„Medien haben hervorragende Perspektiven“

Beim Medienforum NRW in Köln hat Bertelsmann-Vorstandschef Hartmut Ostrowski als Gastredner eine Standortbestimmung der Branche vorgenommen. Im Vorfeld des 175-jährigen Konzern-Jubiläums in dieser Woche war dies dann eine engagierte Rede zur Lage der Mediennation. Der CEO erklärte, dass die "Medienbranche insgesamt sicherer durch das vergangene Krisenjahr gesteuert ist als viele andere Industrien" und zeigt sich mit Blick auf die Marktlage überzeugt: "Wir haben hervorragende Perspektiven."

Anzeige

Der 52-Jährige verwies darauf, dass Bertelsmann im ersten Quartal 2010 "eines der besten Quartale der Geschichte hingelegt" habe. Das sei gelungen, "weil wir als Branche innerhalb kurzer Zeit die richtigen Antworten gefunden haben". Dabei räumt er ein, dass diese "zuweilen schmerzhaft waren".
Im Fall von Bertelsmann ist es kein Geheimnis, dass der starke Wert des ersten Vierteljahres vor allem auch eine Folge der strikten Kostendisziplin im Unternehmen ist. So hatte der Konzern im Zuge des Krisenmanagements 2009 die jährlichen Ausgaben weltweit um fast eine Milliarde Euro gesenkt. Ostrowski sieht dies langfristig als Schlüsselaufgabe erfolgreichen Medienmanagements: "Wer jetzt nicht anfängt, der Kostenseit eine höhere Bedeutung beizumessen, der wird Probleme bekommen. Wir müssen uns mit neuen Marktrealitäten auseinandersetzen, die nichts mehr mit den fetten 80ern und 90ern zu tun haben. Und deshalb sollten wir uns daran gewöhnen, dauerhaft mit einer niedrigeren Kostenbasis zu arbeiten als in der Vergangenheit."
Ostrowski sprach aber nicht nur über die Dimension effizienten Wirtschaftens, sondern forderte auch Nachhaltigkeit beim unternehmerischen Handeln. So sei es ein Trugschluss, dass sich das einseitige Schielen nach dem nächsten Quartalsergebnis, die Hoffnung auf den "Quick Win", langfristig auszahlen werde: "Ich glaube an das Gegenteil. Kontinuierlich handeln bedeutet, Neues aus Bestehendem zu gestalten." Und: "Auf echte Erfolgsgeschichten lohnt es sich manchmal, auch zu warten."
Ein wichtiger Erfolgsfaktor seien motivierte Mitarbeiter: "Das Mediengeschäft lebt von guten Ideen, für die sich möglichst viele Leute interessieren. Einem Unternehmen, das Ideen hat, wird es immer gut gehen. Ein Unterhnehmen, das Geld hat, aber kein e Ideen, ist hingegen bereits tot – weiß es nur noch nicht." Ostrowski erklärte, er betrachte es als eine seiner wesentlichen Aufgaben, im Konzern "Kreativität und Unternehmergeist" gleichermaßen "freizusetzen". Dabei komme es darauf an, als Medienhaus "kreative und professionelle Inhalte" zu schaffen: "Die Menschen lieben kreative Inhalte, die berühren, unterhalten und informieren." Dabei komme es auch darauf an, diese Inhalte auf unterschiedlichen Kanälen verfügbar zu machen, da die neuen "Devices" endgültig den Massenmarkt erreicht hätten: "Die digitalen Alleskönner sind jetzt keine Zukunftsmusik mehr, sondern Tagesgeschäft." Aber auch von diesem Boom könnten die etablierten Medienmarken profitieren, da diese anders als viele Anbieter eine Orientierung böten, bei der sich die Menschen "gut aufgehoben fühlen".
Deshalb sieht Ostrowski auch keinen Grund, den Beitrag der Medien für digitale Vertriebsplattformen unter Wert zu verkaufen. Es komme darauf an, angemessen an den generierten Erlösen zu partizipieren. "Sich per Schnellschuss von einem blank polierten Apfel blenden zu lassen", sagte der CEO wohl mit Blick auf den einen oder anderen Chef deutscher Medienhäuser, "würde da aber genau den Fehler wiederholen, den die Musikindustrie heute bereut."

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige