Gericht lehnt Kachelmann-Haftbeschwerde ab

Nach den Medienberichten der vergangenen Wochen ist dies eine Überraschung: Das Landgericht Mannheim hat am Donnerstagmorgen entschieden, dass der ARD-Wettermoderator Jörg Kachelmann weiter in U-Haft bleibt. Eine Haftbeschwerde seiner Anwälte wurde abgelehnt. Tenor: die Aussage der Ex-Lebensgefährtin des Moderators, die erklärt hatte, von dem 51-Jährigen vergewaltigt worden zu sein, sei glaubhaft. Kachelmanns Anwalt sieht in der Fortdauer der Haft einen "Justizskandal".

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Nach Überzeugung der Kammer ist Kachelmann dringend verdächtig, sich der "besonders schweren Vergewaltigung" und der gefährlichen Körperverletzung schuldig gemacht zu haben. Nach Aktenlage seien keine Anhaltspunkte vorhanden, die auf einen minderschweren Fall hindeuteten. Aufgrund der bei Vergewaltigung in einem schweren Fall geltenden Mindestrafe von fünf Jahren Haft sei die Untersuchungshaft  gerechtfertigt. Das Gericht wies explizit darauf hin, dass es  die Aussage des mutmaßlichen Opfers zur Tat sowie zum Geschehen vor und nach der Tat nach Aktenlage für "glaubhaft" halte. Demgegenüber seien die Einlassungen Kachelmanns zum Tatabend, zur Art der Beziehung und zum Bild seiner Persönlichkeit hingegen "wenig plausibel".
Eine detail- und kenntnisreiche Spiegel-Titelgeschichte sowie ein mehrseitiges Dossier in der Zeit der vergangenen Woche hatten das Bild einer eher gegensätzlichen Akten- und Ermittlungslage gezeichnet. Danach gebe es aufgrund mehrerer Gutachten, die zum Teil von der Staatsanwaltschaft selbst in Auftrag gegeben worden waren, erhebliche Zweifel an der Darstellung des mutmaßlichen Opfers. Die aussagepsychologische Sachverständige Luise Greuel, eine Bremer Professorin, sei zu dem Ergebnis gekommen, dass an die Schilderungen der 37-jährigen Zeugin massive Widersprüche enthielten. Auch eine absichtliche Falschbelastung sei nicht auszuschließen. Zudem war bekannt geworden, dass das mutmaßliche Opfer in mindestens zwei Punkten die Unwahrheit gesagt hatte. Auch die rechtsmedizinische Beweislage sei verworren und kein Indiz, dass eine Vergewaltigung stattgefunden habe.
Kachelmanns Anwalt Reinhard Birkenstock hatte seine am 29. Juni eingereichte Haftbeschwerde so begründet: "Die Verteidigung sieht den Freiheitsanspruch ihres Mandanten auf skandalöse Weise missachtet. Sie hat dringenden Anlass zu der Befürchtung, die Mannheimer Justiz schütze durch die Aufrechterhaltung des
Haftbefehls gegen Herrn Kachelmann die Täterin einer Falschbeschuldigung – während über Verlautbarungen der Staatsanwaltschaft fortgesetzt verbreitet wird, sie sei das Opfer einer Vergewaltigung."
Kachelmann wird vorgeworfen, im Februar vor der Abreise zu den Olympischen Spielen in Vancouver seine Lebensgefährtin nach einem Streit mit einem Messer bedroht und anschließend vergewaltigt zu haben. Am 20. März wurde er am Frankfurter Flughafen verhaftet. Der Haftbeschwerde stattgeben könnte nun nur noch das Oberlandesgericht Karlsruhe.

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