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Bilanz: Die Verlierer der Weltmeisterschaft

Der große WM-Gewinner ist der neue deutsche Fußball unter der Regie von Joachim Löw. Neben den DFB-Überfliegern produzierte das Turnier auch Verlierer. So konnte Katrin Müller-Hohenstein die Vorschuss-Lorbeeren nicht bestätigen, weil sie ständig mit kleinen Aufregern zu kämpfen hatte. Auch Oli Kahn erfüllte die Erwartungen nicht, genauso wie es der Bildregie nicht gelang, die Duelle in ihrer ganzen Emotionalität einzufangen. Weitere Verlierer: Michael Ballack, Theo Zwanziger und Jürgen Klinsmann.

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Oliver Kahn
Mit seiner stets todernsten Mimik wäre der Torwart-Titan bei jeder Bibel-Aufführung die ideale Hiob-Besetzung. Das Verkniffene ist das sichtbare Zeichen Kahns extremer Konzentration. Wie früher im Tor kämpft sich der Ex-Profi durch seine Moderationen. Ihm fehlt es an der nötigen Leichtigkeit, mit der beispielsweise sein alter Mannschaftskollege und jetziger Moderations-Rivale Mehmet Scholl im Übermaß gesegnet ist. Das Ernste wäre fast noch entschuldbar, wenn der TV-Novize zudem nicht immer so viele Allgemeinplätze und Phrasen von sich geben würde. Allerdings bekommt er von seiner Partnerin auch nur wenige Hilfe. Denn…

Katrin Müller-Hohenstein
….hat bei dieser WM genug mit sich selbst zu tun. Angereist war die ZDF-Sportjournalistin, um als Star-Reporterin wieder heimzukehren. Dieser Plan ist misslungen. Ihre Moderationsleistung und ihr großer Vorteil, als einzige Prime-Time-Frau die Nationalmannschaft präsentieren zu dürfen, konnte sie nicht nutzen. Denn die beiden kleinen Aufreger um ihr Werbeengagement für die Molkerei Weihenstephan und den "inneren Reichsparteitag" überschatten ihre Arbeit hinter dem Mikrofon.

Die TV-Zuschauer
Die daheim gebliebenen Zuschauer vor den Empfangsgeräten wurden bei der Weltmeisterschaft in Südafrika gleich doppelt auf die Probe gestellt. Zum einem zum Turnier-Beginn, durch das nervige Dauergetröte der Vuvuzelas. Erst nach massiven Protesten erklärte sich die FIFA und deren TV-Bilderproduzent Host Broadcast Services (HBS) bereit, diverse Tonfilter vorzuschalten. Das Vuvuzela-Problem hätte die Veranstalter nicht überraschen dürfen, denn jeder, der bereits eine Afrikameisterschaft am Fernseher verfolgte, kennt den charakteristischen Soundteppich.
Zum anderen wurden die TV-Zuschauer, wie schon bei der EM vor zwei Jahren, auch in Südafrika wieder Opfer einer suboptimalen Bildregie. Durch den übermäßigen Einsatz der Bildtotalen und wenigen Publikums-Schwenks entstand ein recht emotionsloser Eindruck der Partien. Besonders nervig: Zeigte die Kamera einmal ein paar Fans, entdeckten diese sich sofort auf der Stadionleinwand und fingen wie wild an zu winken. Zudem hält sich das Gerücht, dass die FIFA mit Hilfe der Bildregie oftmals die Zuschauer-Lücken in den angeblich gut gefüllten Stadien verstecken wollte.

Jürgen Klinsmann
Auch Klinsmann verlor gleich doppelt. Der Ruhm als Macher des Sommermärchens 2006 verblasst unter dem Eindruck, dass Joachim Löw als Mastermind des Wintermärchens 2010 der bessere Trainer ist. Sein fehlendes Fachwissen konnte Klinsmann dann gleich noch einmal bei RTL als Co-Kommentator unter Beweis stellen.

Mario Gomez
Eigentlich müsste es unmöglich sein, bei den furiosen Auftritten der Nationalmannschaft als Verlierer nach Hause zu fliegen. Stürmer Mario Gomez gelingt jedoch genau dieses Kunststück. Durfte er einmal spielen, ging er ohne Fortune, Kampfkraft und Siegeswillen zu Werke. In dieser Form muss er direkt um seine Karriere im DFB-Team fürchten. Für seinen Markt- und Werbewert war die WM eine Katastrophe.

Michael Ballack
Innerhalb der DFB-Auswahl muss Michael Ballack als großer Verlierer eingestuft werden. Ohne den "Capitano" spielte das Team besser und schneller. Die Folge: Lahm will die Kapitänsbinde nicht mehr hergeben und Schweinsteiger wird auf den Titel des "emotionalen Leaders" nicht mehr verzichten wollen. Eigentlich ist für Ballack im Team 2010 kein Platz mehr.

Theo Zwanziger
Vor der WM war klar: Der Vertrag mit Mediendirektor Harald Stenger wird nicht verlängert und Joachim Löw muss sich kräftig strecken, damit auch er ein neues Arbeitspapier vom Deutschen Fußballbund bekommt. Vier Wochen später muss sich der DFB-Präsident via Spiegel-Story fragen lassen, was er überhaupt in Südafrika gemacht hat? Löw verhandelt längst aus einer Position der extremen Stärke heraus über einen neuen Kontrakt und für Stenger setzten sich fast alle am Kap versammelten Journalisten in einem Brief an Zwanziger ein.

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