Zeitungsmarkt Berlin: Bild nur auf Platz 6

Kein anderer deutscher Zeitungsmarkt ist so umkämpft wie der der Hauptstadt. Allein fünf Lokalzeitungen kämpfen um Käufer, dazu kommen die Überregionalen, einige davon mit Berlin-Ausgaben. Doch in kaum einer anderen deutschen Metropole werden trotzdem so wenige Zeitungen pro Einwohner verkauft. MEEDIA hat die aktuellen Daten der IVW-Verbreitungsanalyse Tageszeitungen ausgewertet und präsentiert das Ranking der 20 meistverkauften Zeitungen in Berlin.

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Die Verbreitungsanalyse Tageszeitungen der IVW erscheint alle zwei Jahre und bietet detaillierte Verkaufszahlen fast aller deutschen Blätter bis auf die einzelnen Gemeinden heruntergerechnet. Die IVW-VA bietet damit hochinteressante Daten für jeden Zeitungsmarkt der Republik. Für diese detaillierte Analyse melden alle teilnehmenden Verlage für eine Messwoche – diesmal war das die vom 9. bis 15. November 2009 – ihre nach Gemeinden aufgeschlüsselten Verkaufszahlen an die IVW. Dort werden die gemeldeten Zahlen dann auf das aktuelle Quartal – in diesem Fall das erste Quartal 2010 – hochgerechnet.

Für Berlin zeigt die Verbreitungsanalyse 2010 folgendes Bild: Boulevardblatt B.Z. führt den Markt mit werktäglich verkauften 150.889 Exemplaren weiterhin relativ klar an. Im Vergleich zur IVW-VA 2008 gingen zwar 8,5% der Verkäufe in Berlin abhanden, da aber auch die Berliner Zeitung (-9,5%) und die Berliner Morgenpost (-8,3%) auf ähnlichem Niveau verloren, bleibt der Vorsprung der B.Z. deutlich.

Auf den Rängen 4 und 5 folgen Der Tagesspiegel mit 111.217 Verkäufen, sowie der Berliner Kurier mit 85.378. Der Tagesspiegel verlor im Vergleich zu 2008 nur 6,3% und kommt der Berliner Morgenpost damit gefährlich nahe. Bei gleichbleibender Tendenz dürfte Der Tagesspiegel in der nächsten Verbreitungsanalyse in zwei Jahren den dritten Platz erobert haben. Der Berliner Kurier ist unter den fünf Berliner Blättern hingegen der größte prozentuale Verlierer – mit einem Käuferschwund von 12,3% im Vergleich zu 2008. Die lokalste der fünf Zeitungen ist im Übrigen die Berliner Morgenpost. Sie verkauft 90% ihrer Exemplare in der Heimat Berlin. Beim Tagesspiegel sind es 89%, bei der B.Z. 88%, bei der Berliner Zeitung 86% und beim Berliner Kurier 78%. 

Eine klare Niederlage muss die Bild in Berlin erdulden. Sie findet sich mit 52.384 verkauften Zeitungen nur auf dem sechsten Rang, klar hinter den Boulevard-Konkurrenten B.Z. und Berliner Kurier. Immerhin liegt sie aber deutlich vor den überregionalen Abonnementzeitungen. Hier führt das Duo Welt / Welt kompakt, wobei der Großteil der Verkäufe durch den kleinen Bruder Welt kompakt zustande kommt. Dahinter folgt mit 21.766 werktäglichen Käufern die F.A.Z., vor der Süddeutschen mit 17.675 und dem Neuen Deutschland, das mit 11.249 Käufern in Berlin erfolgreicher ist als Handelsblatt, Financial Times Deutschland, taz und Frankfurter Rundschau. Die taz gehört im Übrigen zu den wenigen Gewinnern in Berlin: mit einem Plus von 3,3% im Vergleich zu 2008.

Ab Platz 15 folgen dann weitere Regionalzeitungen, die ihren Sitz nicht in Berlin haben, dort aber auch nennenswerte Käuferzahlen aufweisen. So setzt die Hamburger Morgenpost in Berlin 1.235 Exemplare pro Werktag ab – womöglich viele davon an Hamburg-Berlin-Pendler.

Obwohl so viele verschiedene Zeitungen um die Berliner Käufer kämpfen, ergibt sich insgesamt aber ein recht ernüchterndes Bild. So werden in der Hauptstadt insgesamt nur etwa 760.000 Zeitungen pro Werktag abgesetzt. Auf den ersten Blick ist das zwar durchaus eine stolze Zahl, doch auf die Einwohnerzahl von 3,398 Mio. umgerechnet werden pro 100 Einwohner nur 22 Zeitungen verkauft. Für einen solch umkämpften Markt eine geringe Zahl. Zum Vergleich: In München und Frankfurt/Main, ebenfalls Märkte mit vielen lokalen und regionalen Mitbewerbern, liegen die Raten bei 34 Zeitungen pro 100 Einwohner (München), bzw. 32 pro 100 Einwohner (Frankfurt). Unter den fünf größten Städten Deutschlands liegen einzig Hamburg und Köln mit jeweils 24 verkauften Zeitungen pro 100 Einwohner in etwa auf Berlin-Niveau – dort finden aber auf dem Regionalzeitungsmarkt kein großer Wettbewerb statt.

MEEDIA wird in den kommenden Tagen weitere Auswertungen der IVW-VA für die größten deutschen Ballungsräume veröffentlichen – als nächstes für die zweitgrößte Stadt Deutschlands, Hamburg.

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