Miss Media: „Medienbranche ist wie Sex“

Die Frauenzeitschrift Cosmopolitan (Marquard Media) sucht über die Website der Werbe-Fachzeitschrift Werben & Verkaufen seit einiger Zeit die “Cosmopolitan Miss Media”. Eine Medien-, Media- oder Marketing-Fachfrau, die drei Attribute mitbringen soll: stark, smart und sexy. Es haben sich einige namhafte weibliche Media-Kräfte gefunden, die mitmachen. Von DuMont Net bis Zenithmedia. Mittlerweile ist das Teilnehmerinnenfeld auf fünf Finalistinnen geschrumpft, die sich im Web von ihrer Schokoladenseite zeigen.

Anzeige

Silke Springensguth, Geschäftsführerin der DuMont Net, hat es sich sogar nicht nehmen lassen, ein Bewerbungsvideo zu produzieren. Vor einer Bücherwand erläutert sie forsch, warum sie smart, sexy und stark ist. Smart sei sie, weil sie bei der Wahl überhaupt mitmache. Sexy sei sie, "weil die Medienbranche wie Sex ist: Jeden Tag neu, jeden Tag anders, jeden Tag aufregend und doch gibt es Dinge, die haben sich seit tausend Jahren nicht geändert." Und stark sei sie, weil sie seit 20 Jahren in dieser "sexy" Medienbranche unterwegs sei. Die Bilanz von Frau Springensguth: "Es war wie eine Achterbahnfahrt, aber für mich kann es gar nicht aufregend genug sein."

Die Konkurrenz ist hart. So tritt auch Lisa Hug, Marketing- & PR Frau der Enthaarungsfirma Senzera, in den Ring. Sie bewirbt sich mit einer Art Video-Slideshow, in der sie in verschiedenen Posen auftritt. "Stark" sei sie u.a. darum, so heißt es in der mit hämmerndem Rhythmus unterlegten Präsentation, "weil sie stets selbstbewusst ganz Deutschland vom Bikini-Waxing überzeugt." "Smart" sei Frau Hug u.a., weil sie die Nummer 1 der Kosmetikbranche (L’Oréal) für ein junges Unternehmen verlassen hat und dann gemeinsam mit dem Team den Senzera-Umsatz 2009 um 90 Prozent gesteigert hat. Und sexy ist die Marketing-Dame nach Überzeugung der Wachsmacher, weil sie, man ahnt es fast, die "glattesten Beine der Medienbranche hat".

Die übrigen drei Damen beschränken sich darauf, ihre Qualitäten textlich ins rechte Licht zu rücken. Melanie Fuest von der Getränkekühlerfirma Coolershop (übrigens ein Sponsor der W&V Meetnight) gibt sich ganz bescheiden und sagt, dass sie doch nur so stark, smart und sexy wie jede andere Frau auch sein kann. Tanja Opfermann von der Media-Agentur Zenithmedia glaubt trotz modelmäßigem Foto, dass sie für ihre Kollegen nur dann sexy ist, "wenn ich die Ansage, dass der Frühstückswagen da ist, mal zum Spaß mit französischem Dialekt durch die Sprechanlage hauche". Und Redhead Ariane Struve von der E-Sport-Firma Turtle Entertainment verrät ihre "Daily Mission" ("Ein sexy Blick, ein sexy Satz, ein sexy Lächeln… klar nutze ich meine Waffen, aber meine Regel lautet: ’nie intim im Team‘ ;-)") und ihre "Secret Tricks" ("In meiner Freizeit spiele ich Improvisationstheater, so bin ich immer perfekt auf unvorhergesehene Situationen vorbereitet.").

Die Miss Media bekommt dann Heidi-Klum-like eine Fotostrecke in der Cosmopolitan und darf mit Begleitung nach New York düsen. Heute kann man noch für die sexy Media-Mädels seine Stimme abgeben. Welches Frauen- und Branchen-Verständnis bei den Erfindern des Wettbewerbs vorherrscht, sollte man sich allerdings besser nicht fragen. Die Antwort könnte verheerend sein.

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige