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Wall Street: Google im Abwärtstrend

Neue Situation für einen Dauer-Überflieger: Im sechsten Jahr an der Börse bläst der Google-Aktie ein kräftiger Gegenwind entgegen. Nicht nur, dass die weltweit führende Internetsuchmaschine nach dem Börsenwert weit gegen Dauer-Rivalen Apple zurückgefallen ist – die Aktie hat den Vergleichs-Index Nasdaq 100 dieses Jahr ganz deutlich underperformt. Angesichts des China-Rückzugs und der Herausforderung im Mobilfunk-Werbemarkt senken Analysten immer öfter den Daumen. Zu Recht?

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Neue Situation für einen Dauer-Überflieger: Im sechsten Jahr an der Börse bläst der Google-Aktie ein kräftiger Gegenwind entgegen. Nicht nur, dass die weltweit führende Internetsuchmaschine nach dem Börsenwert weit gegen Dauer-Rivalen Apple zurückgefallen ist – die Aktie hat den Vergleichs-Index Nasdaq 100 dieses Jahr ganz deutlich underperformt. Angesichts des China-Rückzugs und der Herausforderung im Mobilfunk-Werbemarkt senken Analysten immer öfter den Daumen. Zurecht?

Der Spaß scheint fürs Erste vorbei. Als die seinerzeit bereits hoch gewettete Internetsuchmaschine Google im August 2004 an der New Yorker Technologiebörse debütierte, überraschte das junge US-Unternehmen nicht nur mit einer mit einer ungewöhnlichen Aktienzuteilung (dutch auction), sondern auch mit einem bemerkenswerten Unternehmensmotto: "Don’t be evil".

Dass Google dieses ‚Mission Statement‘ tatsächlich sehr ernst nimmt, hat es gleich zu Jahresbeginn mit dem Rückzug aus China bewiesen. Eine moralisch nachvollziehbare Maßnahme, die die Fantasie der Google-Aktie jedoch nachhaltig beschädigte. ‚Böse‘ sind seitdem nämlich wohl eher die Aktienmärkte zu Anteilseignern: Seit der Ankündigung des China-Rückzugs kennt die Google-Aktie nur noch eine Richtung – seitwärts nach unten.

Getrennte Wege: Apple legt zu, Google fällt zurück

Bei 620 Dollar beendete die Internetsuchmaschine noch das vergangene Jahr. Für nur noch 482 Dollar wechselte Google dagegen am Mittwoch den Besitzer – das entspricht einem krachenden Minus von 22 Prozent im ersten Halbjahr, in dem der Vergleichindex Nasdaq 100 sogar bislang ein Prozent zugelegt hat. Noch bemerkenswerter: Tech-Rivale Apple konnte im selben Zeitraum fast 29 Prozent zugewinnen und Allzeithoch nach Allzeithoch markieren.

Davon scheint Google inzwischen weit, sehr weit entfernt: Bei 747 Dollar wechselten die Anteilsscheine auf der Höhe des letzten Booms vor der Finanzkrise Ende 2007 noch den Besitzer – seitdem hat das noch immer bei weitem wertvollste Internet-Unternehmen mehr als ein Drittel seines Firmenwertes verloren! Mehr noch: Bei einem Börsenwert von 153 Milliarden Dollar liegt Google inzwischen fast unglaubliche 100 Milliarden Dollar hinter Apple!

Mobilfunkmarkt: Nexus One bisher ein Misserfolg

Dabei sahen nicht wenige Technologieexperten Googles mobiles Betriebssystem Android, das im Gegensatz zu Apples geschlossenem System iOS Entwicklern offen steht, langfristig im Vorteil. Und obwohl sich Google mit Android nach Marktanteilen deutlich auf der Überholspur befindet, bleibt zunächst doch das Problem, dass sich die wachsende Verbreitung bisher noch nicht im entsprechenden Maße monetarisieren lässt.

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Während Apple sein iPhone mit jeder neuen Generation zum größeren Bestseller und inzwischen größten Umsatzzweig des Unternehmens steigern kann, fehlt dem Google-Handy Nexus One die Durchschlagskraft. Das erste Google-eigene Smartphone hat mit rund 100.000 Geräten in den ersten zwei Monaten längst nicht die gesteckten Erwartungen erfüllen können und bleibt in der Nutzer-Beliebtheit hinter Vertriebspartnern wie HTC zurück, das gerade mit seinem Evo viel Lob erntet.

Neue Herausforderer: Apple drängt in den mobilen, Facebook in den klassischen Online-Werbemarkt

Doch die mobilen Endgeräte sind am Ende nur ein Nebenschauplatz. Googles Hauptaugenmerk dürfte vielmehr weiter im klassischen, als auch im mobilen Web im Anzeigenmarkt liegen. Hier überraschte Apple jüngst mit der Ankündigung der App-Vermarktungsplattform iAd, gegen deren Geschäftspraxis sich Google gleich bei der FTC beschwerte. Der Schritt unterstreicht, wie nervös der Internet-Platzhirsch geworden zu sein scheint, in seinem ureigensten Terrain herausgefordert zu werden.

Und dann ist da noch das klassische Internet-Anzeigengeschäft, in dem Google langfristig Konkurrenz vom neuen Player Facebook bekommt, der mit aller Macht immer mehr User anzieht – und damit immer mehr vermarktbare Werbefläche. Im März hatte das Social Network Google erstmals nach der Anzahl der Seiten-Besuche (Visits) auf Wochenbasis überholt.

James Cramer: "Google-Aktie jetzt noch verkaufen"

Entsprechend hat sich die Wall Street in den vergangenen Monaten klar positioniert: "Apple und Google führen den Kampf ihres Lebens", wird der renommierte CNBC-Marktkommentator James Cramer martialisch – "aber Google hat nicht mehr den China-Faktor. Ich würde Apple kaufen und aus Google draußen bleiben",  erklärt der aktuell wohl gefragteste Börsenexperte der USA, um dann ein hartes Urteil zu fällen: "Ich würde die Google-Aktie jetzt noch verkaufen."

Andere Marktexperten halten dagegen an der Google-Aktie fest. Der frühere Internataktienanalyst Henry Blodget etwa äußerte vor Jahren die Möglichkeit eines Kursziels von 2000 Dollar binnen einer Zehn-Jahresfrist, das er bis heute nicht wirklich aufgeben will. "2000 Dollar bis zum Jahr 2018 sind nicht undenkbar", erklärt Blodget, räumt allerdings ein Grundproblem ein, das alle Analysten kritisieren: "Das Unternehmen muss neben dem Suchgeschäft einen neuen Wachstumsmotor finden." Diese Suche danach dauert indes seit Jahren an…

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