wird zur reinen militärstrategischen Verschiebemasse."
In "The Pacific" gibt es drei voneinander unabhängige Handlungsstränge, die nach den Memoiren von drei inzwischen verstorbenen Soldaten der First Marine Divison erzählt werden. Die Kämpfe werden zum maschinellen Gemetzel, ein desillusionierender Mix aus Grausamkeiten und Gräueln. Wem die Szenen, in denen GIs sterbenden Japanern die Goldzähne aus dem Kiefer brechen zu hart sind, der kann wegzappen. Aber wer dies tut, sollte sich auch bewusst sein, dass die Soldaten, die damals kämpften, dies nicht konnten.
Und wer die akuelle Diskussion um die drastische Zunahme der Fälle von Posttraumatischen Belastungs-Syndromen (PTBS) bei Bundeswehrsoldaten nach Afghanistan-Einsätzen verfolgt, sollte die Spielberg/Hanks-Reihe auch als Lehrfilm sehen. Dort herrscht zwar nicht ein Krieg, der mit dem zweiten Weltkrieg vergleichbar wäre. Aber die Soldaten, die etwa in eine Sprengfalle von unsichtbaren Angreifern geraten, erleben den Schrecken und die Ohnmacht mit gleicher Wucht.

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