Demand-Media-Klon: Wiegehtdas.tv

Mit dem sogenannten User Generated Content kennt sich Andre Zalbertus aus: Er hat mit billig produziertem Inhalt von Bürgerreportern seine Lokalsender-Kette Center.tv aufgebaut. Jetzt hat sich der Medienunternehmer die Inhalte-Industrie im Internet vorgenommen. Dazu kopiert Zalbertus den Videobereich eHow.com der US-Erfolgsplattform Demand Media und nennt sie – wenig überraschend: Wiegehtdas.tv. Der Dienst produziert passende Inhalte für Suchbegriffe, die bei Google besonders gefragt sind.

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Was gezeigt wird, entscheiden Anfragen bei Suchmaschinen. Zu den entsprechenden Themen erstellen freie Mitarbeiter dann kurze Artikel oder Filmchen. Erste User klären in selbstproduzierten Erklärvideos Fragen wie "Wie sattel ich mein Pferd?", "Wie wasche ich mir richtig die Hände?" oder "Wie liest man eine Zeitung?". Gezeigt wird auch, wie man sich die Schuhe bindet, wobei das Außergewöhnlichste daran die Einstufung "Schwierigkeitsgrad: mittel" ist.

16 Kategorien hat der bisher recht übersichtlich wirkende Ratgeber-Bereich, darunter auch seltsame Rubriken wie "Dies & Das" oder "Deutschland". Dazu gibt es jeweils kurze Texte und Videos, die einfache Antworten auf einfache Fragen geben wollen. Zudem können User gezielt Fragen stellen. Die halten sich bisher allerdings noch zurück: in 14 Tagen gab es erst sieben Fragen.

Die "virtuelle Fabrik", wie Seitenbetreiber Andre Zalbertus sie selbst nennt, soll sich über Google-Anzeigen finanzieren: Ein Algorithmus ermittelt anhand von Anfragen bei Suchmaschinen, welche Themen wie viel Umsatz durch Google-Werbung einbringen. Danach vergibt das Unternehmen Aufträge an freie Schreiber und VJs.
Dazu müssen sich User bei der "Ratgeber-Community" anmelden, wobei die "besten Experten in allen Themengebieten" die Möglichkeit haben sollen, "mit ihrem Wissen und ihren Erfahrungen Geld zu verdienen". Diesen "engagierten Experten" verspricht das Unternehmen zwar "attraktive Verdienstmöglichkeiten", allerdings ist das US-Original Demand Media immer wieder mit dem Vorwurf von Dumpinglöhnen konfrontiert. Vor Veröffentlichung werden Texte und Videos von einem Team geprüft.
Manch einer sieht in der suchmaschinengesteuerten Themenauswahl bereits das Ende des Journalismus. Der wird zwar vorerst wohl nicht durch Ratgeber-Tipps wie "Wie parke ich ein Auto rückwärts in eine Parklücke" gefährdet. Allerdings versorgt das 2006 gegründete US-Vorbild Demand Media mittlerweile sogar Tageszeitungen mit Texten und Videos. Insgesamt schreiben dort 7.000 freie Autoren für die Text-Fabrik, die angeblich 200 Millionen Dollar jährlich umsetzen soll.
So könnte denn auch das eigentliche Kalkül von Zalbertus und seinem Geschäftspartner Veit Siegenheim sein: den Klon so bald wie möglich meistbietend an das US-Original verkaufen. Das wäre wohl auch für Demand Media eine relativ kostengünstige Möglichkeit, ohne Konkurrenzkämpfe und langwierige Rechtsstreitigkeiten auf den deutschen Markt zu expandieren. Eine Strategie, mit der andere deutsche Web-Kopisten schon viel Geld verdient haben.

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