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Der Infokrieg um Wikileaks

Die Whistleblower-Plattform Wikileaks liefert sich mit dem bekannten US-Hacker Adrian Lamo derzeit eine Art Infokrieg. Beide Seiten versuchen, die jeweils andere mit Gerüchten auf teilweise selbst erstellten Websites zu diskreditieren. Hintergrund: Lamo hat den Informanten verraten, der Wikileaks das geheime Video über einen US-Angriff im Irak zugespielt hat, bei dem Zivilisten getötet wurden. Dem Informanten drohen nun über 50 Jahre Haft.

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Das erschütternde Video wurde im April 2010 von Wikileaks unter dem Titel “Collateral Murder” veröffentlicht und machte weltweit Schlagzeilen. Zugespielt wurde das Video Wikileaks offenbar von dem US-Militäranalysten Bradley Manning. Der wiederum vertraute sich in einem Chat dem Hacker Adrian Lamo an, der Manning daraufhin bei den Behörden anzeigte.

Manning wird in den USA nun wegen Geheimnisverrats angeklagt. Ihm drohen bis zu 52 Jahre Gefängnis. Dabei geht es nicht nur um das bereits veröffentlichte Videos, sondern um zahlreiche weitere Geheimdokumente, die Manning an Wikileaks weitergereicht haben soll, die aber bisher noch weitgehend unveröffentlicht sind.

Soviel zur Vorgeschichte. Hinter den Kulissen ist nun ein inoffizieller Infokrieg zwischen Wikileaks sowie Adrian Lamo und seinen Unterstützern ausgebrochen. Lamo wird vom US-Blog Gawker als “One-Person PR-Shop” bezeichnet. Er betreibt bei Formspring.me unter dem sinnigen Spitznamen "disinformation" eine Frage-Antwort-Seite, twittert eifrig in eigener Sache, hat eine Facebook-Unterstützer-Seite und gibt eigene Pressemitteilungen heraus. Als das Online-Magazin Salon.com einen kritischen Artikel über ihn veröffentlichte, schrieb Lamo eine lange Replik, die er über die Seite Cryptome.org, eine weniger bekannte Konkurrenz-Organisation zu Wikileaks, veröffentlichte.

Lamo gab auch schon ein Interview, in denen er behauptete, Wikileaks, habe ihn selbst als Quelle verraten. Lamos bizarrer Grund für die Anschuldigung: Er hat seine eigene Chat-Unterhaltung mit Bradley Manning an Wikileaks gesendet. Als das Chat-Protokoll später bei dem Weblog Boing Boing veröffentlicht wurde, beschuldigte Lamo Wikileaks des Informanten-Verrats.

Aber die Wikileaks-Seite mit ihrem undurchsichtigen Vordenker Julian Assange spielt das seltsame Spiel offenbar auch mit. So soll aus dem Umfeld von Wikileaks ein Chat-Protokoll durchgestochen worden sein, aus dem hervorgeht, dass Lamo Drogenprobleme hat. Der Redakteur Kevin Poulsen des US-Magazins Wired, soll wiederum Hinweise auf die Drogenprobleme Lamos aus einem Web-Profil entfernt habe. Poulsen ist jener Wired-Redakteur, der die Enttarnung von Manning durch Adrian Lamo exklusiv vermeldet hatte. Ihm werden ausgezeichnete Kontakte zu Lamo nachgesagt.

Auch sind online hastig aufgezogene Instant-Weblogs aufgetaucht, die die Glaubwürdigkeit von Lamo angreifen. Der Macher eines dieser Blogs hat sich den bezeichnenden Spitznamen “dirtyfilthy” gegeben.

Das Ganze ist ein Labyrinth aus veröffentlichten Chat-Protokollen, Online-Anschuldigungen, gefakten Facebook-Konversationen, Twitter-Gerüchten und Propaganda-Blogs. Man könnte den Eindruck gewinnen, das sowohl auf der Seite von Adrian Lamo als auch bei Wikileaks Leute mit auffälligen Persönlichkeitsstrukturen agieren. Mit Sicherheit echt sind in dieser Geschichte nur zwei Dinge: Das “Collateral Murder”-Video und der nun stattfindende Prozess gegen Bradley Manning.

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