„Bauer sucht Frau“: einfach zum Heulen

RTLs quotenstarke Doku-Soap hat mal wieder eine Ehe geschlossen und war diesmal mit allen Kameras dabei. In der letzten Staffel lernten sich der fromme Milchbauer Josef und die fröhliche Narumol kennen. Doch die Sprachschwierigkeiten zwischen dem Bayer und der gebrochen deutsch sprechenden Asiatin waren kein Hindernis. In der Spezialfolge zur Traumhochzeit wurde jetzt noch mal alles aufgeboten. Alles außer Hochdeutsch.

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Dabei gibt sich die Folge strukturelle Mühe. Im geübten Wechsel zeigte sie das Traumpaar bei den Vorbereitungen der Feierlichkeiten und dazu einige der altbekannten Bauern. Mit von der Partie waren der ostfriesische Jungbauer Carsten, Holzbauer Maurizio und Ackerbauer Markus. Doch wer hier redundante Rückblicke erwartete, wurde enttäuscht. Jeder Schritt auf dem Weg zum Altar wurde ausgekostet: Narumols gebrochene Deutschkenntnisse beim Schreiben der ToDo-Liste, die obligatorische Tanzstunde, um sich die Mindestanforderungen draufzuschaffen sowie der – natürlich schwule – Dorfcoiffeur, der das Haupthaar der Braut in Haarspray ertränkte. Humor bewies dabei der Nonsense-Kommentar: "Die Mutter einer Tochter schaut sich im Spiegel an."

Überhaupt ist es die Sprache, die auch dieses Spezial als eindeutige "Bauer sucht Frau"-Folge ausweist. Dazu gehören besonders die sinnfreien Kurztexte, wenn die Kandidaten einzeln verhört werden. Diese Bauchbinden bringen es auf den Punkt: "Willi hat Spaß mit seiner Karola", "Weinbauer Tobias mag Wein, Weib und Gesang" und "Claudia mag als Bankkauffrau gepflegte Männer". Daneben sind es die schier endlosen Untertitel, die allen Regeln der Lesbarkeit, Orthographie und Interpunktion widersprechen. Denn im Kreise der tagtäglichen Doku-Soaps, die vorgeben, die Dialekt- und Sprachpotpourris ihrer Protagonisten ins Hochdeutsche zu übersetzen, gibt auch diese Folge von "Bauer sucht Frau" wieder den Ton an. "Geht nicht rein", wird Narumols hilfloses Gestammel übersetzt, als sie beim Ring-Anstecken verzweifelt. Nach der Kirche ist sie sprachlos vor Glück: "Ich bin Baabala".

Apropos Claudia, Willi und Karola, die anderen Leidensgenossen aus der letzten Staffel. Natürlich wird im gewohnten Schlagabtausch auf die anderen Höfe geschaltet. In Hessen jagt der Ziegenwirt Willi erst das "lebendige Hochzeitsgeschenk" (eine Ziege) über die grüne Wiese, dann sucht seine Traumfrau Karola die Festtagsklamotte aus. Und sofort zeigt der lustige Bauer seine blassen Beine, bevor er sie in die Lederhose zwängt. Derweil posiert auch "der charmante Holzbauer Maurizio" in der Unterhose, während Partnerin Claudia ihr Dirndl sprengt. Alle Beteiligten zeigen vollen Körpereinsatz, doch wer will das sehen?

Zwischendurch heizt die stets gutgelaunte Inka Bause ihren Kandidaten immer wieder ein. Penetrant-schulmeisterlich verdonnert sie Narumol vor der Kirche dazu, auf jeden Fall "Ja" zu sagen. Und natürlich spricht sie am Ende der Folge die Abschiedspredigt. Denn schon im Herbst gibt es ein Wiedersehen mit den neuen Bauern der nunmehr sechsten Staffel.

Insgesamt bot die Sonderfolge alles, was eine "Bauer sucht Frau"-Folge zu dem Trash macht, den erstaunliche 6,11 Millionen Zuschauer am Montagabend guckten: Betonschwere Klischees vom Landleben, possierliche Viecher, die manch Städter nur aus dem Zoo kennt, ein bisschen viel Lederhose und das übliche Kauderwelsch á la "Das sind keine Weinentränen, sondern Freudentränen". Da bleibt kein Auge trocken.

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