Das Geschacher um die Lena-Festspiele

Wohin mit Lena? Bei der Suche nach einem Austragungsort für das Finale 2011 in Deutschland buhlen Städte wie Hannover, Berlin und Köln um den Zuschlag und locken mit Fördermillionen. Dem NDR als ausführendem Sender kann es nur recht sein, angesichts klammer ARD-Kassen die geschätzten 25 Millionen Euro Gesamtkosten nicht alleine tragen zu müssen. Bis Mitte August lässt sich der NDR von interessierten Städten Angebote machen - der "Subventions-Contest" um die Lena-Festspiele hat begonnen.

Anzeige

Lena hat gewonnen, damit ist Deutschland der Ausrichter für den Contest 2011 und damit der NDR der ausführende Sender. Ein ziemlich teurer Sieg. Beim NDR rechnet man mit rund 25 Millionen Euro Gesamtkosten für die ESC-Liveübertragung und die beiden Halbfinals. Damit wäre das Spektakel im kommenden Jahr genau so teuer wie das zurückliegende in Oslo. Wahrscheinlich hätte man sich beim NDR über einen zweiten Platz mehr gefreut: Eine Achtungserfolg für Lena mit einer tollen Platzierung – aber eben ohne die Bürde, den Contest 2011 austragen zu müssen.
Nach Lenas Sieg wurde Pop schnell zum Politikum und führte zu bisweilen seltsamen Stellungnahmen. Nach ihrer Heimkehr nach Hannover sagte Niedersachsens Noch-Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) im landesväterlichen Überschwang: "Es wäre toll, wenn der Song-Contest nächstes Jahr in die Medienstadt Hannover kommt!". Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust (CDU) wollte "alles tun, um ihn in Hamburg möglich zu machen", der Kölner Oberbürgermeister Jürgen Roters (SPD) sagte natürlich: "Köln ist die beste Plattform". Und für Berlins Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) ist ohnehin klar, dass allein die Hauptstadt für den Song-Contest 2011 in Frage kommt. Auch Frankfurt, München, Nürnberg oder Gelsenkirchen hatten Interesse bekundet.

Zu den Lokalpolitikern haben sich inzwischen Standort-Strategen und Wirtschaftsförderer gesellt, die darum buhlen, den größten Schlagerwettbewerb der Welt in ihre Stadt zu holen. Eine entscheidende Rolle wird dabei spielen, wie viele Fördermillionen die jeweiligen Städte bereit sind zu zahlen. "Dabei geht es auch um finanzielle Unterstützung", räumte ein Sprecher des Berliner Senats gegenüber der Financial Times Deutschland ein, und auch aus Hannoveraner Kreisen hieß es an gleicher Stelle, dass Geld eine "tragende Rolle" spiele.

Weil die ARD-Anstalten sparen müssen freut man sich beim NDR über derartige Bemühungen. Bis Ende August sollen die interessierten Städte ihre Konzepte einreichen. Voraussetzung sind dabei eine große, fernsehtaugliche Halle, die für etwa sechs Wochen kostengünstig verfügbar sein muss, sowie eine gute  Verkehrs- und Hotelinfrastruktur, wie eine NDR-Sprecherin sagte. "Nach diesen Kriterien wird die inhaltlich sinnvollste und aus Kostengesichtspunkten günstigste Lösung erarbeitet".

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige