Ex-Intendant Stolte kritisiert ZDF

Schelte vom Ex-Intendanten: Dieter Stolte, der das höchste ZDF-Amt von 1982 bis 2002 inne hatte, kritisiert in einem Beitrag für den Rheinischen Merkur, dass das ZDF auf die Berufung Steffen Seiberts zum Regierungssprecher so "reserviert reagierte". Für den Sender sei der "Frontenwechsel" zwar ein Verlust, schreibt Stolte. "Er ist aber zugleich eine Auszeichnung, denn es waren immer die ersten Adressen, von denen die Sprecher der Regierung kamen." Chefredakteur Peter Frey hatte den Wechsel kühl kommentiert.

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Wörtlich hatte Frey erklärt: "Wir bedauern, dass Steffen Seibert seine Perspektive nicht im Journalismus gesehen hat. Er nimmt die bundesweite Bekanntheit, die er auf dem Schirm als Moderator von ‚heute‘ und ‚heute-journal‘ erworben hat, und die damit verbundene Kompetenz und Glaubwürdigkeit mit in seine neue Aufgabe." Das ZDF sprach zurückhaltend von einer "persönlichen Entscheidung", die der Moderator getroffen habe.
Möglichweise ging es bei der Kommentierung der Merkel-Personalie auch darum, Image-Schaden vom öffentlich-rechtlichen Sender abzuwenden. Durch die monatelange Diskussion um die vom amtierenden Intendanten Markus Schächter gewünschte Vertragsverlängerung mit Frey-Vogänger Nikolaus Brender, die am Widerstand der CDU scheiterte, war ein Debatte um die Rolle der Politik bei Staatsfernsehen entbrannt. So wurde letztlich auch Frey durch die Union ins Amt befördert. Der Abgang des Nachrichtenmoderators Seibert bot nun für Frey eine Möglichkeit, als unabhängiger Chef Profil zu zeigen.
Stolte dagegen vertritt in der am Donnerstag erscheinenden Zeitung die Ansicht, das ZDF solle sich über die Berufung Steffen Seiberts zum Regierungssprecher freuen. Der 75-jährige zeigt sich zuversichtlich, dass Steffen Seibert seiner neuen Chefin Angela Merkel "guten, das heißt uneigennützigen Rat" geben könne.

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