Gratis-Werbung: Firmenchef narrt ARD/ZDF

Peinlicher Auftritt: Nach dem WM-Spiel Argentinien gegen Deutschland schaltete das ZDF zur Fanmeile nach Berlin. Groß im Bild war ein Fan, der ein Schild mit der Zeichenschrift "Eye love Deutschland" in die Kamera hielt. Der vermeintlich Unbekannte wurde vom ZDF-Team zum Spiel befragt, jedoch bereits zum zweiten Mal. Auch die ARD-Kollegen holten den Groupie vor die Linse. Das Problem: der Schildträger ist Besitzer des Labels "Eye-love". Schnell kamen im Web erste Schleichwerbe-Vorwürfe auf.

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Roland Meyer schrieb kurzerhand auf seinem Blog die Frage, ob es sich bei dem bereits zum zweiten Mal geschickt platzierten Product Placement nicht um Schleichwerbung handelt. "Ich hoffe doch mal, dass das ein Zufall war. Es erscheint mir aber sehr komisch, dass ‚zufällig‘ zwei mal derselbe Fan interviewt wird. Da laufen doch noch mehr Leute rum… Mir scheint es fast so, als würde hier eine Marke im TV etabliert werden. Aber so etwas würde das gebührenfinanzierte Fernsehen sich doch nicht schon wieder erlauben!?", so Meyer.
Auch Thomas Knüwer postete in seinem Blog die "WM-Schleichwerbepanne bei ARD und ZDF", die er als "höchst peinlich" kommentierte. Der Auftritt des "Pseudo-Fans" habe so authentisch gewirkt "wie die Laienspielschar der Landfrauen Ottmarsbocholt-Kattenvenne".
Hinter dem Schildträger steckt der Unternehmer Raffaello Kramm, dem das Label Eye-love gehört. Geschäftsidee: Die Firma druckt das Logo mit dem Auge und dem Herz auf T-Shirts und Tassen und verkauft diese. Auf Anfrage von MEEDIA sagte Kramm: "Die Vorwürfe sind eine absolute Frechheit. An den Behauptungen ist nichts dran." Eine nachvollziehbare Erklärung, wie er es gleich drei Mal schaffte, zur besten Sendezeit prominent im öffentlich-rechtlichen TV aufzutauchen, blieb er allerdings schuldig und gab lediglich an, dies sei "Zufall" gewesen. Kurios, wenn auch bei Schalten zu Zuschauerfesten nicht unüblich, ist die Tatsache, dass der Moderator Kramm in der Gesprächssituation sogar mit seinem Vornamen ansprach.
Auch bei den Öffentlich-Rechtlichen streitet man jeden Verdacht einer Inszenierung  ab. Vom ZDF hieß es, dass an den Vorwürfen nichts dran sei, auch die ARD pflichtete dem bei. In einer identischen Stellungnahme der beiden Sendeanstalten hieß es: "Die für die Schalten zum FIFA Fan-Fest in Berlin innerhalb unserer WM Live-Übertragungen verantwortlichen Kollegen hielten den Träger des Plakats mit dem Auge-Herz-Logo für einen normalen deutschen Fan, der sich nur eine spezielle Variante für sein Deutschland-Plakat überlegt hatte. Als Interviewpartner schien er geeignet, da er eloquent war und begeistert gesungen und getanzt hat. Sowohl bei der ARD als auch beim ZDF ist es ihm gelungen, sich zentral in der ersten Reihe direkt hinter der Moderationsposition zu platzieren und sich aufgrund seiner Aktivität als Gesprächspartner zu empfehlen. Dies war von ARD und ZDF weder gefördert noch bewusst gesteuert."

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