Wolfram Weimers „ödipaler Kick“

Wolfram Weimer gab seinen Einstand als Focus-Chef. Er versprach einen Fußballverein zu gründen, in dem Väter gegen Söhne spielen - ein "ödipaler Kick". Sein Noch-Co-Chef Markwort verabschiedet sich zum Theaterspielen, ließ kurz vorher aber nochmal die alte Focus-Manie mit der Ärzte-Liste aufblitzen. Die FAZ lobte den künftigen SZ-Chef Kurt Kister derart über den grünen Klee, dass man glatt meint, man liest das falsche Blatt und WAZ-Mann Christian Nienhaus kamen auf dem Medienforum NRW große Fische in die Quere.

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In dieser Woche feierte der neue Focus-Chefredakteur Wolfram Weimer endlich seinen Einstand in der Münchner Redaktion. Es gab sein Angriffs-, äh, Antrittsinterview in der Frankfurter Rundschau und hat in dem langjährigen Markwort-Vize Uli Baur einen neuen Duz-Freund gefunden. Privat wird Weimer am gediegenen Tegernsee wohnen, verriet er Burda-intern. Da lässt sich die "Stimme der bürgerlichen Vernunft", die Weimer erklärtermaßen mit dem Focus ertönen lassen will, gewiss trefflich ölen. Was er sonst noch vor hat: Weimer will einen Fußballverein gründen, in dem Väter gegen Söhne spielen. Das hat er in Berlin auch schon gemacht. "Wer sich für ,den Kick mit ödipaler Note’ interessiert, kann sich bei mir melden“, sagte Weimer.

Während sich Wolfram Weimer in München und am Tegernsee schon auf den Schweinsbraten freut, spielt sein Fast-Schon-Nachfolger und Bald-Nur-Noch-Herausgeber Helmut Markwort im fernen Frankfurt im "Jedermann" Theater. Quasi als letzten Abschiedsgruß des alten Focus platzierte er in dieser Woche noch einmal eine der legendären Ärzte-Listen (Thema: Krebs) auf dem Cover des Münchner Magazins. Old-School-Focus pur. Mal, was sich der Neue nächste Woche einfallen lässt.

Noch ein wichtiger Chefredakteurswechsel steht in München bevor – aber erst Ende des Jahres. Dann beerbt Kurt Kister den scheidenden Süddeutsche-Chefredakteur Hans-Werner Kilz. Lange Zeit sah es nach einer Doppelspitze für die SZ aus, jetzt darf Kilz alleine das Kommando übernehmen. An Vorschusslorbeeren mangelt es nicht. Ausgerechnet FAS-Ober-Feuilletonist Claudius Seidl lobte Kisters Qualitäten in der FAZ derart euphorisch (lustig, modern, guter Schreiber, versteht viel von Politik, "Raketen-Kister" etc.), dass man liebsten gleich die ganze FAZ weggeschmissen hätte, um zum Kiosk zu rennen und sich die SZ zu kaufen. Seidl war früher lange Zeit bei der Süddeutschen. Man schätzt sich offenbar noch sehr.

Adel verpflichtet – zum Kauf. Die Schweden-Hochzeit zwischen Kronprinzessin Victoria und ihrem Landei sorgte bei Deutschlands People- und Yellow-Gazetten mit Adels-Kompetenz für erhöhten Pulsschlag. Laut vorläufigen Grossozahlen machte Gala ein Plus von 17 Prozent beim Einzelverkauf, Bunte freut sich über ein Plus von 25 Prozent und Frau im Spiegel darf sogar mit 28 Zuwachs bei der Hochzeits-Ausgabe rechnen. Und jetzt will der Monegassen-Fürst Albert auch noch seine Charlene ehelichen – die deutsche Blaublüter-Presse ist im siebten Auflagen-Himmel.

WAZ-Geschäftsführer Christian Nienhaus war bisher eher bekannt für gnadenloses Kosten-Management und weniger für ausgreifende Grundsatzreden. Das wollte der WAZ-Mann jetzt offenbar ändern und hielt auf dem Zeitungskongress des Medienforums NRW eine Grundsatzrede Pro-Print. Inhaltlich gab es wenig Neues, dafür ein ganz lustiges Sprachbild. Google und die Öffentlich-Rechtlichen bezeichnete Nienhaus als "große Fische", die den Verlegern nun in die Quere kämen. Jaja, das Medien-Business ist ein großer Teich mit vielen tollen Hechten. Und wer die dicken Fische nicht an der Angel hat, dem kommen sie eben in die Quere.
Update: Eine Sprecherin des Focus Verlags hat zu Recht darauf hingewiesen, dass hier ein Fehler gemacht wurde. Helmut Markwort spielt aktuell in Frankfurt Theater, nicht wie früher in Darmstadt. Das wurde nun im obigen Text korrigiert. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen. Wer Helmut Markwort im "Jedermann" in Frankfurt sehen möchte, hier die Daten: Vom 16. bis 27. Juli täglich Open Air des Frankfurter Volkstheaters vor dem Frankfurter Dom. Zwei weitere Vorstellungen am 30. Juli und 1. August auf der Burg Königstein.

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