Seltsames Lena-Bashing im ORF

Lena erobert ganz Europa im Sturm – nur in unserem Nachbarland Österreich kommt man damit offenbar nicht immer so gut zurecht. Auf Postergröße zurechtstutzen wollte ORF-Moderator Roman Rafreider den deutschen Shootingstar offenbar – und scheiterte mit seinem pseudokritischen Interviewstil dann aber an sich selbst. Lena, die so viel Bissigkeit bislang kaum gewohnt war, reagierte wie gewohnt routiniert nonchalant. Es war nicht das einzige Deutschland-Bashing im ORF in der vergangenen Woche.

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Lena erobert ganz Europa im Sturm – nur in unserem Nachbarland Österreich kommt man damit offenbar nicht immer so gut zurecht. Auf Postergröße zurechtstutzen wollte ORF-Moderator Roman Rafreider den deutschen Shootingstar offenbar – und scheiterte mit seinem pseudokritischen Interviewstil dann aber an sich selbst. Lena, die so viel Bissigkeit bislang kaum gewohnt war, reagierte wie gewohnt routiniert nonchalant. 
Das Lena-Interview wurde im Nachrichtenformat "ZiB 24" ("Zeit im Blick") gesendet. Dem renommierten ORF-Anchor Roman Rafreider muss die Euphorie um den deutschen Shootingstar offenbar schon länger im Magen gelegen haben – so hörte sich zumindest seine bemüht kritische Anmoderation an: „Ist sie das nette Mädel von nebenan und deswegen so phänomenal – mit Betonung auf: Phänomen – oder, etwas unfeiner, das Mädel als Massenware, das gerade von der PR-Maschine ausgebeutet und dann fallen gelassen wird?“ Bedeutungsvolle Pause. „Wenn Deutschland nicht Weltmeister wird, dann hat es noch immer Lena Meyer-Landrut.“ 
Und weiter: „Der sonst so kritische Feuilleton kriegt sich kaum mehr ein“, bemerkt Rafreider verwundert: „Was passiert da gerade?“  Es gilt „die Chronik einer Erscheinung“ zu untersuchen. Lena, die Ende letzter Woche auf Promotiontour in Wien war, sollte offenbar um jeden Preis entzaubert werden.

„Macht es Spaß, Nationalheldin zu sein?“

Der sichtlich angestrengte Dialog entwickelte sich dann so:

Die Anmoderation: "Ich sag jetzt bewusst Lena, weil Sie – habe ich gelesen – Ihren Nachnamen schon aufgegeben haben, jetzt wo die Maschine ins Rollen kommt."
Trockener Konter der 21 Jahre jüngeren Interviewpartnerin: "Er ist nicht aufgegeben – er lebt noch."
Es folgt ein Wortgeplänkel um PR-Manager, die dazu geraten hätten. Lena streitet ab. 
Rafreider lässt nicht locker: „Also, Lena, ich bleibe jetzt mal bei Lena, die Nationalheldin, die Heilsbringerin…verstehen Sie selbst, was da gerade abgeht?“
Lena: „Ich weiß das auf jeden Fall, aber verstehen ist noch mal eine andere Sache.“

Rafreider spielt zum dritten Mal mit seiner Lieblingsklassifizierung: „Macht es Spaß, Nationalheldin zu sein?“
„Schwierig das zu beantworten, weil ich mich nicht als Nationalheldin sehe.“ Erster kritischer Blick.
„Nur die anderen?“
„Nur die anderen.“

„Lena kann keine Bundeskanzlerin werden“

So klingt ein echtes Anti-Interview.  Aber Rafreider hat sich noch nicht genug am schwarz-rot-goldenen Popstar abgearbeitet und konfrontiert die ESC-Gewinnerin mit einer Ansammlung von FAZ-Zitaten. Bemerkenswertester Augenblick des 6-Minuten-Interviews: Lena äfft den ORF-Moderator darauf tatsächlich nach und greift nach seinem Moderations-Waschzettel, den Rafreider zunächst nicht loslassen will – der mehr als doppelt so alte News-Anchor wirkt düpiert.

Allerdings hat der Bregenzer noch einige Pfeile im Köcher und versucht die 19-Jährige, die sich offen dazu bekennt, "Produkt einer PR-Maschine zu sein", bei Fragen nach der Politik („Wie ist das in der Lebenswelt der Lena?“) unbedarft aussehen zu lassen. „Wenn Lena ein halbes Jahr Bundeskanzlerin wäre, was würde sie ändern?“, versucht der ORF-Mann die Oslo-Siegerin aufs Glatteis zu führen. Doch Lena antwortet nur ironisch distanziert in der dritten Person: "Lena kann keine Bundeskanzlerin werden." Wäre das auch geklärt.  

Anchor Rafreider am Pranger: „Furchtbar steif und hölzener Moderator!“

Das ORF-Interview,  das in den deutschen Medien im Hype um die neue Single und kommende Tour vollkommen unterging, wurde in Österreich dagegen kontrovers diskutiert. Die Tageszeitung Die Presse zitiert etwa Journalisten-Kollegen auf der Lena-Pressekonferenzen am nächsten Morgen:  "Gestern die ,ZIB 24‘ gesehen? – Das war Fremdschämen. Sie brachte Moderator Roman Rafreider aus der Fassung", so der Tenor im Wiener Qualitätsmedium.

In den Social Networks geht die Diskussion entsprechend engagiert weiter: "Grundlos aggressiv und inhaltlich völlig überflüssig? Auf jeden Fall. Schön ist jedoch, dass in diesem Clip deutlich wird, dass Lena 50 Mal intelligenter ist als der Moderator", meint ein Nutzer auf YouTube. "Lena schlägt den Medienprofi mit ihrer frischen, natürlichen Art um Längen", meint ein anderer. Oder: "Furchtbar steif und hölzerner Moderator!" Wie auch immer: Eine Sternstunde des ORF-Moderators war das Lena-Interview ganz sicher nicht!

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