Fünf Gründe, warum G+J 11 Freunde kauft

Vor vielen Jahren versuchte es Gruner + Jahr schon einmal mit einem Sport-Magazin. Das Hochglanzheft mit dem schlichten Titel Sports war ein Kritiker-Erfolg, hatte allerdings das Problem einer recht geringen Auflage und Anzeigenbelegung. Genau diese Charakteristik passt nun auch auf G+Js-Neuerwerbung 11 Freunde. Doch im Gegensatz zu Sports soll diese Zustandsbeschreibung nicht das Ende des Heftes, sondern erst der Anfang einer wunderbaren Zusammenarbeit zwischen Berliner Redaktion und Hamburger Verlag sein.

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Aus Sicht des G+J-Managements ist der Deal aus fünf Gründen sinnvoll:

  1. Das Heft passt ins Verlags-Portfolio. Das "Magazin für Fußball-Kultur" steht für eine hohe journalistische Kompetenz und Qualitätsarbeit. Genau auf diesen Ansatz ist man am Baumwall auch bei seinen eigenen Heften noch immer sehr stolz.
  2. Mit seiner durchaus optischen Opulenz passt 11 Freunde in das Konzept vieler G+J-Hefte. Die Zeitschrift wurde in den letzten Jahren mit Preisen überhäuft, beispielsweise mit einem Lead Award (Platz 2). Damit stellt 11 Freunde auch einen erheblichen Imagegewinn für den Hamburger Verlag dar, ein Faktor, den man auch und gerade bei G+J niemals unterschätzten darf.
  3. Die handelnden Personen können offenbar gut miteinander. Bei der Vorstellung des Deals in der Gruner + Jahr WM-Arena versicherten sich Verlagsgeschäftsführer Volker Breid und 11 Freunde-Chefredakteur Phillipp Köster mehrere Male, wie gut man sich verstehe. Kennen gelernt haben sich die Beiden, als Breid den Gala-Chefredakteur Peter Lewandowski zu einer Heftkritik des Buffer-Magazins in die Hauptstadt begleitete. Die Hamburger haben der Berliner Redaktion offenbar weiterhin alle Freiheit zugesprochen. Den Verlagsmanagern scheint es erst einmal hauptsächlich um die Vermarktung zu gehen.
  4. Denn gerade im Bereich der Vermarktung sehen Breid und seine Kollegen noch immer ein großes Potential. Bislang wurde die Anzeigen-Akquise für 11 Freunde vom Intro-Verlag erledigt. Bei G+J ist man sich jedoch sicher, dass mit den eigenen Verbindungen und Kontakten noch viel mehr Kunden und weit höhere Auftragsvolumina aufgebaut und abgewickelt werden können.
  5. Für die Bertelsmann-Tochter schlägt sich der Zukauf gleich positiv in der Bilanz wieder. Der gesamte Umsatz und Gewinn der Berliner wird bei Gruner + Jahr konsolidiert. Der Start eines eigenen neuen monatlichen Magazins hätte möglicherweise weit mehr gekostet, als man für den 51-Prozent-Anteil an der Fußball-Zeitschrift überweist. Über den Kaufpreis gibt es keine Angaben. Allerdings soll 11 Freunde in diesem Jahr "einen Umsatz in einem ordentlichen einstelligen Millionen-Bereich" machen. Auch der Gewinn ist laut Breid "ordentlich".

Aus der Sicht der Hamburger Verlagsleitung spricht also viel für den Kauf des ehemaligen Fan-Magazins. Warum die 11 Freunde-Macher, Philipp Köster (Chefredakteur) und Herausgeber Matthias Hörstmann, gerade jetzt ihre Garagen-Entwicklung verkaufen, blieb auf der ersten Presseveranstaltung jedoch noch unklar. Köster sprach davon, dass man nun ganz andere Wachstumspotentiale habe. Auf Nachfrage wohin sich denn die Auflage (aktuell: 78.839 Hefte) mit G+J-Unterstützung entwickeln soll, wehrte der Gründer allerdings ab. Er habe keine konkreten Ziele. Vielmehr gehe es um die Vermarktungspotentiale. Dann allerdings hätte es auch eine reine Kooperation mit G+J Media Sales getan.

Gut möglich allerdings, dass Gruner + Jahr den Berlinern die finanziellen Mittel für neue Projekte in Aussicht stellte. Denn mit der Werbe- und Vermarktungspower der Hamburger könnten Köster und Hörstmann Ideen umsetzten, für denen ihnen bislang das Geld fehlte. So oder so. Am Baumwall ist man davon überzeugt, dass der Kauf von 11 Freunde ein Top-Deal ist. Anders als bei Sports, hat man sich diesmal offenbar fest vorgenommen, den Aufsteiger unter den Print-Heften in der ersten Kiosk-Liga zu etablieren.

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