Werbefigur Bohlen: Mann, ist das ne Wurst

Würstchen, Uhren, T-Shirts und Buttermilch: Kaum ein Produkt, für das Dieter Bohlen sein Gesicht für genügend Geld noch nicht in die Kamera gehalten hat. Neuester Werbepartner ist die Versicherung VHV. Erstaunlich dabei: Schon zum dritten Mal setzt Scholz & Friends damit auf den Musikmogul mit dem losen Mundwerk. Bohlen sells, so viel ist klar, dabei ist ihm seine große Klappe aber auch so manches Mal ein Hindernis gewesen. MEEDIA hat sich die besten und peinlichsten Werbeauftritte Bohlens angesehen.

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Noch vor sechs Jahren gehörte Dieter Bohlen laut einer Studie des GEWIS-Instituts zu den unbeliebtesten Werbefiguren im deutschen Fernsehen. 34 Prozent der befragten Zuschauer griffen bei seinem Anblick zur Fernbedienung. Bei Spiegel Online hieß es damals ebenfalls: "54 Prozent der Marketing-Entscheider sehen in dem Musikproduzenten den risikoreichsten Prominenten für die eigene Werbung, 43 Prozent würden ihn niemals als Zugpferd einsetzen. Bohlen gilt zudem als unglaubwürdigster Werbeträger."
Und dennoch, Werbeprofis setzen bis heute voll auf Bohlen-Sprüche wie "Also ich steh‘ ja auf gut gebräunt und knackig", wie der Wursthersteller Wiesenhof. Bohlen grillte die "Bruzzler"-Würstchen und spielt dabei mit reichlich Wortwitz auf sein weibliches Beuteschema an. Typisch Bohlen, möchte man sagen, und wahrscheinlich ist es genau das, worauf die Macher zählten.

 Wiesenhof-Werbung: "Mann, ist das ne Wurst"
"Auch Dickschädel müssen super versichert sein": Der Versicherer VHV arbeitet bereits zum dritten Mal mit Bohlen zusammen. nach eigenen Angaben hat sich der Bekanntheitsgrad der Firma seit Beginn der Kampagne kräftig gesteigert. 
Unter dem Motto "Jetzt wird Bohlitik gemacht", ernannte die Molkerei Müller Bohlen einst  zum Spitzen-Werbemaskottchen der fiktiven Müller-Partei. Wenig später wurde er geschasst, weil er sich einer Boulevardzeitung gegenüber abfällig über die Kundengruppe des Milchprodukte-Herstellers geäußert hatte: "Buttermilch wird von 50-jährigen alternativen Bio-Latschenträgerinnen gekauft", so der damals ebenfalls 50-Jährige. Bohlen verklagte Müllermilch nach der fristlosen Kündigung auf 500.000 Euro Schadenersatz, die Molkerei  wiederum verklagte Bohlen auf 900.000 Euro wegen geschäftsschädigenden Verhaltens  – am Ende einigte man sich doch irgendwie außergerichtlich. In dieser hoch Bohlitischen Angelegenheit jedenfalls zog Dieter den Kürzeren.

Auch der Technik-Handel Makromarkt beendete die Zusammenarbeit mit seinem vermeintlichen Werbestar. Der Spot, zugegeben wenig einfallsreich, schien dennoch seinen Zweck erfüllt zu haben. Umso überraschender, dass der Elektonik-Fachhandel auf eine weitere Werbekampagne verzichtete. "Die Ziele, die wir mit der Zusammenarbeit mit Dieter Bohlen verfolgt haben, wurden vorzeitig erreicht. Die Kampagne war so erfolgreich, dass wir uns jetzt schon die Gage für Herrn Bohlen sparen können", hieß es damals von Makromarkt.

Eigentlich war die jüngste DSDS-Staffel eins zu eins austauschbar mit jeder vorherigen. Nur ein Detail war anders. Statt der gewohnten quietschebunten Sackos oder glitzernder Ed Hardy-Klamotten, trug Bohlen auffällig oft Polo-Shirts der Textil-Marke Camp David. Wilde Spekulationen um Schleichwerbung dürften sich dann spätestens nach einem Blick auf die Homepage von Camp David geklärt haben.  Ergebnis: Bohlen hat dieses Arrangement zu einem passablen Erscheinungsbild verholfen und der Marke zu einem deutlichen Popularitätsanstieg, offenbar ein erfolgreicher Deal.
2003 schlüpfte er noch in die Kollektion von s.Oliver, "weil gutes Aussehen einfach zum Erfolg dazu gehört." Marken-Maskottchen Bohlen sollte die Zielgruppe dazu animieren, Shirts mit dem Aufdruck "talentfrei" oder "Take me tonight" zu kaufen.
Dieter Bohlen wirbt nach eigenen Angaben nur für Produkte, hinter denen er steht. Dass er ausgerechnet für den Mobilfunkanbieter O2 bereitwillig wirbt, ist wenig verwunderlich, gibt er doch öffentlich zu, seit Jahren umsonst bei O2 zu telefonieren, dabei fallen angeblich auch schon mal Rechnungen von bis zu 12.000 Euro einfach unter den Tisch. Sicherlich alles nur üble Nachrede…

O2-Werbung mit Bohlen
Ungewohnt nachhaltig kam der Mann mit dem Ferrari im letzten Jahr plötzlich daher. "Ich bin heute Besitzer von null Autos. Ich bin unterwegs mit Bahn, Moped und Fahrrad", dieses zugegebenermaßen überraschende Statement gab Bohlen im letzten Jahr ab, angeblich, weil man sparsamer und ökologischer denken muss. Wohl kaum ein Zufall, dass Bohlen gleichzeitig Werbeträger für die Deutsche Bahn war.

Bohlen als Bahn-Mann
Die Liste der Werbepartner Bohlens ist lang. VHV, der Internet-Videorecorder Save TV, der Nobel-Uhrenhersteller Carucci, Becel Pro Activ, und sein eigenes Parfum Provocation. Man kann vom Musiker/ Werbegesicht/ Produzent Dieter Bohlen halten, was man will: Die bohlensche Verkaufsart scheint anzukommen. Provokant, plakativ und immer etwas prollig, das ist vielleicht nicht jedermanns Geschmack, dennoch mit seinen unzähligen Werbepartnern hat er sogar schon Ex-Frau und Spinat-Ikone Verona Pooth überholt.

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