„Blow Job“-Posting: Google kündigt Gutjahr

"Sie haben drei Werktage Zeit, gutjahr.biz zu ändern." Dieses Ultimatum fand Journalist Richard Gutjahr vor zwei Tagen in seinem Posteingang. Der Absender ist niemand Geringerer als Googles Werbedienst AdSense. Stein des Anstoßes ist ein angeblich jugendgefährdender Blogpost über eine Künstlergruppe, die sich gegen Apples Porno-Zensur wehren. "Ich werde meinen Blogpost nicht löschen. Wie Burda so schön sagen würde: Auf die paar lousy Pennies bin ich auch nicht angewiesen", so Gutjahr.

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In dem angeblich jugendgefährdenden Blogpost vom 10. Juni dieses Jahres geht es in der Tat um Pornos – zumindest indirekt. Richard Gutjahr traf sich gemeinsam mit seinem Journalistenkollegen Marcus Schuler mit drei Künstlern, die mit Plakaten gegen die Zensur des Software-Riesen Apple vorgegangen sind. Die "Dudes who like porn" haben damit ihrem Ärger darüber Luft gemacht, dass Apple jegliche pornografische Inhalte aus dem iTunes-Store verbannt.

Ein Mal "Blow Job" und acht Mal "porn" ist in dem Blogpost zu lesen. Das war für den automatisierten Google AdSense-Algorhitmus offenbar Grund genug, zu vermuten, dahinter könnte sich pornografischer Inhalt verstecken. Darauf folgte die automatische Abmahnung. Geht es nach Richard Gutjahr, handelt es sich hier um einen Fehler. "Meines Wissens habe ich die AGB von Google AdSense nie verletzt", so Gutjahr. "Jedem können Fehler passieren, die Frage ist nur, wie man als Unternehmen mit solchen Fehlern umgeht."

Google AdSense verlangt nun, den besagten Eintrag binnen drei Werktagen zu löschen, andernfalls werde die Partnerschaft beendet. "Ich unterstelle Google nicht direkt Zensur, ich stelle die Frage, wo fängt Zensur an? Wenn ein Werbepartner derartig Einfluss nimmt auf meine Inhalte, dann ist das schon in entfernter Weise eine Art Zensur."

Das eigentliche Problem an der Geschichte ist nicht, dass Google offensichtlich harmlose Inhalte als jugendgefährdend stigmatisiert, sondern viel mehr, dass man dem automatisierten Abmahnen als Nutzer scheinbar hilflos entgegensteht. Fühlt man sich als Seitenbetreiber zu Unrecht beschuldigt, kann man sich zwar mit dem Support in Verbindung setzen, dies allerdings dürfte, wie bei so vielen Großkonzernen, wenig erfolgreich verlaufen.Wer nicht gerade, wie Richard Gutjahr, den Pressesprecher von Google Deutschland kennt, wartet wohl vergeblich auf eine persönliche Antwort vom Suchmaschinen-Riesen.

Trotz des überraschenden Ultimatums, hält sich der Frust bei Richard Gutjahr in Grenzen. "Man darf die Geschichte nicht größer machen als sie ist. Ich werde es überleben und Google wird es überleben", sagt Gutjahr, "wenn die Ads nach Ablauf des Ultimatums verschwinden, dann ist Google einfach nicht der richtige Partner für mich."

Google AdSense prüft die Qualität seiner Partnerseiten. Ein so genannter Crawler scannt die Inhalte einer Website und platziert passend dazu Werbebanner und Textblöcke auf der Seite. Wer ein Mal bei Google AdSense rausgeflogen ist, kann auf Lebenszeit keine neue Partnerschaft anmelden.

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